Von Fortbildungen und Vornoten

Es ist viel los in diesen Tagen – trotz Herbstferien letzte Woche. Jeden Tag habe ich mir den ganzen Tag mit Prüfungsvorbereitungen vertrieben und nun bin ich schon echt weit gekommen. Jeden Tag mache ich ein bisschen, sodass ich es pünktlich nächsten Freitag schaffen sollte, alles an die Prüfer zu schicken. Eigentlich will nur mein Hauptseminarleiter alles per Post, die anderen können sich auch per Mail bis Montag gedulden bzw. wollen es persönlich haben. Ja, ihr habt richtig gelesen. Zwei Tage vor der Prüfung darf ich zum Landesschulamt fahren, um meine Prüfungsunterlagen persönlich an meinen Fremdprüfer zu überreichen. Warum auch nicht? Eigentlich könnte das doch jeder verlangen. Dann würde man mal ein bisschen herumkommen in diesem schönen Bundesland. 😀 Zum Glück reicht dann doch der Weg über die Post oder E-Mail.

Heute habe ich meine Deutschstunde mit meiner Mentorin abgesprochen und irgendwie muss ich sagen, dass ich sie nie so wenig kritisch erlebt habe. Entweder war mein Entwurf wirklich gut oder sie hatte gute Laune. Zumindest fand sie alles rund und stimmig, nur an den Formulierungen der Aufgabenstellungen soll ich noch einmal arbeiten, damit es wirklich eindeutig wird. Sogar meine super-mediale Idee fand sie toll, obwohl sie sonst eher gegen diesen Medienkram ist. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich das technisch umsetze. Ziel ist, dass ich alle Standbilder, die die Gruppen kreieren, mit dem Handy fotografiere, auf den Laptop bringe und alle Bilder nebeneinander über den Beamer zeige, damit wir sie dann vergleichen und auswerten können. Ein Kabel zu besorgen ist das Einfachste. Jetzt muss ich nur noch sehen, wie ich auf die Schnelle alle Bilder nebeneinander auf den Bildschirm bekomme. Ideen? Oder denke ich zu kompliziert?

Gestern gab es übrigens die Vornoten. Lange hatte ich den Tag herbeigesehnt und doch gefürchtet, aber es gab keine Überraschungen. Ich habe alle Noten genau so bekommen, wie ich es mir (teilweise leider) schon gedacht hatte, aber die Begründungen waren der Hammer! Einfach nicht nachzuvollziehen und lächerlich! Ich habe in meiner schriftlichen Arbeit – Achtung, haltet euch fest! – ZU VIEL reflektiert. Ich hätte mir die Auswertung der Feedbackbögen mit schönen, übersichtlichen Diagrammen doch bitte sparen können. Was soll das Ganze? (Das nächste Mal können sie sich gern durch die Feedbackbögen kämpfen und sich allein eine Übersicht über die Kommentare schaffen… Pff!) Und dann wurden auch noch Dinge kritisiert, die nach den Unterrichtsbesuchen wirklich NIE, kein einziges Mal, zu Wort kamen. Aber man muss ja bei zu wenig Sympathie irgendeine Begründung für die Note finden, ne?
Ich versuche, das Positive zu sehen und mich noch motivierter für die Prüfung zu fühlen, aber so ganz klappt das noch nicht. In den nächsten 2 Wochen kann das ja noch werden. Das fällt aber ehrlich gesagt auch schwer, wenn mich meine Kollegen seit heute alle etwas mitleidig anschauen, weil sie wissen, wie blöd die Zeit unmittelbar vor der Prüfung ist. Zumindest versuchen sie es danach aber noch mit aufmunternden Worten. 😉

