Lorbeeren auf allen Seiten

Heute habe ich mit meinen Siebtklässlern in Englisch die Noten fertig gemacht. Endlich konnten wir mal die Klassenarbeit auswerten (dazu kamen wir dank des Hochwassers letzte Woche ja nicht), haben noch das Diktat von gestern besprochen und ausgewertet und dann kamen wir zu den Zeugnisnoten. Zwar ist erst nächste Woche Notenschluss, doch bin ich ab Sonntag mit den lieben 10. und 11. Klassen (also einer Auswahl von Schülern) in Schottland und muss somit die Noten schon bis morgen für die Klassenkonferenzen fertig haben.

Ich habe diese Phase ja früher als Schüler total geliebt – warum auch immer. Auch auf der anderen Seite habe ich es heute genossen.
Die Schüler mussten zuerst sagen, was sie glauben, welche Note sie bekommen und dann habe ich ihnen gesagt, was ich ihnen wirklich gebe. Ich habe natürlich auch immer wieder gelobt bei Verbesserungen und Mut gemacht bei Verschlechterungen. Am schwersten fiel mir die Verkündung bei Schülern, die Komma 5 stehen… das ist echt immer gemein. Aber alle haben meine Entscheidungen verstanden und es gab keine Beschwerden.

Trotz des vollen Programms hatten wir am Ende noch 10 Minuten übrig. Die habe ich dann mal ganz spontan zur Reflexion unseres ersten gemeinsames Schuljahres genutzt. Auf die Idee haben mich eigentlich die Schüler gebracht, die schon aufgeregt fragten, ob ich denn nächstes Jahr ihre „richtige Lehrerin“ werden kann und sie sich darüber sehr freuen würden.
Entsprechend waren auch die Rückmeldungen der Schüler. Ich dachte erst, dass sie sich nicht trauen, vor der ganzen Klasse etwas zu sagen, aber dem war nicht so. Die Schüler meinten, sie wären insgesamt sehr zufrieden mit meinem Unterricht, da er abwechslungsreich ist und Spaß macht. Ich solle nur mehr Partner- statt Gruppenarbeit machen, weil es effektiver ist (sehr schön selbstkritisch). Außerdem habe ich mich weiterentwickelt, weil ich die Menge der Hausaufgaben mit der Zeit reduziert habe. 😉
Ein Schüler meinte sogar, es wäre der beste Unterricht, den er seit langem insgesamt, also in allen Fächern, genossen hat. Ich solle doch mal insbesondere die Französischlehrerin von meinen Methoden überzeugen, da diese wohl nur mit dem Lehrbuch arbeitet. 😀

Ich glaube, ein größeres Kompliment kann es kaum geben! Und natürlich  haben sie dann auch ein fettes Lob zurück bekommen. Ich habe ihnen mal ihre Entwicklung aufgezeigt – am Anfang nur Frontalunterricht gewöhnt, jetzt funktioniert sogar offener Unterricht. Da waren sie schon ein bisschen stolz.
Umso mehr hoffe ich, dass ich die Klasse zumindest bis zum Ende des Referendariats weiterführen kann. Bei denen möchte ich ja auch gern meine Prüfung machen.

Ach und am liebsten würde ich auch in der Schule bleiben. Es macht einfach Spaß, es gibt ein tolles Kollegium und überhaupt fühle ich mich dort pudelwohl. Sie brauchen sogar meine Kombination, aber drei Mal dürft ihr raten, warum ich wahrscheinlich trotzdem nicht übernommen werden kann. Richtig: Es muss gespart werden und es wird keine Lehrkraft eingestellt.
Tipps, wie ich das Schulamt von meiner Einstellung überzeugen kann? 😀

Mit einem Lächeln ins Wochenende

Projektwoche könnte öfter sein. Ich musste nichts vorbereiten und kaum etwas korrigieren, sondern Hinweise für das Vorankommen mit dem Projekt geben. Umsetzen müssen es dann aber die Schüler. Gut, die Arbeit kommt dann noch, wenn ich mir die langen Ausarbeitungen anschauen und ihnen noch Tipps für die Präsentation geben darf, aber daran denke ich noch gar nicht.

