Die Luft ist raus

Zwar sind die letzten Ferien erst 3 Wochen her, doch merkt man den Schülern und den Kollegen deutlich an, dass alle erschöpft sind und Ferien brauchen. Zum Glück haben wir alle am Donnerstag nach der 5. Stunde Schluss und können uns dann auf die einwöchigen Winterferien freuen. 🙂

Ich hoffe inständig, dass sich die Schüler erholen, Luft holen, entspannen, sich austoben, was auch immer, damit sie dann nach den Ferien fit in das 2. Halbjahr starten können. Es ist schon etwas anstrengend, dass bei den Schülern kaum etwas hängen bleibt und die Mitarbeit manchmal etwas zu wünschen lässt. Immer wieder fängt man an, den Urschleim zu erklären, um im Stoff weiterzukommen… Das geht doch eigentlich auch anders. Aber nun gut, man kann es auch verstehen. Die Zeugnisse sind noch nicht ausgeteilt und die Schüler noch nicht im zweiten Halbjahr angekommen. Und das zehrt natürlich auch alles an den Kräften der Lehrer. Viele Kollegen sind einfach nur gestresst…

Heute ist übrigens passend zum Thema der Stressreport zu Deutschland herausgekommen. Wer keine Zeit oder Muße hat, um sich das Pamphlet über 208 Seiten durchzulesen, kann auch hier die wichtigsten Ergebnisse kompakt nachlesen:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/leistungsdruck-am-arbeitsplatz-stress-report-jeder-fuenfte-ist-im-job-voellig-ueberfordert_aid_908029.html

Ich finde das schon spannend, dass sich immer mehr Deutsche gestresst fühlen und sich die Arbeitnehmer in anderen Längern hingegen über Monotonie und Langeweile beschweren. Da läuft doch was falsch!
Aber ich kann es auch nachvollziehen, wenn ich mir den Lehrerberuf anschaue. In Sachsen-Anhalt soll das Stundendeputat eines Lehrers in nächster Zeit angehoben werden; auch die Inklusion erhält immer mehr Einzug, ohne dass ich eine Förderlehrkraft oder einen Sozialpädagogen jemals in der Schule gesehen hätte. Wir Lehrer schaffen das schon, haben wir ja schon immer. Hinzu kommen die ganzen Konferenzen, die gerade zum Ende eines Halbjahres kein Ende zu finden scheinen, die vielen Stundenvorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Schülergespräche, usw.
Im Moment bin ich dem allem noch nicht so stark ausgesetzt, weil ich mich noch im Referendariat befinde, doch das ist auch nicht weniger stressig. Schließlich bekommen wir vom Seminar genügend Aufgaben, die zu erfüllen sind… Abgesehen davon, dass bei uns die Vorbereitungen und Korrekturen noch dreimal so lange dauern, weil wir so unerfahren sind (und vielleicht auch ein wenig zu perfektionistisch, was uns allerdings antrainiert wird, weil die Unterrichtsbesuche ja wahre Feuerwerke sein müssen).

Gestresst kann man sich also oft genug fühlen. Umso wichtiger ist es, dass man sich auch bewusst Pausen nimmt, abends ein Limit setzt und seinen Hobbies nachgeht. Ich hoffe, dass ich das auch mal in meiner unterrichtsfreien Zeit schaffe, auch wenn die zu erledigenden Aufgaben zahlreich sind…
Deswegen mein Tipp: Schaltet nach dem Lesen dieses Blogartikels und des Zeitungsartikels den Rechner aus, nehmt euch ein gutes Buch hervor, strickt an dem Schal für Oma Gerda weiter, geht spazieren, kocht euch ein gutes Abendbrot, geht joggen oder macht irgendetwas Anderes, bei dem ihr euch gut entspannen könnt! 🙂

Riecht ihr sie auch schon, die Ferien?