Etwas Kraft kann ich auch aus dem anstrengenden Fortbildungswochenende ziehen. Davon habe ich euch noch gar nicht berichtet. Es hat sich gelohnt, zumindest am Samstag. Freitag war eher zäh und nur wiederholend für mich, was ich etwas schade fand. Samstag war dann aber umso besser. Erst haben Kinder/ Schüler von einem Projekt erzählt, wie sie im Deutschunterricht bzw. in der Projektwoche ein Theaterstück auf die Beine gestellt haben (und zwar komplett inklusive Texteschreiben und Bühnenbild gestalten). Es war echt faszinierend, das mal zu hören, wie es wirklich in der Praxis aussehen kann. Sonst liest man ja immer nur von etwas utopischen Umsetzungsmöglichkeiten, aber weiß nicht, wie das wirklich funktionieren soll. Danach stellte dann noch Maike Plath ihre Konzept vom Theaterunterricht vor, das an einer Hauptschule auch erprobt wurde. Ich erwähne den Namen extra, weil ich so begeistert davon war. Im März erscheint ihr Buch, in dem sie das gesamte Konzept erläutert und ich empfehle es wirklich wärmstens. Sie hat auch ganz viele Materialien erstellt, die man schon jetzt im Handel erwerben kann. Ohne das Konzept sind sie aber etwas „wertlos“. Ich habe zumindest das erste Geschenk auf meiner Wunschliste für Weihnachten. 😉

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Lahmer Schulstart

Irgendwie hätte ich mir den ersten Schultag anders vorgestellt. Meine Klassen aus den Ferien begrüßen, mir Ferienerlebnisse anhören, in freudige Schülergesichter gucken – wenigstens Letzteres konnte ich etwas auf dem Flur.

Da heute Donnerstag ist, hätte ich normalerweise gänzlich frei gehabt. Allerdings mussten alle Kollegen ab 8.15 Uhr in der Schule sein, weil die 5.-Klässler begrüßt wurden. Pünktlich wie immer erschien ich in der Schule, um in mein meistens leeres Fach zu schauen und die neuesten Zettel an unseren Pinnwänden zu studieren. Erstaunlicherweise fand ich 2 Zettel in meinem Fach (neuer Stundenplan, auf dem aber nur ein Raum geändert war, und das Protokoll der Fachkonferenz Deutsch). Auch an der Pinnwand fanden sich allerhand neue Informationen, u.a. zu unserem Spendenlauf am Montag (den ich leider nicht miterlebe, weil montags Seminartag ist) und unserer Harzwanderung am Dienstag.
Hier erfuhr ich, dass ich mit meiner Lieblingsklasse, mit denen ich auch in Schottland war, mit dem Bus in den Harz fahre und auch mit ihnen wandern werde. Während ich da vor der Pinnwand stand und sorgfältig alle Infos zu Dienstag studierte, bemerkte ein Sportkollege, dass wir die schwierigste und längste Strecke wandern würden. Man brauche unbedingt Wanderschuhe! Ich zeigte beinahe schüchtern auf meine Turnschuhe, die ich auch zum Wandern anziehen wollte. Da mischten sich gleich noch 2 weitere Kollegen ein, dass ich mit diesen Schuhen niemals wandern könne und ich mir meine Füße damit kaputt mache! Wenn die wüssten, was ich mit den Schuhen schon alles erlebt und gemacht habe… Fakt ist: Ich werde mir nicht für eine läpprige Wanderung im Harz Wanderschuhe für über 100€ kaufen!
Später am Tag meinte meine Mentorin auch, dass sie die Strecke schon öfter in normalen Halbschuhen gelaufen sei und das super klappte. Also drauf gepfiffen!

