Unfreiwillige Ferien

Dass Hochwasser furchtbar ist, habe ich in meinen letzten Posts bereits deutlich genug gemacht. Hier entspannt sich die Lage zwar, doch kann man in den Medien weiterhin schreckliche Bilder von überfluteten Dörfern, Feldern und Städten sehen, die mich einfach nur schockieren und sprachlos machen. Man möchte so gern helfen, auch wenn man schon viel geschuftet hat, doch im Moment ist es einfach nicht möglich.

Die Bewohner der evakuierten Stadtteile meiner Heimatstadt konnten heute fast alle wieder zurück in ihre Häuser und Wohnungen, doch an Aufräumen ist noch nicht zu denken. Das Wasser steht dort noch immer mindestens kniehoch… (Also kehren sie auch nicht wirklich zurück, doch können sie sich ein Bild von der Lage machen.)

Also sitze ich hier und gehe typischen Lehrertätigkeiten nach, während mein Berg an Arbeit langsam, aber sicher abgearbeitet ist. Einerseits eine gute Nachricht, andererseits fühle ich mich doch blöd. Die ganze Woche hat die Schule geschlossen und spätestens morgen Vormittag werde ich alles erledigt und auch meine Wohnung blitzeblank geputzt haben. Aufgrund des starken Drucks, der noch immer auf den Deichen lastet, können auch keine Sandsäcke weggeschafft werden.

Was mache ich also ab morgen? Wahrscheinlich Ferien… Donnerstagvormittag treffen wir uns noch einmal in der Schule und räumen dort den Keller, die Turnhalle und das untere Stockwerk wieder ein. Ansonsten haben wir keine Aufgabe. Es macht auch keinen Sinn, schon den Unterricht für die nächsten Wochen zu planen, weil noch so viel Ungewissheit herrscht. Und in Englisch wird es eh unspektakulär die nächsten Stunden, weil ich noch immer die Klassenarbeit zurückgeben und ein Diktat schreiben muss. Hmpf… einfach unbefriedigend.

Ich hoffe, dass zum Wochenende doch schon mehr getan werden kann und das Wasser weiter abläuft. Dann kann man auch endlich wieder tätig werden. Ich fühle mich einfach falsch dabei, hier Ferien zu machen, wenn andere gerade eine große Katastrophe durchstehen müssen. Oder bin ich zu sehr Gutmensch? Alle Kollegen reden auf mich ein, dass ich schon genug getan hätte und mich einfach mal entspannen soll. Und die Schüler freuen sich wahrscheinlich auch riesig über die schulfreie Zeit, sofern sie nicht selbst betroffen sind…

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Eine chaotische Woche steht bevor…

Nach einem Wochenende voller Sand schippen, Sandsäcke tragen, Bangen und Hoffen steht uns jetzt eine nicht minder anstrengende und ungewisse Woche bevor. Heute Mittag erreichte die Elbe in unserem Ort den Höchststand und hält seitdem konstant den Pegel. Es könnte sogar von leichter Abnahme gesprochen werden, doch sind die Messungen derzeit widersprüchlich und nicht vertrauenswürdig. Dennoch ist von Entwarnung noch lange nicht die Rede! Über 4-5 Tage wird weiterhin dieser enorme Druck auf den Deichen lasten und wir müssen weiter hoffen und dafür kämpfen, dass die Deiche nicht brechen.

Viele Stadtteile wurden schon vorsorglich geräumt, teilweise zwangsevakuiert. Die größte Sorge ist noch das Umspannwerk, das auf keinen Fall betroffen sein darf. Nicht nur würde dann die Stromversorgung im Norden der Stadt zusammenbrechen, sondern könnte auch nicht mehr abgepumpt werden, was bedeutet, dass in der gesamten Stadt das Grundwasser nach oben drücken würde.
Auch scheinen nicht alle Sandsackbarrieren noch lange standzuhalten.

Alle Schulen sind bis einschließlich Mittwoch geschlossen – in den Grund- und Förderschulen ist die Betreuung der Schüler jedoch gesichert.
Tja, und in meine Schule müssen alle Lehrer kommen, denen es möglich ist. Unser Keller ist wohl schon vollgelaufen, aber auch teilweise wieder leer gepumpt worden. Das Wasser kommt an der Kreuzung nebenan schon aus den Gullis – das Grundwasser drückt also mit enormer Gewalt.