Ganz sanft kann ich ihren Duft erahnen. Sie riechen so lieblich, süß, ein bisschen fruchtig und nach einer Prise Zimt.
Die ersten Weihnachtsgeschenke sind besorgt bzw. gebastelt, die ersten Plätzchen gebacken und vernascht worden. Herrlich kann sie sein, diese wunderbare Weihnachtszeit.

Nun muss ich nur noch diese letzte stressige Woche überstehen, denn nächsten Mittwoch sind schon Ferien und dienstags habe ich nur eine weihnachtliche Stunde, die sich hoffentlich leicht vorbereiten lässt.
Doch erst einmal ist Arbeit angesagt. Die Klassenarbeiten liegen dort noch immer unerbittlich auf dem Schreibtisch und wollen einfach nicht fertig werden… Keine einzige hat sich bisher erbarmt und die ihr zugeschriebene Note sowie ein passendes Worturteil aufgeschrieben. Auch die Noten sind noch nicht über Nacht in mein Notenheft geflogen… Wäre ja auch zu schön.
Heute erfuhr ich zudem etwas, das ich erfolgreich verdrängt hatte: Bis Ende Dezember müssen Thema sowie Bearbeitungszeitraum meiner Examensarbeit feststehen. Wie gut, dass ich mir bisher noch gar keine Gedanken darüber gemacht habe – weder über das Fach, noch über die Sequenz oder das genaue Thema, über das ich schreiben möchte. Da ist noch Einiges zu tun, Zappelbeinchen…
Und die Präsentation wartet auch sehnsüchtig auf meine Weiterarbeit. Vor 2 Wochen hatte ich doch relativ viel geschafft, doch dann kam mein Krankwerden hinzu und schon lag es wieder brach. Und als wäre es nicht genug, dass ich diese gleich nach den Ferien halten muss, ereilte mich heute die wunderbare Nachricht, dass mein Seminarleiter dasselbe Thema 2 Mal vergeben hat. „Sprechen Sie sich einfach ab, dann ist das alles kein Problem.“ Abgesehen davon, dass ich die Dame wohl erst zum Termin meiner Präsentation wiedersehe, ist das kein Problem, nein nein. „Oder wollen Sie lieber etwas zum Thema ‚emotionale Lernblockaden‘ machen?“ Klar! Jetzt habe ich mich schon wochenlang in ein anderes Thema eingelesen, warum nicht? Man man man, was sich manche so vorstellen… Aber es gibt nichts, was ich bisher nicht geschafft habe, dann kriegen wir das auch noch hin!

Eine gute Nachricht – nein, was sage ich? – fabelhafte Nachricht gab es aber heute doch: Die Schulrechtstests waren endlich fertig kontrolliert und das Zappelbeinchen hat ihre erste Ausbildungsnote im sehr guten Bereich gesammelt. Yeah, auf in die letzte (richtige) Woche!

Wieder was gelernt

Als meine Mentorin mir gestern am Telefon erzählte, wie überrascht die Schüler von meinem Test waren und wie fehlerhaft die Lösungen beim Herumgehen aussahen, dachte ich noch, sie hätte übertrieben. Heute früh bemerkte ich aber schon beim 1. Blick auf die Tests, dass sie wohl nicht übertrieben hatte…
In meiner Freistunde der 1. Schock. Nach Durchsicht der 1. Aufgabe zur Grammatik schwante mir schon Böses. Kein einziger Schüler hatte volle Punktzahl, viele keinen einzigen. Oh man, was sollte das noch werden?
Heute Nachmittag beantwortete sich diese Frage: Die reinste Katastrophe.
Fazit: Nur eine 3, der Rest Vieren, Fünfen und Sechsen. Hiermit revidiere ich also meine Aussage: Es ist durchaus möglich, trotz des viel zu sanften neuen Leistungsbewertungserlasses eine Sechs zu schreiben. Einfach keine Vokabeln lernen und die Grammatik nicht noch einmal zu Hause wiederholen und schon wird das was.
Und nun? Bewertet wird der Test nicht, das kann ich einfach nicht machen. Bei einem Durchschnitt von 4,86 gehen mir die Eltern doch auf die Barrikaden. Lerneffekt sollte aber hoffentlich trotzdem vorhanden sein.