Ein anderer nebenbei geäußerter Kommentar eines Kollegen vor der Pinnwand beunruhigte mich dann schon eher. Mir auf die Schulter klopfend kam besagter Kollege an mir vorbei und bemerkte, dass ich ja dann mit der neuen Englischkollegin meine Klassen teilen würde und dass das sicher suuuuuuper  mit uns funktionieren wird, weil wir uns recht ähnlich sind. Letzteres kann ich nicht beurteilen, da sie erst ab Mitte September bei uns ist (sie ist noch nicht von ihrer alten Schule freigegeben wurden). Ersteres in diesem Satz beunruhigte mich dann aber sehr. Wir teilen uns die Klassen? Wie soll ich mir das vorstellen? Teamteaching? Hälfte-Hälfte?
Eigentlich hatte ich den stellv. Schulleiter so verstanden, dass die Stunden offiziell geteilt sind, ich die Klassen aber bis Weihnachten habe und sie die dann ab Januar, also wenn ich weg bin, übernimmt. Alles Andere macht auch wenig Sinn, weil in der einen Klasse noch ein wichtiger Unterrichtsbesuch (GUB) aussteht und ich in der anderen meine Prüfung mache. Das funktioniert doch mit Teilen oder Teamteaching gar nicht…
Ich warte jetzt erst einmal ab, bis sie da ist und bespreche das mit ihr. Sollte sie auf so eine komische Teilung bestehen, rede ich nochmal mit dem stellv. Schulleiter und zur Not mit meinem Seminar. Meine Stunden lass ich mir aber nicht nehmen – und meine Prüfung/ meine Gesamtnote erst recht nicht verpfuschen!

Tja, das waren meine spannenden 5 Minuten des heutigen Schultages. Ansonsten wartete ich, dass die Zeit vergeht, quatschte etwas mit meinen Kollegen und machte mich dann kurz vor 10 Uhr auf den Weg, nachdem sich eine andere Kollegin auch nach Hause traute. Leider gab es nämlich keine Information, wie lange wir in der Schule bleiben müssen…

Morgen wird es dann hoffentlich spannender bei den alljährlichen Projektvorstellungen in der Uni. Außerdem kommen morgen allerlei wichtige Menschen, um Reden zu unserem Schuljubiläum zu halten. Man darf also gespannt sein! 🙂

Back to school

So langsam, aber sicher sind die Ferien wirklich zu Ende. Ab Donnerstag werden wieder hunderte von Schülern durch das Schulgebäude wuseln – und ich mittendrin. Einerseits freue ich mich, andererseits hätten die Ferien auch noch etwas länger andauern können. 😉

Heute war unser erster Vorbereitungstag. 2 Stunden Dienstberatung mit allen möglichen Informationen durften wir heute genießen. Diesmal hat unser stellvertretender Schulleiter die Sitzung geleitet. Von einem neuen Schulleiter war bisher noch nicht die Rede und ich glaube auch nicht, dass ich den in meiner Referendarzeit noch erleben werde.

Dafür gab es viele andere Informationen. Eine Kollegin hat in den Ferien heimlich geheiratet und hat einen neuen Namen. (Sie will gern ihre Schüler veräppeln, indem auf den Stundenplänen immer ihr neuer Name stehen soll und die Kollegen dann so tun sollen, als wäre es eine neue Kollegin. Der Überraschungseffekt wird super! 😀 ) Wir haben eine neue Kollegin (darüber habe ich mich ja schon einmal extra ausgelassen), die aber heute seltsamerweise nicht anwesend war. Und wir bekommen wahrscheinlich einen promovierten Referendar in den Fächern Deutsch und Sport – vorausgesetzt es finden sich Mentoren. Dann bin ich nicht mehr allein an der Referendarfront.
Tja, ansonsten werden die ersten Tage vom Schuljubiläum gefüllt sein. Der Unterricht geht erst nächsten Mittwoch so richtig los.

Leider gab es heute aber noch nicht die Stundenpläne. Dabei bin ich soooo neugierig, wie meine Stunden diesmal verteilt sind und ob ich trotz neuer Kollegin meine Wunschklassen bekomme. Morgen bekommen wir sie hoffentlich, zumindest wird dieses Ziel angestrebt. Ich wünsche es mir sehr, weil ich dann endlich die ersten Sequenzplanungen machen kann. Im Moment ist das schwer möglich, weil ich nicht weiß, ob ich Doppel- oder Einzelstunden habe.

Ansonsten stehen morgen nur die Fachkonferenzen an. Natürlich finden Englisch und Deutsch wieder gleichzeitig statt, sodass ich nur zu Englisch gehe und mich in Deutsch von meiner Mentorin informieren lasse. Da habe ich wenigstens eine… in Englisch ist das alles noch etwas in der Schwebe, wer meine neue Mentorin wird.
Und danach müssen wir bis 12 Uhr in der Schule bleiben – wozu auch immer. Ich nehme mir was zum Arbeiten mit und hoffe, dass ich dann auch irgendwo Ruhe dazu finde.
Mittwoch dürfen wir zum Glück zu Hause bleiben, bevor es dann Donnerstag richtig losgeht. 🙂

Bauchgrummeln

Die letzte Schulwoche bricht morgen an.