Worüber ich mich am meisten freue, ist eigentlich, dass ich viel Nähe zu manchen meiner Schüler bekommen habe. Ich hatte gestern und heute insgesamt 4 Stunden Aufsicht im Informatikraum und an sich ist das stinklangweilig. Man passt eigentlich nur auf, dass sich alle ordentlich benehmen und nichts kaputt machen. Und da wir eh die Rosinen bei uns haben, hat man nur wenig zu tun. 😉
Zumindest habe ich viel von meinen Schülern erfahren, auch privat. Sie haben mir Einiges anvertraut und mir auch gezeigt, dass sie mich schätzen und gern haben. Letzteres hat sich vor allem eben auf dem Nachhauseweg in der Bahn gezeigt. Zwei meiner Siebtklässler aus Englisch haben sich mit mir zusammen in einen Dreier gesetzt und wir haben über alles Mögliche erzählt: Berufswünsche, guten Unterricht, Lehrer und die Schule, aber auch Hobbies usw. Es ist wirklich interessant, auch mal solche Dinge von den Schüler zu erfahren, vor allem ihre Meinung zum Unterricht. 😉 Beide Schüler sagten mir getrennt voneinander (einer gestern, einer heute), dass sie nicht wollen, dass ich nach meinem Referendariat wieder weggehe und dass ich an der Schule bleiben soll. Dass ich bis zu den Weihnachtsferien bleibe, war nur ein kleiner Trost, aber hat sie immerhin gefreut. Balsam für die Seele. 🙂

Ich kann jetzt noch besser nachfühlen, was Ulbricht in seinem Buch „Lehrer – Traumberuf oder Horrorjob?“ mit den schönen Momenten im Lehrerleben gemeint hat. Ich freue mich auf hoffentlich viele weitere!
Das Buch kann ich übrigens nur jedem empfehlen! Ich hatte es gewonnen und gestern erhalten – mittlerweile ist es ausgelesen. Sein Schreibstil war am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, doch schon bald konnte ich es nicht mehr aus den Händen legen. Er erzählt viel Persönliches, aber er kritisiert auch stark das System, vom Referendariat bis zur Verbeamtung, aber auch den Föderalismus. Eine nette Lektüre – also wenn ihr mal Zeit habt, lest es! Es ist auch das perfekte Wetter dafür – sonnig und dadurch wenigstens schon etwas wärmer. In diesem Sinne: Schönes Wochenende! 🙂

Neuer Arbeitsalltag, neue Methoden, neue Herausforderungen

Jeden Tag schauen viele auf meinen Blog – jeden Tag wurden sie enttäuscht, weil das Zappelbein nichts schrieb. Ich entschuldige mich hiermit ganz herzlich bei euch, ich habe aber auch gute Ausreden Gründe.

Wie ich euch ja schon berichtet hatte, hat letzte Woche mein neuer Arbeitsalltag begonnen. Nicht nur unterrichte ich nun 3 Stunden mehr pro Woche in der 10. Klasse bei einer anderen Lehrerin, sondern bin ich teilweise schon allein in den Klassen ohne meine Mentoren. Es sind einige berichtenswerte Dinge in der letzten Woche passiert:

  • Mir hat der Unterricht in der 10. Klasse wahnsinnig gut gefallen! Die letzten Monate war ich es ja gewohnt, immer nur in der siebten Klasse zu unterrichten. Schwieriges Alter – die Schüler sind manchmal unaufmerksam, wollen immer beschäftigt werden und befinden sich gerade in Selbstfindungsprozessen. Im Gegensatz dazu war es in der 10. Klasse total ruhig und angenehm. Die Schüler haben gut mitgearbeitet (zumindest für die Verhältnisse dieser Klasse – ohne Aufrufen kommt da leider fast nie ein Gespräch zustande) und super Ergebnisse in der Gruppenarbeit erzielt. Die erstellten Übersichten zu Charakterisierung etc. waren wirklich klasse und vorzeigbar. Und auch wenn der Anspruch in der Klasse natürlich höher ist, fand ich das Unterrichten irgendwie angenehmer. Ich fühlte mich selbst einfach auch viel mehr fachlich gefordert. Davor hatte ich zwar auch Angst, aber die hat sich bisher gar nicht bestätigt. Und meine betreuende Lehrerin schien auch sehr zufrieden zu sein. Zumindest hatte sie nur sehr wenige Anmerkungen zur Verbesserung (und Tipps, wie ich die Schüler noch mehr zum Reden bekomme) und meinte zu meiner Planung für diesen Mittwoch nur: „Ich lese mir Ihren Entwurf gleich durch. Wenn ich mich nicht noch einmal melde, ist alles ok. (Davon gehe ich aus. :)“ Das geht doch runter wie Öl. (Sie meldete sich nicht mehr. 😉 ) Auf dass es weiterhin so gut läuft!
  • Die beiden eigenverantwortlichen Stunden in der 7. Klasse waren auch zufriedenstellend. Am Mittwoch waren die Schüler noch etwas zu unruhig für meinen Geschmack, was aber auch am anregenden und motivierenden Thema liegen kann (beliebte TV-Sendungen). Ich habe ihnen aber auch von Anfang an klar gemacht, dass sie sich entweder benehmen müssen, sodass wir arbeiten können, oder ich wie meine Mentorin sturen Lehrbuchunterricht mache. Das hat sie irgendwie beeindruckt und abgeschreckt… Donnerstag waren sie dann wahre Schäfchen und haben dennoch gut mitgearbeitet. Die Stunde hat mir wirklich gut gefallen, zumal die Schüler gute Texte geschrieben und viel geredet haben. Hoffen wir mal, dass wir weiterhin gut zusammenarbeiten können bzw. das noch optimieren können.
  • Ich habe am letzten Mittwoch mal einen neuen Unterrichtseinstieg ausprobiert: Stummer Impuls. Ich habe den Titel eines Gedichtes von Ernst Jandl („Fünfter sein“) an die Tafel geschrieben und mich still hingestellt. Die Schüler wurden sehr schnell unsicher, mussten verlegen lachen und fragten „Hä?“. Nach gefühlten 3 Minuten, sicher war es nur eine oder weniger, habe ich die Schüler erlöst und sie nach ihren Assoziationen zu den Begriffen gefragt. Ich glaube, wenn man das mit den Schülern trainiert bis sie irgendwann wissen, dass sie erste Eindrücke/ Assoziationen in solchen Situationen schildern sollen, kann das ein echt toller Einstieg werden (als Abwechslung). Das werde ich nun also öfter machen.
  • Als Letztes noch das Unglaublichste: Ich habe am Freitag ganz ausdrückliches Lob von meiner Deutschmentorin bekommen. Sie hatte nur 2 kleine Dinge zu kritisieren und sagte doch tatsächlich, ihr hätte die Stunde sehr gut gefallen und dass sie beeindruckt gewesen wäre. WOW! 🙂

So konnte ich munter in das Wochenende starten, was mich und meine bessere Hälfte nach Dresden führte. Grund: Philipp Poisel! Einer meiner absoluten Lieblinge! Bis auf die Location, die etwas kühl und unpersönlich war, bot Philipp Poisel uns ein wahnsinnig tolles, tiefsinniges Konzert und verzauberte Jung und Alt mit seiner Musik. Auch seine Bühnen- und Lichtgestaltung war einfach super durchdacht. Nur bei den lauteren Tönen hat der Tonmann nicht wirklich gut regulieren können, was wohl daran liegt, dass 90% des Konzerts ruhig waren. An einigen Stellen musste ich sogar weinen… und besonders schön fand ich, dass er ca. 3 Stunden gespielt hat. Es hat sich also voll gelohnt!

Tja, und nun sitze ich wieder hier und plane meine Stunden für die Woche. Mittwoch steht mal wieder ein Unterrichtsbesuch an, der mich echt Nerven gekostet hat. So lange saß ich wohl noch nie an einer Stundenplanung… so ideenlos war ich aber auch noch nie. Und meine Mentorin war genauso ratlos. Jetzt habe ich aber mit Hilfe meines tollen Partners doch noch eine gute Stunde aufs Papier zaubern können, die meine Mentorin rein planerisch auch für gelungen hält. Jetzt muss ich sie nur noch so gut umsetzen wie am Freitag. Aber das krieg ich auch noch hin! Erstmal kommt der Dienstag – einer meiner Lieblingsschultage (weil er so kurz ist und spät startet).
In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Abend und morgen einen guten Start in den Dienstag! 🙂

Optimisten leben besser

Froh, dass der Unterricht für heute vorbei war, schaute ich nichtsahnend auf mein Mobiltelefon. Neben den üblichen E-Mails und
tollen WhatsApp-Nachrichten meines Partners fand ich eine SMS meines besten Freundes: „Wer frisch gebackene Plätzchen will, muss vorbeikommen. ;)“
Jaaaaa, frisch gebackene Plätzchen! Als selbsternannte größte Naschkatze des Universums kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen als das Schlaraffenland. Und Kekse sind eh immer hoch im Kurs. Doch nach wenigen Millisekunden der Freude macht sich die Realität wieder breit. Nein, Zappelbein, du hast heute keine Zeit, auf dem Heimweg bei ihm vorbeizufahren, weil du schnell zum Englischseminar musst… und morgen musst du auch sofort nach der Schule nach Hause. Samstag hast du dann Erste-Hilfe-Kurs und danach geht es zur Goldenen Hochzeit deiner Großeltern. Tja, und Sonntag ist selbst erkorener Kuschel-Ruhe-Nichtbewegen-Tag mit dem Traummann… Menno, doch keine Kekse. Oder selbst backen. Ooooooder jemand von euch hat doch eine Clonmaschine erfunden, sodass ich nicht persönlich zum Erste-Hilfe-Kurs muss? 😉
Aber allen, die an diesen Plätzchen ihren Gaumenschmau haben können, wünsche ich natürlich die explosivsten Geschmäcker im Mund. Ich erfreue mich dann zu einem späteren Zeitpunkt an leckeren Weihnachtskeksen.