Dabei lernen sie gleich Mehreres:
Die Schüler machen den Test zu Hause noch einmal ordentlich, mit Buch und Vokabelliste sowie Grammatikerklärung und beschäftigen sich somit noch einmal ausführlich mit dem Lernstoff.
Außerdem merken sie, dass Unterricht bei der Referendarin nicht bedeutet, dass keine Anforderungen mehr gestellt werden. Ja, es soll mehr Spaß machen und ja, wir probieren neue Methoden aus und ja, der Unterricht wird abwechslungsreicher, ABER das heißt nicht, dass keine Anforderungen an die Schüler gestellt werden und keine Vokabeln/ Grammatik mehr gelernt werden müssen. Bisher war ich immer so nett und habe Tests quasi mit dem Zaunpfahl angedeutet. Kaum mache ich das mal nicht, lernt auch keiner.
Hoffentlich lernen sie also, dass sie auch bei mir kontinuierlich lernen müssen und jederzeit eine Vokabelkontrolle erfolgen kann – ob nun als Test oder mündliche Leistungskotrolle.

Und ich lerne, dass ich manchmal doch noch strenger und härter sein muss…
Memo an alle Sprachlehrer/ -referendare: Den Schülern kontinuierlich und konsequent deutlich machen, dass die Vokabeln immer gelernt werden müssen! Schließlich gehört das zum Erlernen einer Sprache dazu.

Heute lief die Stunde aber sehr gut. Gleich am Anfang bin ich ziemlich laut geworden, weil es mir einfach zu unruhig war und darauf folgte eine Grammatikstunde, die nahezu vorführfähig war. Die Mentorin war endlich mal zufrieden und ich auch. Vielleicht wird das ja doch noch etwas mit mir. 😉

Und jetzt bin ich mal gespannt, wie die Schüler morgen reagieren, wenn sie ihre Noten sehen (die ich natürlich nicht eingetragen habe).

„Wenn du möchtest, darfst du mich nach Schottland begleiten.“

Lange hatte ich auf diesen Satz gewartet und nun war es endlich so weit – meine Mentorin fragte mich gestern, ob ich die Elfer mit nach Schottland begleiten möchte. Und natürlich sagte ich ja. Schottland ist eines meiner absoluten Lieblingsländer, auch wenn ich bisher erst ein Mal in meinem Leben die Möglichkeit hatte, mir dieses wundervolle Land anzuschauen. Edinburgh ist einfach eine wunderschöne Stadt und die Highlands ein Traum. Und auch wenn wir es wohl nicht weiter als Loch Lomond schaffen, freue ich mich schon riesig darauf. Da war ich ja vor 2,5 Jahren schon mal und es war einfach fabelhaft! Ob die Schüler das auch zu schätzen wissen? Oder ob sie tagsüber verkatert im Bus sitzen und in Ruhe gelassen werden wollen? Man wird sehen…

