Vom Leben gelernt

Kennt ihr diese tolle Kategorie aus einer bekannten Zeitschrift für junge Erwachsene (zu denen ich mich noch zähle)? Ich habe heute (und am Wochenende) auch vom Leben gelernt:

  1. Unangenehme Anrufe des Vermieters (hier können auch andere Personen eingesetzt werden) erhöhen den Erdnussbutter- und Schokoladenkonsum.
  2. Schlecht isolierte Raucherräume in Kneipen führen zu relativ einsamen Nächten, weil man selbst wie eine Räucherhöhle riecht.
  3. Keinen Alkohol zu trinken lässt einen auf unangenehme Art und Weise im Mittelpunkt stehen. (Was ist das für eine Gesellschaft?)
  4. Wahre Freunde sind selten und kostbar – und leider „verwachsen“ sie sich manchmal auch nach vielen Jahren, ohne dass es einen ersichtlichen Grund gibt.
  5. Große, fluffige Schneeflocken sind zwar faszinierend, doch erfreuen sie das Herz nicht annähernd so sehr wie die ersten warmen Sonnenstrahlen im Januar.
  6. Es geht nichts über gute Musik!

Ich mag diese Kategorie sehr, sehr gern! Das ist immer das Erste, was ich lese, wenn ich die neue Ausgabe in der Hand halte, auch wenn sie auf der letzten Seite ganz unten und sehr klein abgedruckt ist. Sie toppt jedes unnütze Wissen!

Viel mehr kann ich vom heutigen Tag kaum berichten. Im Seminar waren 50 % krank, was eine Mitreferendarin zu dem Ausruf verleitete: „Ich möchte auch mal krank sein!“ Das kann ich einerseits total verstehen, weil man sich dann nicht den teilweise eher schnöden Inhalten des Seminars widmen muss, doch andererseits ist es auch doof, krank zu sein. Ich schleppe ja selbst seit Wochen meine Lieblingskrankheit in leichten Zügen mit mir herum, bin aber dennoch froh, dass es nicht so schlimm ist, dass ich mich mit Antibiotika vollstopfen muss. Außerdem könnte ich dann doch auch gar nicht meine süßen Schüler bespaßen – wie würden sie nur mit dem Ausfall der Stunden klarkommen? 😉
Naja, zumindest wurde dadurch mein grandioser Plan zerstört, schon nebenbei etwas im Seminar zu machen, weil man sich bei 5 Refs einfach schlecht verstecken konnte. Andererseits sind wir um die mehr als umfangreichen Hausaufgaben herumgekommen. *puh*
So saß ich also ewig an meinen Planungen für die Woche und am Kontrollieren der Essays meiner 10. Dass das so lange dauert, hätte man mir ruhig mal früher sagen können… Und unsicher bin ich mir bei der Bewertung auch noch, weswegen ich das morgen noch einmal absprechen werde.

Das alles bedeutet nun, dass ich morgen mehr von dem schaffen muss, was ich heute eigentlich schon anfangen wollte. Also volle Kraft voraus in die letzte Woche vor den Ferien, denn Donnerstag gibt es Zeugnisse! Aber nennen wir sie lieber „unterrichtsfreie Zeit“, denn mit Ferien hat die nächste Woche eher weniger zu tun. Ich darf gar nicht an meine To-do-Liste denken. *grusel*

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„Was bedeutet das denn?“

Ach ja, Schüler sind manchmal schon echt süß… Heute habe ich ihnen ja das Gedicht von Rolf Krenzer, das ich gestern hier schon postete, vorgestellt. 4 Gruppen sollten 4 verschiedene Weihnachtsgedichte analysieren und verstehen, um sie anschließend ihren Mitschülern vorzustellen. In meine Rolf Krenzer-Gruppe packte ich meine Experten, die die Welt so schön in schwarz-weiß sehen und wenig kompromissbereit in Bezug auf andere Meinungen sind.
Abgesehen davon, dass alle Gruppen ihre Gedichte nur sehr oberflächlich behandelt haben, hatte ich den Eindruck, dass diese Gruppe die Message des Gedichtes nicht wirklich verstanden hatten. Oder sie waren einfach nicht in der Lage, diese in Worte zu fassen…
Nach der Präsentation stellte ein Schüler dann auch die berechtigte Frage: „Was bedeutet das denn, dass der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt?“
Ein anderer Schüler gibt die (schlaue) Antwort: „Das steht doch da, lies doch mal weiter. Der Starke liebt doch auch die Kräfte des Schwachen, also verzeiht der Schwache dem Starken, dass auch er Schwächen hat. Keiner ist perfekt.“
Da musste ich doch etwas schmunzeln. Leider schien damit auch alles gesagt zu sein. Kein weiterer Arm erhob sich, kein Schüler wollte sich äußern. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit erbarmte ich mich schließlich und erklärte den Schülern diese schöne Aussage noch einmal. Da war dann auch plötzlich der Aha-Effekt.
Fazit: Nächste Stunde, also am Freitag, werden wir uns diesem Gedicht noch einmal ganz intensiv widmen, damit alle Schüler mit einer schönen Weihnachtsstimmung in die Ferien entlassen werden können. Schließlich sehe ich die Schüler dann nicht mehr, zumindest nicht im Unterricht. Hoffentlich kommt die Aussage dann auch an!