Dafür konnte ich mich in der Schule an anderen Sachen erfreuen:

  1. Die Schottland-Fahrt steht fest. Nachdem es anfangs nämlich nicht so aussah, als würden sich aufgrund des hohen Preises nicht ausreichend Schüler finden, kam heute endlich die erlösende Nachricht. Meine Mentorin und ich zählten noch mal alle Anmeldungen durch und tadaaaa: 40 Schüler + 2 auf der Reserveliste! Jetzt wird gebucht und dann kann es losgehen. Yeah!
  2. Meine Englischstunde lief heute schon wieder gut. Irgendwie hab ich grad einen Lauf… oder meine Mentorin ist weniger streng? Nee, eigentlich nicht. Wieder gab es kaum etwas zu kritisieren und es ließ sich sogar ein kleines Lob entlocken. („Die Zeitplanung hast du ja die ganze Woche gut hinbekommen; du hast immer alles geschafft, was du dir vorgenommen hattest.“) Und gestern gab es sogar noch einen lieben Tipp für meinen Unterrichtsbesuch nächste Woche, der auch zeigte, dass sie es gut mit mir meint und nichts gegen mich als Mensch hat.
  3. Auch meiner Deutschmentorin habe ich heute ein kleines Lob entlocken können. Zwar hatte sie es nicht geschafft, sich meine Planung für morgen in Ruhe anzuschauen (sie hat letzte Woche gesagt, dass sie mir da vertraue und sie eigentlich nicht mehr drübergucken müsse). Da ich aber eine kleine Frage hatte, warf sie doch einen kurzen Blick darauf und da platzte doch tatsächlich ein „Schön!“ aus ihr heraus. Aber mit der Gedichtauswahl für morgen habe ich sie eh schon für mich gewonnen. 😉 (Joseph von Eichendorff – Winternacht)
    Jetzt muss ich das morgen nur noch umsetzen können. Ich habe mir extra fett und rot in meine Planung geschrieben, auf welche Dinge ich unbedingt achten muss – schließlich ist diese Klasse mit ihrem vorpubertären Alter langsam nicht mehr auszuhalten, sodass ich unbedingt strenger und konsequenter werden muss. Ich hoffe, diese Sätze in meiner Planung helfen mir morgen dabei.

Das einzig „Negative“ war heute unser special guest im Englischseminar. Nichts gegen die liebe Frau und ihre Mühe, uns von ihren Erfahrungen im Referendariat zu erzählen und uns Hinweise für die schriftliche Abschlussarbeit zu geben, aber etwas demotivierend war das schon… Schon allein ihr Thema war ziemlich heftig (emotionale Bildung anhand von Shaun das Schaf).
Als sie dann die Arbeit zum Hereingucken herumgab, wurde mir regelrecht schlecht. Sie hatte sich solche riesige Mühe damit gegeben, für jede Stunde unheimlich viel gebastelt, vorbereitet, kopiert usw., sogar Fotos hatte sie gemacht. Ganz nebenbei hat sie noch die Arbeit mit Portfolios sowie die Optimierung von Gruppenarbeiten reflektiert… UND einen Vorschlag für eine curriculare Verankerung der emotionalen Kompetenz in den Bildungsstandards formuliert. Mit Anhang wurden aus der Arbeit statt 30 Seiten mal locker 100 Seiten, wobei im Anhang meist 4 Blätter auf eines kopiert wurden, es also dementsprechend reduziert wurde. Außerdem war es nur eine Auswahl des Materials. Ich bin erstaunt… und geschockt… aber auch motiviert, dass ich da doch etwas Kreativeres und Aufwendigeres gestalte, als ich es bisher geplant hatte. (Wenn man von einem Plan reden kann… 😉 )

Somit können wir diesen Punkt also auch als eher positiv abhaken und den Tag als gelungen ansehen. Und das zeigt mal wieder: Optimismus ist schon die halbe Miete im Referendariat. 🙂