Und dies war nicht das einzige Highlight, das mich diese Woche ereilte.
Am Mittwoch durfte ich schon um 5.20 Uhr aufstehen, da ich ab sofort die 10. Klasse in Englisch in der 0. und 1. Stunde hospitieren und irgendwann auch unterrichten darf. 0. Stunde ist echt hart, das hat man auch den Schülern angemerkt. Naja, und dementsprechend schlecht liefen auch irgendwie meine Stunden an dem Tag. Zwar war ich super vorbereitet, doch trotzdem lief es irgendwie nicht so richtig… Da Matheolympiade war, nahmen viele Schüler nicht am regulären Unterricht teil und die anderen gingen wohl auch davon aus, dass sie, aus Fairness, ebenfalls nur Larifari-Unterricht machen würden. Dementsprechend schleppend lief es auch, die Motivation war auf dem Tiefststand.
Völlig fertig und müde machte ich mich auf dem Nachhauseweg und schrieb mit meinem fabelhaften Freund, mit dem ich an diesem Tag ein halbes Jahr zusammen war. Wir schrieben, wie gern wir den Tag miteinander verbringen würden, wie schön es wäre, wenn er jetzt da wäre, warmes Essen auf dem Tisch stände und er mich aufbauen könnte… mein Selbstvertrauen hatte ich nämlich an dem Tag in der Schule gelassen. Und nun dürft ihr raten, was oder wer mich zu Hause erwartete. Richtig! Mein Traummann mit leckerem Essen (Germknödel – yammie!). Und auch wenn ich die letzten 2 Tage nicht wirklich Zeit für ihn hatte und wir nur abends unsere traute Zweisamkeit genießen konnten, freue ich mich riesig, dass er da ist. Wie schön wäre es, wenn es immer so sein könnte… ja, ich weiß… aber man wird ja wohl noch träumen können.

Gestern und heute liefen dann meine Unterrichtsstunden auch sehr viel besser. Heute gab es sogar gar nichts wirklich zu kritisieren, was mich echt freute. Am herrlichsten waren die Gesichter, nachdem der Lieblingssatz aller Schüler fiel: „Zettel raus, Test!“ Ich maße mir sogar an zu behaupten, in den Gesichtern gelesen zu haben, dass sie für einen Moment überlegten zu diskutieren… aber sie ließen es.
Und auch wenn eigentlich nicht alle abgeben sollten, erhielt ich am Ende der Leistungserhebung fast alle Tests… juchhu, meine Zeit ist gerettet! Fast wäre es mal zu Freizeit gekommen. 😉

An dieser Stelle muss ich mich auch mal allgemein über das Leben als Referendar auslassen: Gestern fand unser Fachseminar Englisch nicht mit unserer Seminarleiterin, sondern mit einem ehemaligen Referendar statt, der uns Frage und Antwort stehen und etwas über den Prüfungstag und das Kolloquium erzählen sollte. Und was er uns erzählte, geht auf keine Kuhhaut… Man kann nur hoffen, dass wir alle nicht so gefrustet aus dem Referendariat herausgehen. Bisher habe ich das alles noch gar nicht als so schlimm empfunden, aber vielleicht bin ich auch zu naiv und blauäugig? Folgende Punkte erschraken mich am meisten:

  1. Die Seminarleiter tun während der Ausbildung immer so nett und verständnisvoll und geben einem die Kraft, die man auch benötigt, aber am Ende bzw. nach Leistungserhebungen wird dann mit der Note abgerechnet. Und die fällt wohl nicht immer fair und erst recht nicht gut aus. In Präsentationen wird nicht zugehört und gequatscht und dann eine 3 vergeben, in schriftlichen Arbeiten lässt der letzte Satz die Arbeit noch einmal um eine Note schlechter werden…
  2. Die Seminarleiter wissen nicht, was sie wollen. Vor der Prüfung sagen sie, welche Arbeits- und Sozialformen sich anbieten würde und nach der Prüfung sagen sie, dass diese Arbeits- und Sozialformen absolut unangemessen waren und warum man nicht dieses und jenes gemacht hätte. Muss man das verstehen? Auch andere Teilnehmer des Seminars berichteten von ihren ersten Besuchen, wobei sich hier herausstellte, dass bei dem einen etwas gut war, was beim anderen als absolut unangemessen betitelt wurde. So viel zur Transparanz der Leistungsbewertung…
  3. Die Seminarleiter verlangen doch allen Ernstes, dass man ihnen am Prüfungstag ein zweites Frühstück anbietet… „Mit Keksen und Kuchen ist es aber nicht getan“. Belegte Brötchen sollten es schon sein… Was nehmen die sich eigentlich heraus? Und wer hat damit angefangen, dass es jetzt alle machen müssen? Und es kann doch auch nicht legitim sein, das in die Bewertung einfließen zu lassen? Meine Kollegin meinte heute gleich, dass man das doch nach der Prüfung mal an die Tageszeitung weitergeben sollte, damit solche Missstände mal offen gelegt werden. Gar keine schlechte Idee… sonst kann sich nie etwas ändern. Ein gemeinsamer Boykott scheitert aber auch, weil sich gleich einige aus dem Seminar dagegen gestellt hatten… wohl aus Angst um ihre Note.

