Kommen wir jetzt ins Fernsehen?

Jetzt ist der Streik schon 2 Tage vorbei und noch immer ist er Gesprächsthema Nummer 1 bei uns an der Schule. Neugierige Kollegen, die gestreikt haben, hören sich nach den Umständen an der Schule am Dienstag um – und sind nicht verwundert über das Chaos. *Ironie an* Wie soll man das auch vorher planen, wenn sich die Lehrer und Schüler erst 5 Tage vorher melden, ob sie da sind oder nicht? Das ist ja schier unmöglich!*Ironie aus*

Die Kollegen, die trotz Streik unterrichtet haben, werden von noch neugierigeren Kollegen zu ihrer Haltung zum Streik ausgefragt und kritisch beäugt. Interessant ist das Phänomen, dass eben jene Kollegen sich wie Promis, Politiker oder ähnlich geartete Wichtigkeiten unserer Gesellschaft im Fernsehen verhalten: „Kein Kommentar“ und komplette Ignoranz gegenüber den zu wissberierigen Menschen um sie herum. Ob es ihnen peinlich ist oder ob sie es satt sind, wieder und wieder ihre Argumente dafür hervorzubringen, weiß man nicht. Dass sie sich damit aber keine Freunde gemacht haben, sollte ihnen spätestens heute klar sein. Aber Kollegialität ist für einige eben doch ein Fremdwort – die anderen können sich einsetzen und wir profitieren von ihren Kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Ist ja auch viel bequemer.

Und das Beste: Unsere Schule stand jetzt namentlich sogar in der Zeitung: Wir sind das einzige Gymnasium, das am Dienstag auch Unterricht gemacht hat. Toll, oder? Holt die Sektgläser heraus und lasst uns anstoßen! Eine neue Ära unserer Schule ist angebrochen – und wir sind mal wieder Gesprächsthema Nummer 1. Nur leider diesmal in einer ganz anderen Weise, als es sonst der Fall ist…

Streikchaos

Wie schon gestern erwähnt, wurde heute gestreikt. Wir Referendare hatten die Anweisung vom Seminar, zur ersten Stunde zu erscheinen, um die Aufsichtspflicht der Schule garantieren zu können. Da ich eine sehr pflichtbewusste Person bin, habe ich das natürlich gemacht, obwohl ich sonst erst zur 4. Stunde in die Schule gemusst hätte.

Schon in der Straßenbahn merkte man, dass heute etwas anders ist. Sonst ist sie voll mit Schülern der verschiedensten Schulen, heute konnte man die Schüler an zwei Händen abzählen. Es kamen vor allem 5.-7.-Klässler, die wahrscheinlich nicht allein zu Hause bleiben durften.
Doch es mangelte nicht nur an Schülern, sondern auch an Lehrern. Ganze 3 Kollegen waren heute früh da – ich natürlich als einzige Referendarin. So viel zu den Anweisungen des Seminars…
Schnell gewannen eine Kollegin und ich einen Überblick über die anwesenden Schüler (ca. 50, also zwei Klassen) und machten einen Schlachtplan, was wir mit denen anstellen: Eine Truppe darf mit ihr Video gucken, die andere darf mit mir und einem Sportlehrer in die Sporthalle, um Tischtennis zu spielen. Froh über die schnelle Klärung – von der Schulleitung kam bis dato nichts – erzählte ich dem Schulleiter vom Plan. Statt dem zuzustimmen, tigerte er erst einmal planlos durch das Schulgebäude, um sich selbst einen Überblick zu verschaffen. Nach gefühlten 10 Minuten kam er zu dem Entschluss, dass er das jetzt nicht entscheiden könne und auf den Stellvertreter warten möchte. Hallo? Wofür ist denn ein Schulleiter da? Warum kann er keine Anweisung geben?
Naja, die Rettung kam just in die Schule und organisierte alles genau so, wie wir es uns schon abgemacht hatten. Also ab in die Turnhalle und die Kleinen beaufsichtigen – nichts leichter als das.

