Helau und Alaaf, Part II

Ich habe überlebt! Karneval ist jetzt endlich vorbei und morgen beginnt die Fastenzeit (in der ich weiterhin Fleisch faste). Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich darüber bin. Der heutige Tag war zwar nicht ganz so schlimm, wie ich mir vorgestellt habe, aber trotzdem hätte ich darauf verzichten können.

Als ich in der Schule ankam, winkten mir meine Siebentklässler schon fröhlich aus dem Glasteil unserer Schule zu und freuten sich ihres Lebens. So freudig wurde ich wahrlich noch nie begrüßt, aber natürlich habe ich mindestens genauso enthusiastisch zurückgewunken, um den Schülern eine Freude zu machen.
Zu meiner Überraschung waren nicht ganz so viele Schüler verkleidet wie befürchtet – ich schätze, dass 1/3 bunt daherkam. Die Kostüme waren allesamt kreativ. Mein Lieblingskostüm: Einer meiner Elftklässler hängte sich ein Pappschild um den Hals, auf dem stand: „BER Flughafen Berlin-Brandenburg – Sorry, leider konnte das Kostüm nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.“ Grandios!

Meine Stunde in der 11. lief auch einfach fantastisch. Die Schüler haben mich sofort angenommen und akzeptiert und gut mitgearbeitet. Zwar war ich anfangs irritiert, dass manche Schüler bunte Haare, nette Vokuhila-Haarschnitt-Perücken oder riesige Schnurrbärte hatten, aber die Stunde hat einfach wahnsinnig Spaß gemacht. Lange hatte ich Respekt (und Angst) davor, in der Oberstufe zu unterrichten, aber jetzt weiß ich wieder, warum ich auf Gymnasium studiert habe – das ist auch thematisch einfach voll mein Ding. So ging ich rundum zufrieden aus der Stunde heraus, die Schüler wirkten auch zufrieden und das Beste: Meine Mentorin hatte NICHTS zu kritisieren. Hier und da hätte sie vielleicht etwas anders gemacht, aber meinen Weg fand sie auch vollkommen in Ordnung. Der GUB nächste Woche kann also doch ruhigen Gewissens kommen, da ich jetzt weiß, dass ich es schaffen kann!

In der 7. Klasse in Englisch war es dafür umso anstrengender. Nicht nur hatten sich hier mehr Schüler verkleidet, sondern scheint auch das Gehirn unter der Fassade verloren gegangen zu sein. Ich fühlte mich heute wie in der Grundschule, wenn nicht sogar wie im Kindergarten. „Frau Zappelbein, der hat meine Jacke runtergeschmissen.“; „Frau Zappelbein, der hat mich gehauen.“; „Frau Zappelbein, mit dem möchte ich nicht zusammenarbeiten.“; „Frau Zappelbein, ich will hier nicht mehr sitzen, der nervt.“; usw. Ahhhhhhhhhhhh! Ich habe heute bestimmt 10 Minuten der Stunde damit verbracht, diese „wichtigen Probleme“ aus dem Weg zu räumen und meinen Schülern klar zu machen, dass man so nicht arbeiten und lernen kann. In den letzten 10-15 Minuten lief auch alles wieder normal, aber die 30 Minuten davor hätten mir fast den letzten Nerv geraubt… Wenn die morgen wieder so sind, dann gibt es schön grundschul-like Einträge ins Hausaufgabenheft und Elternmitteilungen. Und ein Testchen liegt auch immer in der Tasche…

Die Förderstunde war aber wieder gut. Die 6.-Klässler sind einfach soooo niedlich. Sie kamen ganz freudig alle an den Lehrertisch gestürmt und freuten sich, dass ich da bin und jetzt mit ihnen Förderunterricht mache. Ganz spontan haben wir dann die Stunde auch zusammen gestaltet, indem sich die Schüler Übungen wünschen durften (Bankrutschen mit Vokabeln etc.) und ich mir dann auch noch eine kleine Übung ausgedacht hatte. Schön war’s gewesen.

