Puh…

Wäre ich gestern nicht wie ein halbtoter Mensch auf meine Couch gefallen, hätte ich euch gestern sicher noch von meinem ersten Tag als Referendar berichtet. Aber ich bin mir sicher, dass ihr den einen Tag gut verkraften konntet und nun umso freudiger die folgenden Zeilen lest. 🙂

Der gestrige Tag war absolut anstrengend, ziemlich lang und schlauchend. Zumindest sagte mir mein Gehirn nach dem Nachhausekommen um 18 Uhr, dass es nun keine Informationen mehr aufnehmen wird und ich mich gefälligst entspannen und früh ins Bett gehen soll. Naja, ihr wisst ja, man sollte auf seinen Körper hören, also tat ich das. 😉

Alles begann um 10 Uhr in Halle in einem viel zu kleinen Saal für alle neuen Referendare. Nett gemeint, aber etwas zu kindisch war die Begrüßung, die von zwei Grundschul-Musik-Referendarinnen gestaltet wurde. Wir mussten gemeinsam ein kleines Guten-Morgen-Liedchen singen und Klatschspiele dazu machen, zum Schluss sogar im Kanon. An sich eine nette Idee, aber irgendwie unpassend – stellt euch doch die ganzen Herren in Anzügen und Frauen in hübschen Kostümen vor (ich fiel natürlich mit meiner Jeans aus der Reihe…), die lustige Grundschulspielchen veranstalten. Schöner Anblick!
Anschließend hörten wir ein paar Reden, die mehr oder minder liebevoll aufbereitet waren. Der zweite Redner beschwerte sich gleich über den Titel seiner Rede (PerspektiveN der Lehrerbildung – er verstehe den Plural nicht, da es nur eine Perspektive gäbe – diskussionswürdig!) und war der Meinung, nach 5 Minuten das Thema abgehandelt zu haben. Da es aber in allen anderen Fällen böse Blicke und Kommentare der Kollegen des Schulamtes gegeben hätte, redete er noch min. 30 Minuten länger… und emotionsloser, langweiliger, einschläfernder. Zum Glück hatte aber auch dieser Vortrag irgendwann ein Ende und wir konnten gemeinsam unseren Eid ablegen. Organisatorisch war das Ganze nicht wirklich gut geregelt, da weder der Text an die Wand gebeamt wurde (obwohl die technischen Möglichkeiten gegeben waren) noch in merkbare Häppchen gepackt wurden. Dadurch war ich sicher nicht die Einzige, die den Eid teilweise nur murmeln konnte. Da wir diesen aber auch unterschrieben haben, ist er trotzdem gültig. Jetzt bin ich also ganz offiziell Beamte.
Danach wurde der weitere Verlauf des Tages bekanntgegeben, indem zunächst alle Seminarleiter vorgestellt wurden (währenddessen sprangen meine Gedanken von „Oh, die/ der macht aber einen sympathischen/ coolen/ freundlichen Eindruck“ bis zu „Oh Gott, bitte nicht!“) und dann die entsprechenden Räume und Zeiten verkündet wurden. (Übrigens bekam ich einen der Seminarleiter ab, bei dem letzterer Eindruck entstanden war – zum Glück stellte er sich als ganz Lieber und Sympathischer raus, der wohl nur durch die Bundeswehr o.ä. härtere Gesichtszüge abbekommen hat. ^^)
Den Abschluss der Veranstaltung gestalteten wieder die zwei Mädels vom Anfang, wobei es diesmal sehr viel besser war. Wir konnten uns ein Filmchen über ein Schulprojekt der einen Referendarin ansehen (und das war wirklich gelungen: Es ging um Pois und interkulturelles Lernen mit Musik verbunden.). Zum Schluss führte sie sogar etwas mit ihren Pois vor, das war echt klasse.

Nach einer kurzen Pause, in der die GEW uns kleine Schultütchen mit Werbung gespickt schenkte, wurden wir von zwei Mitarbeitern des LISA (Schulamt S-A) über Medienkompetenz unterrichtet. Das war wirklich klasse, da hier Theorie und kleine Anekdoten aus dem Schulalltag abgewechselt wurden. Ich hoffe, die beiden kommen nochmal wieder und unterhalten uns noch einmal so super.
Außerdem wurde uns die Plattform des LISA vorgestellt. Diese ist absolut klasse, da hier sogar Videos und Unterrichtsentwürfe von alten Refs zu allen möglichen Themen zu finden sind – alles natürlich legal. Ich hoffe mal, dass ich einiges aus dieser Fundgrube schöpfen kann. Zumindest sind hier auch alte Schulrechtstests zu finden – den dürfen wir nämlich schon in 2 Monaten schreiben: Angst! Ich hasse diesen Gesetzeskram… musste ich im Studium nicht schon genug Gesetze auswendig lernen und predigen? Klar muss man wissen, was erlaubt ist und was nicht, welche Pflichten und Rechte man hat, aber muss ich das wirklich auswendig lernen? Reicht es nicht, wenn ich grob weiß, was dring steht und wo es steht? Naja… durch das Studium hat man schon Übung im Lernen von allen möglichen mehr oder weniger sinnvollen Dingen, das schaff ich auch noch.
Ach und eine tolle Empfehlung gab es auch noch: www.wolframalpha.com. Das ist eine semantische Suchmaschine. Hier werden also keine Suchergebnisse angezeigt, sondern direkt eine Antwort auf die Frage gegeben. Anfangs wurde die Plattform für mathematische Formeln entwickelt (ganze Kurvendiskussionen macht sie für einen), doch mittlerweile auch erweitert. Natürlich ist sie aber noch lange nicht ausgereift und vollständig. Trotzdem sehr nett und beeindruckend… und auch ein bisschen beängstigend.