Montag werden sie dann noch die Chance haben, bei meiner Mentorin gute Noten zu sammeln, indem sie eines der Gedichte auswählen und rezitieren. Irgendwie finden die Schüler diese Chance aber gar nicht gut… Dabei habe ich es so gut angepriesen. Schließlich geht es doch nicht nur um das Erhalten einer guten Note, sondern auch um die Schulung und Weiterentwicklung persönlicher Fähigkeiten, Präsentationsfähigkeiten sowie Merkfähigkeiten.
Aber Frau Zappelbein, was erzählen Sie denn da? (So fühlte ich mich zumindest beim Blick in die Gesichter.)
Dafür wollen alle Schüler gern noch einen Test vor Notenschluss schreiben, weil sie jetzt durch die Klassenarbeit soundso stehen und das noch rumreißen wollen. Auf meine Antwort, sie könnten doch einfach die Gedichtrezitation dafür nutzen, habe ich nur Augenrollen zurückbekommen… Das Leben ist kein Ponyhof, ne? 😉

Optimisten leben besser

Froh, dass der Unterricht für heute vorbei war, schaute ich nichtsahnend auf mein Mobiltelefon. Neben den üblichen E-Mails und
tollen WhatsApp-Nachrichten meines Partners fand ich eine SMS meines besten Freundes: „Wer frisch gebackene Plätzchen will, muss vorbeikommen. ;)“
Jaaaaa, frisch gebackene Plätzchen! Als selbsternannte größte Naschkatze des Universums kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen als das Schlaraffenland. Und Kekse sind eh immer hoch im Kurs. Doch nach wenigen Millisekunden der Freude macht sich die Realität wieder breit. Nein, Zappelbein, du hast heute keine Zeit, auf dem Heimweg bei ihm vorbeizufahren, weil du schnell zum Englischseminar musst… und morgen musst du auch sofort nach der Schule nach Hause. Samstag hast du dann Erste-Hilfe-Kurs und danach geht es zur Goldenen Hochzeit deiner Großeltern. Tja, und Sonntag ist selbst erkorener Kuschel-Ruhe-Nichtbewegen-Tag mit dem Traummann… Menno, doch keine Kekse. Oder selbst backen. Ooooooder jemand von euch hat doch eine Clonmaschine erfunden, sodass ich nicht persönlich zum Erste-Hilfe-Kurs muss? 😉
Aber allen, die an diesen Plätzchen ihren Gaumenschmau haben können, wünsche ich natürlich die explosivsten Geschmäcker im Mund. Ich erfreue mich dann zu einem späteren Zeitpunkt an leckeren Weihnachtskeksen.

Dafür konnte ich mich in der Schule an anderen Sachen erfreuen:

  1. Die Schottland-Fahrt steht fest. Nachdem es anfangs nämlich nicht so aussah, als würden sich aufgrund des hohen Preises nicht ausreichend Schüler finden, kam heute endlich die erlösende Nachricht. Meine Mentorin und ich zählten noch mal alle Anmeldungen durch und tadaaaa: 40 Schüler + 2 auf der Reserveliste! Jetzt wird gebucht und dann kann es losgehen. Yeah!
  2. Meine Englischstunde lief heute schon wieder gut. Irgendwie hab ich grad einen Lauf… oder meine Mentorin ist weniger streng? Nee, eigentlich nicht. Wieder gab es kaum etwas zu kritisieren und es ließ sich sogar ein kleines Lob entlocken. („Die Zeitplanung hast du ja die ganze Woche gut hinbekommen; du hast immer alles geschafft, was du dir vorgenommen hattest.“) Und gestern gab es sogar noch einen lieben Tipp für meinen Unterrichtsbesuch nächste Woche, der auch zeigte, dass sie es gut mit mir meint und nichts gegen mich als Mensch hat.
  3. Auch meiner Deutschmentorin habe ich heute ein kleines Lob entlocken können. Zwar hatte sie es nicht geschafft, sich meine Planung für morgen in Ruhe anzuschauen (sie hat letzte Woche gesagt, dass sie mir da vertraue und sie eigentlich nicht mehr drübergucken müsse). Da ich aber eine kleine Frage hatte, warf sie doch einen kurzen Blick darauf und da platzte doch tatsächlich ein „Schön!“ aus ihr heraus. Aber mit der Gedichtauswahl für morgen habe ich sie eh schon für mich gewonnen. 😉 (Joseph von Eichendorff – Winternacht)
    Jetzt muss ich das morgen nur noch umsetzen können. Ich habe mir extra fett und rot in meine Planung geschrieben, auf welche Dinge ich unbedingt achten muss – schließlich ist diese Klasse mit ihrem vorpubertären Alter langsam nicht mehr auszuhalten, sodass ich unbedingt strenger und konsequenter werden muss. Ich hoffe, diese Sätze in meiner Planung helfen mir morgen dabei.

Das einzig „Negative“ war heute unser special guest im Englischseminar. Nichts gegen die liebe Frau und ihre Mühe, uns von ihren Erfahrungen im Referendariat zu erzählen und uns Hinweise für die schriftliche Abschlussarbeit zu geben, aber etwas demotivierend war das schon… Schon allein ihr Thema war ziemlich heftig (emotionale Bildung anhand von Shaun das Schaf).
Als sie dann die Arbeit zum Hereingucken herumgab, wurde mir regelrecht schlecht. Sie hatte sich solche riesige Mühe damit gegeben, für jede Stunde unheimlich viel gebastelt, vorbereitet, kopiert usw., sogar Fotos hatte sie gemacht. Ganz nebenbei hat sie noch die Arbeit mit Portfolios sowie die Optimierung von Gruppenarbeiten reflektiert… UND einen Vorschlag für eine curriculare Verankerung der emotionalen Kompetenz in den Bildungsstandards formuliert. Mit Anhang wurden aus der Arbeit statt 30 Seiten mal locker 100 Seiten, wobei im Anhang meist 4 Blätter auf eines kopiert wurden, es also dementsprechend reduziert wurde. Außerdem war es nur eine Auswahl des Materials. Ich bin erstaunt… und geschockt… aber auch motiviert, dass ich da doch etwas Kreativeres und Aufwendigeres gestalte, als ich es bisher geplant hatte. (Wenn man von einem Plan reden kann… 😉 )

Somit können wir diesen Punkt also auch als eher positiv abhaken und den Tag als gelungen ansehen. Und das zeigt mal wieder: Optimismus ist schon die halbe Miete im Referendariat. 🙂

Soziale Netzwerke im Unterricht

Ich glaube, heute habe nicht nur ich mir gewünscht, dass eine Schulstunde mehr als 45 Minuten hat. Die Schüler hingen so an meinen Lippen und waren so interessiert an den Inhalten, dass wir wohl alle gern noch weitergemacht hätten und in eine tiefergehende Diskussion eingestiegen wären. Womit man die Schüler begeistert? Facebook/ soziale Netzwerke natürlich.

Der hohe Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt. Einen ganzen Nachmittag saß ich an der Stundenplanung, hatte ich doch extra ein Vorführ-Konto angelegt, damit die Schüler nicht  mein richtiges Profil sehen. Noch ein lustiges, aber auch augenöffnendes Video gezeigt und die Schüler waren auf meiner Seite. Natürlich lag das auch daran, dass ich das 1. Mal mit Beamer und allem drum und dran arbeitete. Wäre es nicht so wahnsinnig aufwendig, das immer auf- und abzubauen, würde ich das wohl öfter machen… schade.