Nicht unglücklich bin ich über das letzte Seminar vor den Sommerferien. Ich mag die Seminare ja eher nicht so (falls man das noch nicht herausgelesen hat), da sie meistens sehr theoretisch sind und mich an meine Unizeiten erinnern, die ich eigentlich schon hinter mir gelassen hatte. Zu allem Überfluss muss ich morgen wohl auch noch Protokoll schreiben, was im Deutschseminar echte Akkordarbeit bedeutet, aber was tut man nicht alles? 😀 Ist für die nächsten Wochen das letzte Mal – ich werde es also überleben.

Etwas unglücklich bin ich aber schon, weil ich letzte Woche meine letzte richtige Unterrichtsstunde vor den Ferien abgehalten habe. Sowohl in Deutsch als auch in Englisch war es echt schön. Meine süßen Siebener sehe ich aber alle die Woche nochmal – beim Sportfest und auch am Projekttag „Schule ohne Rassismus“. Und beim Schulfest laufen mir sicher auch noch einige über den Weg. Trotzdem ist es irgendwie komisch. Schon als Schüler mochte ich Sommerferien nicht (erst im Laufe der Ferien ^^).
Umso glücklicher bin ich aber, dass ich alle meine Klassen behalten darf (außer die stumme Englisch-10er – dafür bekomme ich eine neue 10.).

Und natürlich freue ich mich auch auf die Woche. Sportfest, Projekttag, Schulfest und Abschiedsfeier meiner Mentorin. Das Wetter soll toll werden, sodass ich optimistisch bin, dass die Tage auch schön werden und sicher nicht zu langweilig. Außerdem bin ich noch mit einigen mir wichtigen Menschen verabredet, weil ich die Wochen darauf im Sommercamp und im Urlaub bin. 🙂

Ich wünsche allen, die auch die letzte Schulwoche (oder eine der letzten) vor sich haben, ganz viel Spaß und Durchhaltevermögen und allen anderen, dass sie ihre bereits begonnenen Ferien weiterhin in vollen Zügen genießen! 🙂

Binnendifferenzierung macht Spaß

Was für eine anstrengende Woche das doch war – das glaubt ihr gar nicht! Aber das Fazit ist: Ich starte zufrieden ins Wochenende.

Am Donnerstag hatte ich wieder eine schöne offene Unterrichtsform zum Üben des Passivs (diesmal mit der Erweiterung um das Personal Passive) ausgewählt. Wieder gab es verschiedene Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, aber dieses Mal auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten – Regeln wiederholen, Zeitformen üben, aus dem Deutschen übersetzen, … . Die Schüler erhielten einen Arbeitsplan mit insgesamt 2 Pflichtaufgaben und weiteren 6 Wahlaufgaben, wovon sie mindestens 2 auswählen und bearbeiten sollten. Die Lösungen lagen wieder vorn bei mir aus, damit sich die Schüler selbst kontrollieren konnten. Begleitend füllten sie in dem Arbeitsplan aus, welche Aufgaben sie schon geschafft hatten, wie viele Fehler sie jeweils hatten und wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit waren. Diese habe ich dann am Ende eingesammelt. Ich habe sie bisher nur überflogen, doch nahmen die Schüler das gut an und füllten alles gewissenhaft und ehrlich aus.
Niemals hätte ich gedacht, dass das so gut funktioniert! Die Schüler haben sich vorher wirklich genau überlegt, welche Defizite sie das letzte Mal festgestellt hatten und dementsprechend die verschiedenen Aufgaben ausgewählt. Und sie haben wieder ganz konzentriert und ruhig gearbeitet – was ich sonst von der Klasse eigentlich nicht kenne. Ich bin wirklich begeistert! Es sei mal infrage gestellt, ob das wirklich bei jeder Klasse funktioniert, aber diese Truppe nimmt es gut an und hat sogar Spaß dabei. Die Schüler riefen am Anfang der Stunde wirklich „Jippie“, als ich sagte, dass wir wieder frei arbeiten. 😉