Nach der 1. Stunde hatte ich dann ein Date mit meiner Mentorin und sprach noch Einiges wegen meiner schriftlichen Arbeit ab. Sie machte sich dann nach Hause (obwohl offiziell galt, dass wir bis zur siebten Stunde bleiben müssen!) und ich… ich war planlos. Alle Schüler wurden beaufsichtigt und es gab keine Aufgabe für mich. Gehen durfte ich aber auch nicht. Zum Glück hatte ich mir ein paar Schülerarbeiten mitgenommen, die ich dann korrigiert habe.
Eine Stunde später fragte ich noch einmal bei der Schulleitung nach. Schließlich gab es weiterhin keine Informationen, was passieren soll – einfach absolut unorganisiert! Und dann musste ich mir auch noch in einem mehr als frechen Ton anhören, dass es keinen interessiere, ob ich heute früher gekommen sei oder nicht. Unglaublich! Andere Kollegen kommen trotz Anweisung gar nicht und die pflichtbewussten werden auch noch zusammengesch****n. Naja, geschluckt und weiter gewartet.
Noch immer hatte ich keine wirkliche Aufgabe und beschäftigte mich weitere 2 Stunden im Vorbereitungsraum mit Schülerarbeiten und allerlei anderem Zeug. Nebenbei habe ich immer mal wieder mit einer Deutschkollegin geschnackt, die das auch alles mehr als unverschämt und unorganisiert fand. Sie musste heute nämlich auch viel länger in der Schule sein als sonst – und das ohne Aufgabe und ohne mitgebrachte Arbeiten, wie ich sie hatte.

Um 12.30 Uhr durften die unbeschäftigten Schüler und ich endlich gehen – schließlich könnte hier auch regulär Schulschluss sein, wenn man einen kurzen Tag als Schüler hat. Und wann meine liebe Deutschkollegin gehen durfte, weiß ich auch nicht… Ich hoffe schnell!

Fazit: Ich habe selten etwas so Unorganisiertes und Unstrukturiertes erlebt! Die Deutschkollegin erzählte, dass es vor wenigen Jahren schon einmal einen ähnlichen Streik gab (unter anderer Schulleitung) und an dem Tag alles perfekt durchgeplant war, wer wann welche Klasse betreut. Da konnte man sich wenigstens auf etwas einstellen!
Übrigens gab es auch die Kollegen, die den Streik – scheinbar sogar stolz darüber – gebrochen haben, indem sie normalen Unterricht gemacht und sogar Tests geschrieben haben… so viel zur Kollegialität!

Planung adé

Morgen ist Streik.
Den Eltern wird mitgeteilt, dass kein normaler Unterricht an der Schule stattfinden wird. Trotzdem werden einige Schüler zur Schule kommen, da sie nicht allein zu Hause bleiben dürfen. Andere freuen sich wohl jetzt schon auf den freien Tag morgen.
Für mich bedeutet das, dass ich morgen schon zur 1. statt zur 4. Stunde in der Schule erscheinen darf, um die Schüler, die da sind, zu beaufsichtigen. Da wir allerdings noch nicht wissen, wie viele wirklich kommen, kann es auch sein, dass ich gleich wieder nach Hause darf. Oder ich bleibe bis zum Nachmittag. Fest steht: Es ist alles noch unsicher, was morgen passieren wird.
Fakt ist: Ich werde morgen keinen Unterricht machen und dadurch den Streik brechen. Schließlich finde ich es gut, dass sich auch Lehrer trauen, auf die Straße zu gehen und für ihre Rechte einzutreten. Sogar verbeamtete. Das möchte ich unterstützen, indem ich zwar in der Schule bin, aber nicht den Unterricht fortsetzen werde. Andere Kollegen (wohlgemerkt ca. eine Hand voll, also sehr wenige!) handhaben es laut Vertretungsplan im Internet anders – sie werden ihren normalen Unterricht durchziehen. (Man verliert ja wertvolle Stunden…) Ob dann aber wirklich alle Schüler kommen und das mitbekommen? Zumal die offizielle Aussage der Schulleitung ist, dass kein Unterricht stattfindet?
Ich muss schon sagen, dass ich vorhin etwas geschockt war, dass nicht alle Lehrer ausnahmslos mitziehen. Aber vielleicht sind da meine Ansprüche auch zu idealistisch. Sogar die eine Referendarin wird zwei ihrer insgesamt 5 oder 6 Stunden morgen halten. Das hat mich etwas zum Nachdenken angeregt, ob ich das Richtige mache. Ist es in Ordnung, den Schülern ihr Recht auf Unterricht zu verwehren? Verhalte ich mich moralisch richtig? Den Kollegen gegenüber ja – zumindest denen, die streiken. Und den anderen? Von denen hagelt es vielleicht sogar Kritik, dass ich in der Schule bin und trotzdem nicht unterrichte. Zumindest rechtlich stehe ich aber auf der sicheren Seite, da ich nicht verpflichtet bin, Streik zu brechen. Immerhin.
Ich glaube, dass wir morgen im Chaos versinken und die Planer ordentlich zu tun haben werden, das alles zu koordinieren. Ich spreche ihnen schon jetzt meinen höchsten Respekt aus!