Insgesamt wirkte er auch sehr abgeklärt mit der ganzen Sache… ob er immer solche Ansichten hat oder ob es aus dem Frust heraus entstand, kann ich nicht beurteilen. Zumindest brachte er auch andere Ansichten an den Tag, die ich nicht so ganz stützen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Entmutigt bin ich trotz allem nicht und ihr solltet das auch nicht sein. Wir müssen einfach kämpfen und uns die Unterstützung an anderen Stellen holen, von Mitreferendaren, Kollegen, Freunden, Familie oder dem Partner. Kopf hoch! Wenn andere das schon geschafft haben, können wir das auch schaffen. 🙂

Der Tag des Unglaublichen

1. Nach meiner Verkündung, heute ausnahmsweise mal keine Hausaufgaben aufzugeben, rief ein Schüler ganz enthusiastisch: „Sie sind die beste Lehrerin der Welt!“

Na wenn das so einfach ist, diesen Status zu erhalten… wozu machen sich die ganzen Bildungstheoretiker noch einmal Gedanken darüber, was einen guten Lehrer/ guten Unterricht ausmacht? 😀 Aber ich finde, sie hatten sich das auch echt verdient. Nachdem sie gestern Klassenarbeit geschrieben hatten, rief meine Mentorin mich abends an und verkündete, dass ich heute noch das Diktat schreiben muss – die Schüler wüssten Bescheid. Erstens finde ich Diktate auf Englisch eh schon gemein, die Schüler können das ja nicht mal auf Deutsch. Aber das ist nun mal so von der Fachschaft festgelegt, also machen wir es. Und zweitens dann gleich am Tag nach der Klassenarbeit? Oh man… zumindest hatte ich danach noch Zeit, um mit den Schülern ein lustiges Quiz mit dem möglichen Gewinn einer Klassenfahrt zu machen, sodass ich die Schüler wieder „auf meiner Seite“ hatte. Und dann noch keine Hausaufgaben aufgegeben… das war wohl echt klasse für die Schüler.

2.Bei meinem Besuch beim Direktor, wo ich den lauen Andrang auf den Deutschbereich und die Bibliothek beim Tag der offenen Tür bedauerte, sagt er zu mir: „Naja, nur Bücher auszulegen ist ja auch nicht wirklich interessant für die Eltern.“

Das zeigt doch schon seine klare Haltung zu der Disziplin, oder? Abgesehen davon, dass wir keine Bücher auslegten, sondern eine Vorleseaktion starteten. Aber leider war es auch so, dass viele Erwachsene in den Raum kamen und feststellten, das „sei nur etwas für Kinder“ und sofort wieder gingen. Auch das lässt tief blicken, wie ich finde. Auch der Ethik- und Kunstbereich waren total leer, von anderen Bereichen weiß ich noch nichts. Natürlich waren die Naturwissenschaften aber rege besucht, war ja klar… Er entließ mich nur mit dem Spruch, ich könne mir ja für nächstes Jahr etwas überlegen, weil ich dann auch noch da bin. Na mal sehen…
3. Nach der Kontrolle der Klassenarbeiten fiel ich fast vom Stuhl und ärgerte mich mal wieder über den neuen Bewertungserlass.