Ich hoffe, dass unsere älteren Schüler die schulfreien Tage nutzen, um zu helfen und nicht nur, um die neuesten Computerspiele weiterzuspielen. Ich befürchte bei dem Großteil aber Letzteres. :/
Ich werde morgen jedenfalls zur Schule fahren (obwohl Seminartag ist und ich von der Schule freigestellt wäre) und mir die Lage ansehen. Wenn ich dort nicht helfen kann, dann fahr ich wieder an eine andere Stelle, an der Helfer gebraucht werden. Noch ist es nicht durchgestanden, aber ich hoffe, dass wir es möglichst unbeschadet schaffen.

Ich danke euch allen für das Daumendrücken!

PS: Mein Unterrichtsbesuch am Freitag fällt auf jeden Fall aus. Ich habe das Konzept also völlig umsonst geschrieben… Ich hoffe jedoch, dass meine liebe Ref-Kollegin diesen Freitag ihre Prüfung durchführen kann und sie aufgrund der prekären Lage nicht noch einmal verschoben werden muss. 😦

Ich hasse Warten…

… Warten auf eindeutige Aussagen dazu, ob morgen Schule ist oder nicht, ob wir morgen Strom haben oder nicht…
… Warten auf eindeutige Aussagen dazu, was am Montag passiert… und überhaupt die nächsten Tage…

Am Wochenende (Sonntag) wird der Wasserhöchststand erreicht und keiner weiß, ob das Wasser bis zur Schule kommen wird oder nicht. Fest steht, dass da eine übervolle Elbe mit einer übervollen Saale und einer gut gefüllten Mulde zusammenfließen und sich hier in der Nähe vereinen. Fest steht auch, dass das Wasser schon von unten drückt und es langsam aus den Gullis kommt.
Ich hab Angst. Und man kann nichts gegen all das tun.
Und ich bin wahnsinnig erschrocken von den Bildern, die durchs Internet und das Fernsehen kursieren.
Und trotzdem habe ich bei Facebook das Gefühl, dass es kaum jemanden interessiert und das Leben normal weitergeht. Muss es ja auch, aber ist nicht etwas mehr Anteilnahme angebracht? Oder leiden alle heimlich mit?

Wieder heißt es also Warten und gespannt darauf sein, ob wie morgen Unterricht machen oder nicht…

Alles in der Schwebe

Mein 100. Beitrag auf diesem Blog und der Anlass ist nicht der Schönste – Hochwasser. Ja, es ist in aller Munde und nun betrifft es mich auch indirekt. Meine Wohnung ist zum Glück ganz weit weg von der Elbe, aber die Schule und auch das Haus meiner Eltern leider nicht…

Heute gab es eine Information in der Schule, dass der Unterricht ab Donnerstag wahrscheinlich/ vielleicht nicht mehr stattfinden könne, weil die Elektroversorgung laut Versorger vorsorglich eingestellt werden soll und somit alle Sicherheitsanlagen und Telefone nicht mehr funktionieren würden. Damit ist die Sicherheit der Schüler nicht mehr gewährleistet und der Unterricht fällt aus. Für uns Lehrer heißt das, dass wir jeden Tag zur 1. Stunde kommen müssen, um bei Räumarbeiten mitzuhelfen und das Schulgebäude zu sichern. Die Keller wurden heute schon geleert. Es ist einfach schrecklich, was die Natur anrichten kann. Noch halten alle Deiche in meiner lieben Heimatstadt, doch weiß keiner, wie lange das noch anhält. Hunderte Menschen werden evakuiert – in den umliegenden Gebieten stehen viele Wohnungen schon 1m und höher im Wasser. Wir können nur hoffen, dass es die Schule (und meine Eltern!) nicht so hart treffen wird, sondern es lediglich um Vorsorgemaßnahmen gehen wird.

Am schlimmsten trifft es an unserer Schule meine liebe Referendarkollegin, die eigentlich am Freitag Prüfung hätte. Hätte… das wird wohl nichts. Kein Strom, keine Schüler, keine Prüfung. Es muss schlimm sein, wenn man alles fertig geplant hat und dann die Prüfung aus solchen Gründen nicht durchführen kann. Und für mich ist wichtig, ob die Prüfung um eine Woche oder auf einen anderen Tag verschoben wird, weil ich am nächsten Freitag meinen GUB hätte und der auch flach fallen müsste, wenn dort die Prüfung stattfindet. Dabei habe ich alles schon geplant und hab das Schreiben des Konzeptes schon angefangen…

Morgen gibt es nähere Informationen, wie an der Schule verfahren wird. Gedanklich bin ich aber sowieso bei all jenen, die jetzt schon so stark von den Fluten betroffen sind…

 

PS: Mir wurde ein Stöckchen zugeworfen, das ich natürlich schon liebevoll aufgehoben habe. Mein Beitrag folgt, sobald ich Zeit zur Beantwortung der Fragen habe. Ich habe es aber nicht vergessen! 🙂