Am Mittwoch hatte ich mal den Tipp aus meinem schlauen Buch ausprobiert, Gruppenpuzzle binnendifferenziert zu gestalten. In meiner 10. Klasse ging es darum, verschiedene berühmte Persönlichkeiten und ihre Verdienste für die Gesellschaft kennenzulernen. Die Schüler erarbeiteten sich in Gruppen die wichtigsten Infos, gestalteten ein Plakat und danach führten wir einen Museumsrundgang (Gallery Walk) durch. Der Clue war, dass ich den Schüler nicht einfach englische Texte gab, sondern sie ganz unterschiedliches Material bekamen: Comics, Briefe, Reden, Statistiken, Bilder, … . Da ich auch schon ungefähr ahnte, wer sich zusammen in eine Gruppe setzen wird, konnte ich mir vorher schon Gedanken darüber machen, welcher Gruppe welche Art von Informationsvermittlung wohl am ehesten zusagt. Die naturwissenschaftlich starken Schüler erhielten also z.B. die Person Fleming (Erfindung Penicillin) und Statistiken und die sprachlich starken Schüler die Rede „I have a dream“ von Martin Luther King, Jr. Und gleichzeitig wiederholten wir in den einzelnen Gruppen die grundlegenden Arbeitstechniken des Schuljahres: Analyse von Comics, Bildern, Statistiken und allgemein von Texten. Die Kreativen konnten sich dann bei der Plakatgestaltung ausleben. Und der letzte Vorteil: Die Schüler haben endlich mal Englisch gesprochen! Ihr erinnert euch vielleicht, dass diese Klasse immer sooooo ruhig ist, sie nie etwas sagen geschweige denn sich mal freiwillig melden. In den kleinen Gruppen haben sie dann aber zumindest beim Museumsrundgang alle durchgängig Englisch gesprochen, ohne dass ich sie dazu ermahnen musste.
Insgesamt also eine rundum gelungene Stunde, von der auch meine zukünftige Mentorin begeistert war. Sie möchte sogar meiner Fachseminarleiterin davon erzählen, damit auch die einen noch besseren Eindruck von mir hat. 😉 In 2 Wochen hab ich meinen nächsten GUB (gemeinsamen Unterrichtsbesuch) und dann ist sie sowieso da.

Also: Der Aufwand lohnt sich und von dem Material zehrt man noch eine ganze Weile. Und mal ehrlich: Gruppenpuzzles sind immer aufwändig – da macht die Binnendifferenzierung keinen Mehraufwand. Ich kann es wirklich nur empfehlen! 🙂

Morgen ist dann Lange Nacht der Wissenschaft, wo natürlich meine Schule auch vertreten ist. Ich darf mit ein paar Schülern Sandwiches verkaufen – yeah! 🙂
Euch ein schönes Wochenende!

Binnendifferenzierung macht glücklich

Angeregt von dem Buch über Binnendifferenzierung in der Sekundarstufe, das ich euch letztes Mal kurz vorgestellt habe, habe ich heute das erste Mal eine der Methoden ausprobiert. Ich weiß gar nicht genau, unter welche Kategorie das jetzt fiel – Lerntheke? Jedenfalls wurde sowohl in der Schnelligkeit als auch in dem Leistungsniveau und Lerntyp der Schüler differenziert. Es ist auch keine neue Idee, aber bisher hatte ich mich an so etwas nicht herangetraut.