Und das Beste: Ich wurde heute von 2 Siebentklässlern aus meiner Deutschklasse gefragt, ob ich ihr Projekt in der Projektwoche betreuen möchte! Damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet, weil die meisten Schüler schon eins hatten und sich keiner bei mir gemeldet hatte. Bei uns dürfen die Schüler sich nämlich selbst ein Thema aussuchen und sich ihren Betreuer passend zum Thema selbst suchen. So viel Ahnung hab ich von dem Thema zwar nicht (Vergleich iOS und Android), aber spannend ist es allemal. Und ich freu mich einfach, dass sie mich anscheinend so sehr mögen, dass sie das bei mir machen möchten. Natürlich musste ich erstmal bei der Schulleitung nachfragen, ob ich das als Referendar überhaupt darf. Die waren auch ganz überrascht, dass ich mit so einer Frage komme, weil das anscheinend noch nicht vorkam, aber ihnen fiel auch nichts ein, was dagegen spräche. Und sie haben sich richtig gefreut, dass die Schüler mich darum baten, weil das ihr großes Vertrauen zeigt. Hach, Balsam für die Seele. 🙂

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Helau und Alaaf, Part I

Müde, demotiviert und lustlos steige ich heute langsam aus meinem warmen, kuschligen Bett. Im Bad werde ich blitzschnell wach, weil seltsame Töne aus dem Radio kommen. Ist das Ding etwa kaputt? Es ist doch „erst“ 20 Jahre alt, das kann gar nicht sein! Nein, ist es auch nicht. Es ist Rosenmontag. Und obwohl ich dachte, in Sachsen-Anhalt sei ich sicher vor den ganzen Pappnasen, muss ich mir das ganze Gedudel nicht nur im Radio anhören. Im Seminar geht es weiter. Unser Seminarleiter – anscheinend ein großer Fan des Karneval (oder Fasching, wie man es hierzulande nennt) – muss zwischendurch immer wieder komische Geräusche, die auf Fasching hinweisen, ausrufen. Klingt ein bisschen nach Tourette, aber er will damit wohl die Atmosphäre auflockern. Wenigstens zwei der 18 Seminarteilnehmer können lachen, manche zwingen sich ab und zu ein Lächeln ab. Zum Glück konnte ich dem Ganzen den Rest des Tages entfliehen. Bloß kein Radio oder Nachrichten mehr anmachen, dann ist man sicher vor dem ganzen Wahnsinn!

Den zweiten Schreck des Tages erlebe ich, als wir uns im Seminar noch einmal über die Entwürfe unterhalten. Eigentlich dachte ich, dass ich schon recht gut auf meinen GUB vorbereitet sei und „nur“ noch das Konzept schreiben müsse. Pustekuchen! Mein Gehirn hat versagt und so habe ich wohl auch verpasst, dass ich bei solchen großen Unterrichtsbesuchen auch Erwartungshorizonte zu jeder einzelnen Aufgabe erstellen muss. Auch das Tafelbild habe ich vernachlässigt. So kam es, dass ich den halben Nachmittag damit verbrachte, diese Schlamperei noch auszubessern (zum Glück haben wir aber heute darüber geredet, sodass ich es wenigstens noch nachholen konnte). Die andere Hälfte ging für die Planungen für morgen und übermorgen drauf. Jetzt bin ich wieder da angekommen, wo ich heute Morgen war: demotiviert und lustlos. Irgendwie hab ich meine Motivation in den Ferien verlegt… Hoffentlich find ich sie noch wieder, damit ich mit den Herausforderungen des morgigen Tages zurechtkomme.

Morgen ist nämlich schon wieder Fasching – zumindest in der Schule. Meine erste Doppelstunde in der 11. darf ich vor berühmten Musicalfiguren verbringen. Ich könnte mir wahrlich bessere Voraussetzungen für einen Neueinstieg in eine neue Klasse vorstellen. Aber gut, man muss damit leben. Danach folgen dann noch Stunden vor Zirkusfiguren (Motto der 7. Klasse) und Märchenfiguren (Motto der 6. Klasse). Wer sich das ausgedacht hat… Schüler verkleiden sich, einige Lehrer vielleicht auch und trotzdem sollen wir normalen Unterricht machen. Ich bin wirklich gespannt, wie das morgen ablaufen wird. Fest steht, dass es noch eine Menge Ärger deswegen geben wird, da die Faschingsfeier ohne Absprache mit der Schulleitung von den Schülern verkündet wurde und nun durchgeführt wird. Nachmittags finde ich solche Feiern auch wirklich in Ordnung, aber während der Unterrichtszeit? Und dann sollen wir noch normal Unterricht machen? Chaos vorprogrammiert! Ich berichte morgen im Part II. 😉