So viel zum Kindergarten…

Heute haben meine Siebten in Englisch ihre Ergebnisse der letzten Woche vorgestellt. 2 Gruppen sollten ein Programmheft gestalten, wovon eines absolut nicht ansprechend war (keine Bilder, keine schöne Formatierung, alles schwarz-weiß) und das andere richtig schön war (genau das Gegenteil). Die anderen 2 Gruppen sollten das Theaterstück aufführen. Aufführung eins war sehr nett, was vor allem durch die schönen Kostüme zustande kam. Die Schüler haben sich beim Anblick teilweise gekringelt, vor allem weil ein Schüler plötzlich lange braune Haare hatte. Aber wie soll sonst eine Gruppe Jungs deutlich machen, dass sie auch weibliche Rollen spielen? Außerdem alles ganz normal – zu Shakespeares Zeiten war das doch auch so. 😉

Die zweite Aufführung war auch ok, aber in der Gruppe hat man auch deutlich gemerkt, dass schon in der Vorbereitung nicht alles glatt lief, was vor allem an den Differenzen und dem unprofessionellen Miteinander zusammenhing… Tja, und bei der Auswertung waren wir dann wieder vollkommen im Kindergarten angekommen. Es wurde sich angezickt (wohlgemerkt unter Jungs!), es wurden unsachliche Vorwürfe auf die Reflexionsbögen geschrieben und man sah nur die Augen vor Wut blitzen. Sogar die Mitschüler haben heute besänftigend eingegriffen, aber sie hören ja kaum auf mich. Selbst meine Mentorin, die sonst eher der „Schrecken“ aller Schüler ist, weil sie sehr streng und konsequent ist, kam nicht ganz gegen das Gezicke an, als sie Montag mit der Klasse hatte. Sie erzählte mir auch, dass die Schüler selbst zugaben, dass die Probleme in einigen Fächern bestehen (wodurch ich dann auch entlastet war und es eindeutig nicht an meiner falschen Lehrweise liegt).
Zumindest habe ich es aber geschafft, dass sie ihre Gruppenarbeit am Ende doch noch recht anständig reflektiert haben, sodass es beim nächsten Mal hoffentlich besser funktioniert. Das werde ich bald mal prüfen, wenn es sich wieder anbietet. So lange können wir aber trainieren, mit einem Partner zusammen zu arbeiten – da hakt es ja im Moment auch etwas…

Ansonsten ist gestern und heute nicht viel passiert:

  • Das Thema für meine schriftliche Arbeit (SAB) ist eingereicht und (inoffiziell) bestätigt, sodass ich das Unterrichtsprojekt hierzu pünktlich in 4 Wochen starten kann.
  • Das Konzept für meinen GUB habe ich erfolgreich herumgeschickt – es kann also nichts mehr umformuliert oder geändert werden.
  • Meine Mentorin ist schon ganz hibbelig wegen meines GUBs am Donnerstag und wundert sich, dass ich noch nicht so aufgeregt bin (weil ich es noch vermeide, mir ins Gedächtnis zu rufen, dass ich die Stunde, die ich nun wochenlang vorbereitet habe, am Donnerstag endlich halten soll). Und warum sie so aufgeregt ist? Ich glaube, das liegt vor allem am neuen Schulleiter, den sie in solchen Situationen noch nicht kennen gelernt hat, also inwieweit er sich auch für die Referendare einsetzt.
  • Ein Haufen Korrekturen wurde erledigt, aber es liegt noch immer ein kleiner, nicht zu verachtender Stapel auf meinem Tisch.

Morgen werde ich mich also zwischen Renovieren der neuen Wohnung meiner Großeltern und dem normalen Schulalltag seelisch auf meinen GUB vorbereiten, damit am Donnerstag (hoffentlich) nichts mehr schief gehen kann. (So langsam bin ich doch aufgeregt…)

PS: Morgen wird auch in Sachsen-Anhalt gestreikt und ich bin gespannt, wie viele Kollegen mitmachen. Als Referendar wurde uns ja deutlich von seiten der Schulleitung/ Kollegen und des Landesinstitutes davon abgeraten. Wir könnten zwar teilnehmen, müssten aber mit Konsequenzen rechnen… Willkommen in dieser Welt!