Nun ist es ja so, dass in Sachsen-Anhalt dieses Schuljahr ein neuer Bewertungserlass herausgegeben wurde, nach dem die Schüler noch viel sanfter bewertet werden. Ich finde es mittlerweile sogar echt schwer, eine 6 zu bekommen, das ist schon eine Leistung… schließlich gibt es ab 20% schon die 5. Nun ja, Arbeiten kontrolliert, Punkte ausgerechnet, in die Punktetabelle geguckt – und siehe da: Nur 2 Schüler erhalten eine 3, 3 Schüler eine 1 und der Rest eine 2. WAS??? Das geht doch gar nicht… noch 3 Mal nachgerechnet, doch es ist so. Immerhin darf man 14 Fehler machen und bekommt trotzdem noch eine 2… Wozu dann noch Noten? Wirken unsere Schüler jetzt etwa schlauer? Ja, nach außen schon, aber ganz ehrlich: Das ist für mich dann keine gute Leistung mehr. Laut Erlass und Tabelle schon… Und nun befürchte ich, auch wenn es absurd ist, dass ich das angekreidet bekomme, dass die Arbeit zu gut ausgefallen ist. Dabei habe ich die Punkte mit meiner Mentorin abgesprochen und auch keine Punkte geschenkt, sondern recht streng bewertet. Also entweder ist etwas am System falsch oder ich bin wirklich die beste Lehrerin der Welt . 😀

Das Brandenburger Schulsystem – Halleluja!

Ein Griff in den Briefkasten, ein Blick auf die kostenlose Zeitung vom Samstag, ein überraschter Blick auf meinem Gesicht – so oder so ähnlich startete mein Tag.

Da ich auf dem Weg in den 5. Stock immer viel Zeit habe, las ich mit Entsetzen diesen Artikel: http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/potsdam/artikel/5040/GEW+warnt+vor+Scheitern+des+Inklusionsprojekts+an+Grundschulen

Schon im Vorlesungssaal hatte ich stets mit Entsetzen verfolgt, was Brandenburg vorhat – Inklusion ohne zusätzliche Gelder, ohne entsprechende Lehrkräfte, ohne zusätzliche Gelder. Somit folgt Brandenburg dem deutschen Trend, was in diesem Fall nicht als positiv zu betrachten ist. Schon in wenigen Jahren sollen in Brandenburg sämtliche Förderschulen abgeschafft und alle im Moment noch speziell geförderten Schüler in das normale Schulsystem inkludiert werden. Aus meiner Sicht an sich eine schöne und lobenswerte Idee, doch bitte nicht auf diesem Weg! Und vor allem nicht alle Schüler… für manche Behinderungen mag das durchaus möglich sein. Gerade bei Hör- oder Sehstörungen oder leichten psychischen Beeinträchtigungen mag das sehr gut möglich sein, ich habe es schon live erlebt (auch im eigenen Unterricht), doch gibt es auch Behinderungen, bei denen ich mir das ganz und gar nicht vorstellen kann. Man denke beispielsweise an das Down-Syndrom oder spezielle Ausprägungen des Autismus. Ich habe selbst schon an Förderschulen geholfen und mitgearbeitet und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie einige dieser Schüler in den normalen Unterrichtsalltag integriert werden sollen – vor allem nicht ohne entsprechende Ausbildung bzw. Unterstützung von ausreichend (!) Fachkräften.

Ich möchte dieses vieldiskutierte Thema an dieser Stelle nicht vollständig ausdiskutieren und alle Argumente dafür und dagegen ausführen; ich möchte lediglich auf die Missstände aufmerksam machen.
Eine schöne Diskussion, die ich ständig mitverfolge, findet sich hier: http://www.lehrerforen.de/index.php?page=Thread&threadID=32897&pageNo=1&highlight=inklusion

Es lohnt sich wirklich, sich alles durchzulesen!

Übrigens gab es heute früh noch einen Grund zum Aufatmen: http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/potsdam/artikel/5028/Uni-Präsident+fordert+Zusatzmittel+für+Lehrer+von+Lernschwachen

Ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es noch viele Jahre dauern wird, bis diese geplante Einführung Früchte tragen wird – sofern sie überhaupt zustande kommt… schließlich muss Brandenburg sparen… ohne Worte!