Im 2. Teil des Tages – zu diesem Zeitpunkt war mein Gehirn schon voll – fand das erste Hauptseminar statt. Nach einer kurzen Kennenlernrunde der anderen Referendare (1/3 kannte ich zum Glück schon, sodass ich mir weniger merken musste) bekamen wir viiiiiieeeeeeeeele Informationen zum Ablauf des Referendariats und allem Drum und Dran. Teilweise hat mich das wirklich überfordert. (Zum Glück stellte ich vorhin fest, dass das alles noch in einem Dokument schriftlich festgehalten ist, sodass ich nun klarer sehe.) 16 Uhr wurden wir dann endlich entlassen und machten uns auf den Heimweg – natürlich nicht ohne Hausaufgaben. 😉

Heute hatten wir dann die Möglichkeit, uns in der Schule vorzustellen. Ich wurde sehr herzlich von allen aufgenommen und bin auch mit den Mentoren sehr zufrieden. Beide nahmen sich Zeit für mich, um auch persönlich ins Gespräch zu kommen. Zudem erhielt ich ihre Stundenpläne und viele andere wichtige Infos, die in den ersten Wochen relevant sein werden. Wir waren uns aber auch einig, dass wir es erstmal langsam angehen und die Fragen peu à peu bearbeiten, da es sonst einfach zu viel auf einmal wird.
Außerdem nahm ich an den Fachkonferenzen der beiden Fächer teil. Leider fanden diese gleichzeitig statt, sodass ich bei beiden nur die Hälfte mitbekam, doch thematisch ähnelte es sich stark. Vor allem wurden Regelungen für die Klassenarbeiten vorgenommen, also Dauer, Themen, Gewichtung und Bewertung. Ansonsten nur Kleinigkeiten… und wieder einmal fiel mir auf (wie schon im Praxissemester), wie ineffizient diese Konferenzen sein können. Wenn alle sagen, dass es ihnen egal ist oder wenn alle an ihrer Meinung festhalten, dann dauert es eben, bis man zu einer Lösung kommt. Das ein oder andere Mal hätte ich gern eingegriffen, aber ich dachte  mir, dass das am ersten Tag sicher nicht so gut ankommen würde. 😉 Naja, letztlich sind wir doch zu Lösungen gekommen, mit denen alle zufrieden sind, sodass dem neuen Schuljahr nichts mehr im Wege steht.

Insgesamt bin ich heute schon sehr viel positiver gestimmt als gestern Abend, wo mir einfach alles zu viel war. Fakt ist, dass es sicher eine sehr anstrengende Zeit wird, ich aber auch ganz gute Bedingungen erwischt habe. Angst machen mir nur einige Aussagen, die zwischendurch fielen:

  • „Unsere Schüler sind… nun ja… anders als andere Schüler, eben speziell.“ (Das Gymnasium ist naturwissenschaftlich orientiert und teilweise sind da wirklich hochbegabte Schüler, die wohl keine Sozialkompetenz besitzen.)
  • „An unserem Gymnasium stehen Sie natürlich unter einem gewissen Druck.“ (weil es so speziell und besonders ist)
  • „Alle unsere Referendare haben bisher mit sehr guten oder guten Ergebnissen abgeschlossen und haben sich gut eingefunden – aber natürlich nur unter der Voraussetzung, dass man sich voll und ganz einbringt.“ (Aber ich hab noch ein Privatleben, oder?)
  • „Unsere Schüler fordern Sie in ganz besonderer Weise und sie durchschauen auch schnell, ob der Lehrer etwas drauf hat oder nicht.“ (Ich hoffe doch, ich habe was drauf. ^^)

Aber egal, ich denk da nicht weiter drüber nach und lern sie erstmal persönlich kennen. Im Praxissemester war ich auch an einer „Eliteschule“ und am Ende war alles ganz toll. Und ganz nebenbei hat auch mein bester Freund an der Schule Abitur gemacht, so schlimm können die Schüler also gar nicht sein. 😉