Am spannendsten fanden die Schüler den Teil zum Datenschutz. Ich habe ihnen einfachste Grundsätze vor Augen gehalten, z.B. wie das mit dem Verbreiten von Bildern, Videos und Fotos ist. Doch schon das reichte, um die Schüler komplett aus den Bahnen zu werfen. Selten habe ich solche bewegten Reaktionen der Schüler erlebt, selten solche ungläubigen und schockierten Blicke. Aber ich glaube, dass genau das auch den Reiz der Stunde ausmachte. Und natürlich hoffe ich, dass sich die Schüler jetzt am Wochenende mal die Zeit nehmen, über die Ausführungen nachzudenken und ihre Sicherheitseinstellungen zu überprüfen. Das habe ich ihnen natürlich auch noch gezeigt, weil es schließlich nicht so einfach ist, die entsprechenden Buttons bei Facebook zu finden.

Ich empfehle wirklichen allen, bei denen es irgendwie in den Unterricht passt, dieses Thema zu besprechen und mit den Schülern hierüber ins Gespräch zu kommen. Schließlich merkten wir auch alle, wie sich immer wieder neue Themenfelder auftaten, die man diskutieren könnte (Cybermobbing, Freundschaftsbegriff usw.). Ich wünsche mir inständig, dass vor allem die Ethiklehrer sich ausgiebig damit beschäftigen, denn im Deutschunterricht ist dafür leider nicht der nötige Platz. Es lohnt sich aber auf jeden Fall. Und meiner Meinung nach lernen die Schüler hierbei auch viel mehr über das Leben als ich manch anderen Schulstunden.

Das Leben – eine aufmunternde Geschichte

Heute fand ich nach der Schule bei einem sozialen Netzwerk folgenden Text, der mich wirklich zum Nachdenken brachte und aufmunterte. Ich hoffe, er gefällt euch auch, ich musste ihn unbedingt teilen. Leider kann ich keine Quelle angeben, da ich nicht weiß, woher der Text stammt. Er ist aber nicht von mir!

Ein Philosophie-Professor stand vor seinem Kurs und hatte ein kleines Experiment vor sich aufgebaut: Ein sehr großes Marmeladenglas und drei geschlossene Kisten. Als der Unterricht begann, öffnete er die erste Kiste und holte daraus Golfbälle hervor, die er in das Marmeladenglas füllte. Er fragte die Studenten, ob das Glas voll sei. Sie bejahten es.
Als nächstes öffnete der Professor die zweite Kiste. Sie enthielt M&Ms. Diese schüttete er zu den Golfbällen in den Topf. Er bewegte den Topf sachte und die M&Ms rollten in die Leerräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wiederum, ob der Topf nun voll sei. Sie stimmten zu.
Daraufhin öffnete der Professor die dritte Kiste. Sie enthielt Sand. Diesen schüttete er ebenfalls in den Topf zu dem Golfball-M&M-Gemisch. Logischerweise füllte der Sand die verbliebenen Zwischenräume aus. Er fragte nun ein drittes Mal, ob der Topf nun voll sei. Die Studenten antworteten einstimmig „ja“.
Der Professor holte zwei Dosen Bier unter dem Tisch hervor, öffnete diese und schüttete den ganzen Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den Sandkörnern aus. Die Studenten lachten.
„Nun“, sagte der Professor, als das Lachen nachließ, „ich möchte, dass Sie dieses Marmeladenglas als Ihr Leben ansehen. Die Golfbälle sind die wichtigen Dinge in Ihrem Leben: Ihre Familie, Ihre Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde, die bevorzugten, ja leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens, welche, falls in Ihrem Leben alles verloren ginge und nur noch diese verbleiben würden, Ihr Leben trotzdem noch erfüllen würden.“ Er fuhr fort: „Die M&Ms symbolisieren die anderen Dinge im Leben wie Ihre Arbeit, ihr Haus, Ihr Auto. Der Sand ist alles Andere, die Kleinigkeiten.“ „Falls Sie den Sand zuerst in das Glas geben“, schloss der Professor, „hat es weder Platz für die M&Ms noch für die Golfbälle.
Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Achten Sie zuerst auf die Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind. Setzen Sie Ihre Prioritäten. Der Rest ist nur Sand.“
Einer der Studenten erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier repräsentieren soll. Der Professor schmunzelte: „Ich bin froh, dass Sie das fragen. Das zeigt Ihnen, egal wie schwierig Ihr Leben auch sein mag, es ist immer noch Platz für ein oder zwei Bier.“