Wir üben gerade das Passiv in Englisch in den verschiedenen Zeitformen sowie die Umformung vom Aktiv ins Passiv oder andersherum. Nachdem wir gestern noch einmal die Regeln wiederholt hatten (weil Ferien waren und die Schüler eine Erinnerungshilfe brauchten), hatte ich für heute viele verschiedene Arbeitsblätter konzipiert – leichte, mittelschwere und schwere Aufgaben sowie unterschiedlich in ihrer Art angelegt (Rätsel, Lückentexte, Sätze formulieren, usw.). Diese wurden ausgelegt und die Schüler sollten in 30 Minuten der Stunde insgesamt mindestens 3 Arbeitsblätter ausfüllen und anschließend vorn bei mir am Lehrertisch kontrollieren (die Lösungen standen auf Zetteln und hingen an der Tafel). Dabei durften sie sich selbst aussuchen, welchen Schwierigkeitsgrad sie wählen – sie mussten sich also ehrlich einschätzen. Natürlich stürzten sie sich anfangs alle auf die einfachen Aufgaben, aber ich hatte mit Absicht extra wenig Kopien davon gemacht, sodass die Schüler nach der ersten Runde quasi dazu gezwungen waren, sich auch mittelschwere Aufgaben vorzunehmen. Lediglich die wirklich schwachen Schüler konnten auch ein zweites Mal zu einfachen Aufgaben greifen. Die Schüler merkten zum Glück auch schnell, dass die einfachen Aufgaben wirklich zu einfach sind und nahmen automatisch danach die nächst höhere Schwierigkeitsstufe.

Erstaunt war ich über manche Schüler, die ich im Mittelfeld eingeordnet hatte, die sich aber gleich in der 2. Runde auch an die schweren Aufgaben trauten und sogar ganz gut bewältigten. Da sieht man mal, was manche Schüler leisten können, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Natürlich gab es aber auch Schüler, die den einfachsten Weg wählten… Laut dem Buch legt sich das wohl aber, wenn man diese Übungsform öfter verwendet. Mal sehen, ob das stimmt…

Am Ende der Stunde teilte ich noch Reflexionsbögen aus, auf denen die Schüler nicht nur festhalten sollten, was sie bereits gut konnten und was noch geübt werden muss (für die weitere Gestaltung der Übungen), sondern sie sollten auch die Methode evaluieren – also wie gut sie damit zurechtgekommen sind.
Und siehe da: Alle Schüler haben angegeben, dass ihnen diese Übungsform viel besser als das frontale Üben gefallen hat, weil sie selbst ihre Fortschritte beobachten konnten und somit den Schwierigkeitsgrad auch individuell wählen konnten. Zudem waren sie nicht so gehetzt, weil es gut zu schaffen war und sie sich wirklich Zeit zum Nachdenken nehmen konnten. Ich hatte die Schüler übrigens auch dazu aufgefordert, bei der Kontrolle nichts wegzukillern, sondern sich mit einer anderen Farbe zu korrigieren, damit sie ihre Fehler sehen und auch beobachten können, wie die Fehler weniger werden. Das hat sie wirklich motiviert! Und natürlich bin ich auch etwas herumgegangen und habe nachgefragt, wie gut es funktioniert und habe kontinuierlich gelobt. Auch das hat stark motiviert.

Absoluter Daumen hoch dafür! Die Vorbereitung war zwar etwas intensiver, weil man mehr Übungen zusammenstellen musste, aber es gibt auch schon viele fertige ABs im Internet. Und wenn man es ein Mal vorbereitet hat, kann man es immer wieder nutzen.
Auch meine Mentorin hat mich heute wieder sehr gelobt und meinte, ihr gefalle mein Unterrichtsstil sehr, den ich mittlerweile entwickelt habe. Großes Lob von dieser Frau, ich bin begeistert! 🙂

 

Und was mich heute auch erstaunt hat: Ein Schüler erzählte mir, dass seine Mutter auch Lehrerin ist und er ihr von meiner Umschlagmethode zur Disziplinierung erzählt hat. Was ist passiert? Sie und die halbe Lehrerschaft haben es nun an ihrer Schule eingeführt, weil sie so begeistert davon waren. 😀 Probiert es also aus! Es lohnt sich!