Ich starte also frisch und motiviert in die zweite Hälfte der Woche, wobei „nur“ noch Seminare stattfinden werden. In die Schule geht’s erst nächsten Mittwoch wieder, weil Montag Seminartag ist und Dienstag gleich ein Projekttag, wo wir uns alle in der Uni treffen. Ich bin gespannt, was die Schüler auf die Beine gestellt haben. 🙂

PS: Von Inklusion ist an meinem Gymnasium noch keine Spur. Meine Englischmentorin wusste zunächst nicht einmal, wovon ich überhaupt rede…
PPS: Manfred Spitzer war Thema Nummer 1 gestern; ganze 3 Male wurde er in den Vorträgen genannt und auch etwas verpöhnt. (Sonntag lief eine Diskussion mit ihm im TV, die ich aber nicht gesehen habe und die wohl schon nach 30 Minuten von mehreren ausgeschaltet wurde, weil sie so unerträglich und oberflächlich war.)

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Morgen geht’s los…

… und ich bin schon ganz hibbelig!

Spannend war’s ja schon am Freitag, weil ich wegen der Ernennung zur – Achtung, ich habe meine korrekte Berufsbezeichnung am Freitag gelernt – Studienreferendarin für das Lehramt an Gymnasien nach Halle musste.

Schon vorher gab’s ein kleines Hin und Her, weil ich einfach keine Mitfahrgelegenheit nach Halle gefunden hatte… dabei war doch eigentlich klar, dass ich sicher nicht die Einzige bin, die am Freitag von Magdeburg nach Halle fahren muss. Zum Glück hatte sich Donnerstagmorgen doch noch jemand „erbarmt“ und hat eine Rundmail an alle Referendare geschrieben, um eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Oh man, da hätte man auch selbst drauf kommen können, oder? Zumindest war das echt gut, weil ich dann 1. schon vier nette neue „Kollegen“ kennen lernen konnte und 2. entspannt mit dem Auto nach Halle und wieder zurück kam. Das erste Beschnuppern lief auch echt gut und wir haben uns von Anfang an gut verstanden.

In Halle angekommen fanden wir uns auch pünktlich nach einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt am vereinbarten Treffpunkt zur Ernennung ein. Nach einigen generellen Infos zum Ablauf der Veranstaltung etc. wurde jeder einzeln nach vorne gerufen und zum Beamten auf Widerruf ernannt. Ein bisschen albern kam mir das ja schon vor, aber nun gut… seit gestern bin ich also offiziell Staatsdiener.
Danach füllten wir gemeinsam noch einigen Papierkram aus (ohne Bürokratie geht es ja leider nicht), damit wir in 1-2 Wochen das erste Gehalt beziehen können. Anschließend gab’s noch einige wahnsinnig wertvolle Tipps, bei denen ich mir echt dachte, was es anscheinend an Leuten geben muss… wir sollen uns z.B. am ersten Tag nicht ins Lehrerzimmer stellen und „aufmucken“ bzw. verbreiten, dass wir die Besten seien und schon alles wüssten. Ach echt? Wäre ich so gar nicht drauf gekommen… aber scheinbar gibt es Referendare, die das so machen. Die üblichen Tipps bekamen wir aber auch noch: Wir sollen uns gut mit der Sekretärin stellen, weil sie uns immer alle Infos in jeglicher Hinsicht geben kann oder auch mit dem Hausmeister, da er uns sicher mal bei einigen „groberen“ Arbeiten helfen muss. Und zur Not seien auch immer die Seminarleiter für uns da, die sowieso alles tun würden, damit wir glücklich und mit guten Noten aus dem Referendariat herausgehen können. Hoffentlich behält sie Recht.
Am Ende übten wir noch zusammen den Eid, den wir morgen bei der feierlichen Vereidigung aussprechen dürfen, und dann entließen sie uns ins Wochenende.
Mein kleines Grüppchen und ich tranken dann zum Beschnuppern noch gemeinsam einen Kaffee und klärten alles Wichtige für die morgige Fahrt. Alle sind wirklich sehr, sehr lieb und ich denke, dass wir uns sicher in der ein oder anderen Situation helfen und unterstützen können – zumindest hoffe ich das sehr. Und vielleicht ergibt sich auch noch die ein oder andere Freundschaft. 🙂

Morgen dürfen wir uns wieder nach Halle begeben, um feierlich vereidigt zu werden. Anschließend lernen wir die Ausbilder kennen und haben das erste Seminar. Ich bin wirklich gespannt, was sie uns dort alles erzählen werden und ob sie noch gute Tipps für die ersten Tage und Wochen haben. Hoffentlich sind sie wirklich so nett und hilfsbereit, wie es am Freitag angekündigt wurde… am Telefon machten sie jedenfalls einen sehr kooperativen Eindruck.

Ich bin gespannt auf morgen, noch mehr aber auf Dienstag, da ich dann das erste Mal in die Schule darf, um mich vorzustellen. Hoffentlich sind meine Mentoren genauso lieb wie die anderen Referendare! Ich berichte weiter! 🙂