Sommerferien?

Offiziell war am Freitag der letzte Schultag. Inoffiziell habe ich leider noch keine Ferien, obwohl ich mich mehr als ferienreif fühle.
Morgen geht es auf Seminarfahrt nach Wust. Nie gehört? Kein Wunder! 50 Seelen hat das Dörfchen ungefähr. Bekannt geworden ist es maximal durch die Flutkatastrophe, da es leider stark betroffen war (Wust liegt bei Fischbeck, das durch den Dammbruch komplett überflutet wurde). Tja, und da dürfen wir morgen früh um 7 Uhr hinfahren – in den Sommerferien.

Was wir da machen? Wir besuchen die Sommerschule. Dozenten aus den USA und GB haben sich eingefunden, um Kindern, Erwachsenen und auch uns Referendaren in Kursen Englisch beizubringen (bzw. uns beizubringen, wie wir unseren Englischunterricht anregend gestalten können). Meine Motivation ist auf dem Tiefpunkt, da mich das alles schon wieder an die Uni erinnert. Und wenn ich dann noch an das Hochwassergebiet (Gestank, Mücken, Tetanusgefahr) denke, sinkt sie noch weiter.
Wir bekommen nur Frühstück und Mittag zu horrenden Preisen, um Abendbrot und Unterkunft muss man sich selbst kümmern. Campen wäre eine Möglichkeit, aber nach dem Hochwasser klingt das nicht so verlockend. Ich darf also die Woche ne Menge Geld von meinem geringen Referendargehalt für etwas ausgeben, auf das ich auch gut verzichten könnte.
Warum ich trotzdem mitfahre, hatte ich ja schon erklärt… Es geht um meine Abschlussnote. Machen wir also das Beste draus. Die Woche darauf geht es zum Glück richtig in den Urlaub! 🙂

Ich bin also noch nicht richtig in den Ferien angekommen, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass ich mich gestern Abend wie in der Schule gefühlt habe. Wir waren beim Irish Folk Festival (was ich mir viel besser vorgestellt hätte!) und trafen dort auf mindestens 5 meiner Kollegen. Wie soll man da in Ferienstimmung kommen? 😀 (Nichts gegen meine Kollegen, ich mag sie sehr!)

Heute Abend gehen wir noch zum OpenAir-Musical Les Miserables. Mal sehen, wie viele Lehrerkollegen und Schüler man dort antrifft. 😉

Drückt die Daumen, dass die Zeit in Wust schnell vorbei geht! Ob ich mich melden kann, weiß ich leider nicht, da es dort mit dem Internet- und Mobilempfang wohl eher schlecht aussieht.

Sommerloch

Als ich Schüler war, fand ich die Zeit vor den Sommerferien immer am schönsten. Die Noten standen fest, das Wetter war immer schön und wir hatten alle so wenig Lust, dass wir unsere Lehrer zur Verzweiflung gebracht haben. Wir waren einfach so lange unmotiviert und jammerig bis die Lehrer mit uns gespielt oder einen Film geguckt haben oder wir rausgegangen sind. Oder sie konnten nur halbherzigen Unterricht machen.

Als Schüler fand ich das schön, jetzt als Lehrerin nervt mich das. Die Schüler haben ihre Strategie leider nicht geändert und nun stehe ich auf der anderen Seite und kämpfe. Zum Glück sind Schüler noch genauso bestechlich: Arbeiten sie gut mit, können wir in der nächsten Stunde auch etwas spielen. Hat gut funktioniert – obwohl sie nicht alle Spiele so gut fanden. Dabei sind Grammatikspiele doch etwas ganz Feines. 😀

Naja, morgen ist dann unsere allerletzte Englischstunde in diesem Schuljahr (und wie sie sich vorhin gefreut haben, als ich verkündete, dass ich auch nächstes Jahr zumindest noch bis Weihnachten ihre Lehrerin sein werde) und ich habe ihnen überlassen, was wir machen. Wenn nichts Sinnvolles vorgeschlagen werden sollte, habe ich natürlich eine Alternative parat, aber ich vertraue meinen Schülern einfach mal. Hoffentlich werde ich nicht enttäuscht!

Ich werde jetzt erstmal noch einkaufen gehen und ein paar Kekse besorgen – soll ja auch gemütlich sein in der letzten Stunde.

Und wer sich jetzt wundert: Nächste Woche sind noch keine Ferien, aber unsere Schule macht das organisatorisch so schlau, dass Dinge wie Sportfest, Schulfest und Projekttage gemacht werden. Da freue ich  mich schon drauf. 🙂