Potenzierte Hilflosigkeit – Part II

Ich wünschte, ich könnte euch heute Besseres darüber berichten, wie der Fall vom Freitag mit dem weinenden Schüler (T.)ausgegangen ist. Leider ist „der Fall“ noch lange nicht abgeschlossen…

Meine Mentorin hatte am Montag wie versprochen mit der Klasse gesprochen. Zusätzlich sollten die 3 beteiligten Schüler (T., F. und R.) aufschreiben, was aus ihrer Sicht passiert war. Damit sollten sie einerseits ihr Verhalten in der Situation reflektieren, andererseits hilft es uns auch, uns ein objektiveres Bild zu machen. Das haben sie alle 3 auch gemacht und abgegeben – die Versionen gleichen sich relativ. Dabei ist T. aber auch ein Stück weit selbst Schuld, dass F. ihn gehauen hat, da er angefangen hatte, F. in den Bauch zu pieken. Was davor passiert war, ist unklar, da sich die Schüler widersprechen.

Was haben das Gespräch und diese Maßnahme genützt? Nichts!
Gestern ging es weiter. T. und F. sitzen im Englischunterricht hintereinander, was eigentlich kein Problem darstellen sollte, wenn die Schüler nach vorn blicken. Das machen sie aber natürlich nicht die ganze Zeit. Gestern drehte sich also F. leicht um und T. schrie gleich (im Unterricht!): „Ey, was guckst du denn so blöd, du A****loch?“
Ich habe natürlich sofort interveniert, aber auch gleichzeitig mitbekommen, dass T. keinesfalls Opfer ist, sondern auch selbst an den Situationen Schuld ist.
Heute hat sich das in der vollen Blüte gezeigt. Zufällig hatte meine Deutschmentorin heute früh in der Klasse Vertretung und berichtete mir gleich in der Pause vom Geschehen. Ein anderer Klassenkamerad (M.) wurde heute von T. in der Pause (aus Spaß?) permanent in den Bauch gepiekt. Dabei könnte man meinen, dass T. aus der Situation von Freitag gelernt hat und weiß, dass sich das seine Mitschüler nicht gefallen lassen… (Und mir erschließt sich auch nicht, was man davon hat.) Zumindest hat sich M. nach mehreren verbalen Reaktionen dann auch körperlich zur Wehr gesetzt, indem er T. wegschubste. Dieser knallte unglücklicherweise mit dem Kopf gegen den Türrahmen und bekam eine dicke Beule. Im Laufe des Tages ging er wegen Kopfschmerzen und Übelkeit auch nach Hause, weswegen ich ihn nicht antraf.

Auch die Mutter wurde heute darüber in Kenntnis gesetzt. Sie kam sofort in die Schule, wo sie zufällig auf meine Englischmentorin traf. Es sollte sowieso zeitnah ein Gespräch mit der Mutter erfolgen, da in der Klassenkonferenz beschlossen wurde, dass T. doch freiwillig wiederholen soll (er hat nicht nur äußerst schlechte Noten, sondern ist er auch geistig und sozial hinter seinen Mitschülern hinterher – er ist einfach noch viel kindlicher; außerdem hat er Freunde in den 6. Klassen). Dieses Gespräch fand dann spontan heute (leider ohne mich, aber mit dem Schulleiter) statt. Die Mutter reagierte wohl relativ gelassen, doch hatte sie ein großes Bedenken: Was passiert, wenn es meinem Kind in der neuen Klasse genauso ergeht, wenn es wieder gemobbt wird?
Darüber können wir natürlich nichts sagen, weil wir davon auch gar nicht ausgehen wollen, aber beruhigen ließ sie sich auch nicht. Ich finde, dass das auch eine Menge über T. aussagt, oder?

Tja, und was ziehe ich daraus für meinen Unterricht? Ich werde auf jeden Fall T. und F. nicht mehr hintereinander sitzen lassen, sondern T. wegsetzen, sobald er wieder da ist. Und ich werde weiterhin gruppenbildende Maßnahmen ergreifen. Am meisten hoffe ich aber, dass der Klassenlehrer endlich wieder aus seinem monatelangen Krankenstatus wiederkommt und noch weitere Gespräche führt – der hat nämlich einen großen Einfluss auf die Klasse und eine sehr gute Beziehung zu ihr. Nächste Woche soll es wohl endlich so weit sein!

To be continued…