Ich bin reich!

Reich an neuen Büchern und Unterrichtsmaterialien! 🙂
Gestern war Fremdsprachentag – ich habe mich also mit meinem Allerliebsten zusammen um 7 Uhr aus dem Bett geschält, um pünktlich um 8.30 Uhr im Klassenzimmer zu sitzen und Frank Haß (renommierter Englisch-Didaktiker) live zu erleben. Und das war es allemal wert! Er hat ein paar hilfreiche Tipps gegeben, wie man sein Englischbuch aufpimpen und besser und effizienter nutzen kann. Naja, und Werbung für den Verlag war natürlich auch viel dabei – dabei aber auch viel neues Material, was uns vor allem für die anstehende Inklusion rüsten soll. Und er hat den Ausblick gegeben, dass es ab Sommer 2013 dann auch eine eigene Lehrbuchreihe für inklusiven Englischunterricht geben soll. Sah auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht aus, aber inwiefern das wirklich im Alltag hilft, kann ich nach so einem kurzen Einblick noch nicht beurteilen. Ich finde es aber toll, dass sich wenigstens die Verlage intensiv darum kümmern, uns das Leben zu erleichtern, wenn es die Länder schon nicht machen und uns einfach unterstützungsbedürftige Kinder in den Raum setzt. Fachliche Hilfe bekommen wir ja leider in keiner Weise… Und ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mich das ein oder andere Mal schon stark mit meinem Autisten in Englisch überfordert fühle. Sonderpädagogische Hilfe gibt es aber nicht mehr, weil „er sich schon so toll weiterentwickelt hat“.
Nach dem ersten Seminar haben wir uns etwas nach Materialien umgesehen, aber außer Reclam hatte kein Verlag auch nur annähernd Rabatte anzubieten. Und auch sonst  konnte man nichts abgreifen – lediglich ein Plakat mit Classroom Phrases und 2 Magnete konnte ich erhaschen. Aber immerhin, ich freu mich sehr darüber!
Danach haben wir uns dann noch eine interessante Veranstaltung über Englisch-Abi-Vorbereitung angehört. Die gute Frau hat uns allen einen eigenen Hefter mit vielen nützlichen, bereits selbst erprobten Arbeitsblättern inklusive Lösungen zu allen möglichen Themen gegeben. Einfach klasse! Zusätzlich gab es noch eine komplette Englisch-Grammatik für Sek I und ein Arbeitsheft für die Oberstufe kostenlos! Ich würde sagen, dass ich insgesamt bestimmt 50€ gespart habe gestern – es hat sich also gelohnt.
Vor allem ist nicht nur mein Regal jetzt voller, sondern auch ich voller neuer Ideen und Anregungen, die ich bei den nächsten Planungen verarbeiten kann. Es lohnt sich also wirklich, früh aufzustehen und dort hinzugehen.
Nach 2 Veranstaltungen hatten wir aber beide echt genug und sind nach Hause gegangen, um das restliche Wochenende mit Kochen, Kino, Schlafen, usw. zu genießen. Schließlich wartet auch keine Unterrichtsvorbereitung auf mich, weil Projektwoche ist. 🙂

Von Brownies, Gummibärchen und viel Schokolade

Dass mein durchschnittlicher Schokoladenkonsum weit über dem des Durchschnittsdeutschen liegt, dürfte den aufmerksamen Lesern meines Blogs bisher nicht entgangen sein. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich den Hochpunkt meiner ungesunden Ernährung erreicht habe – vielleicht ist es aber genauso viel wie immer. Sicher ist, dass ich noch immer auch einiges an Obst und Gemüse im Speiseplan habe. Das ist nicht zu verachten. Wozu aber dieser ganze Süßkram? Kann man Stress nicht auch anders bewältigen? Fakt ist: ich nicht!

Und das beschäftigt mich gerade:

  1. Mich hat dieses unglaubliche, unbeschreibliche, unaushaltbare Fernweh gepackt. Normalerweise kommt es alle 2 Jahre – nun war ich seit Juni 2010 nicht mehr weg und es zeigt sich nun in vollster Stärke! Schon letztes Jahr im Frühjahr überkam mich der Drang nach einer USA-Westküsten-Reise, nun ist er wieder da. Dabei muss es nicht mal USA sein – Irland wäre auch toll… oder einfach mal wieder London und den Süden GBs erkunden. Das wär’s! Und nein, es tröstet mich nicht, dass ich im Juni die Kursfahrt nach Schottland begleite…
  2. Wir hatten heute ein unglaublich interessantes Vertretungsseminar mit dem Hauptseminarleiter für die angehenden Förderschullehrer. Er hat uns schöne Einblicke in seine Arbeit und in die uns erwartende Inklusion gegeben. Viele praktische Tipps und Hinweise haben natürlich auch nicht gefehlt – Wusstet ihr, dass Texte auf gelbem Untergrund die Konzentration der Schüler verlängert? Das Einparfümieren mit beispielsweise Lavendel-Duft verstärkt diesen Effekt ebenso. Und Schüler in der SEK I (und Grundschule) sollten Texte mit bestenfalls Schriftgröße 14 und maximaler Breite von 15 Zentimetern (wegen der Augenspannweite und Konzentration) erhalten. Erfolg überprüft! Also ab sofort in Spalten arbeiten, vielleicht hilft es ja.
  3. Ich habe mir heute die eingesammelten Essays meiner Schüler der 11. Klasse durchgelesen – spannend! Thema war unter Anderem Schülermitbestimmung in der Schule. Interessantes Phänomen: Eine Schülerin ließ sich sehr trotzig-eingeschnappt über das Thema aus, die Jungs waren sachlicher und neutraler. Sie (frei zitiert): „Schüler dürfen nur in dem Rahmen mitbestimmen, in dem es mit den Meinungen der Lehrer konfrom geht. Sobald etwas nicht so vonstatten geht, wie sie es sich wünschen, verbieten sie es sofort.“, die männlichen Schreiber (frei zitiert): „Schüler sollten nicht bei so wichtigen Entscheidungen wie dem Lehrplan/ der Themenauswahl mitentscheiden dürfen, denn Lehrer sind dafür ausgebildet. Außerdem müssen die Schüler lernen, auch mit Dingen klarzukommen, die ihnen nicht zu 100% gefallen – so ist das im späteren Arbeitsleben auch. Schüler sollten Lehrer als Ansprechpartner sehen und mit ihm kooperieren, ihn in seiner Auswahl beraten, jedoch nicht das alleinige Entscheidungsrecht erhalten. (Doch nicht mal das nehmen Schüler in Anspruch).“ Fazit: Auch die Schüler konnten nicht so richtig ausmachen, ob und wie viel Mitbestimmung sie in der Schule haben möchten.
  4. Konzept-Schreiben für meine SAB – ohne Worte…

Die Luft ist raus

Zwar sind die letzten Ferien erst 3 Wochen her, doch merkt man den Schülern und den Kollegen deutlich an, dass alle erschöpft sind und Ferien brauchen. Zum Glück haben wir alle am Donnerstag nach der 5. Stunde Schluss und können uns dann auf die einwöchigen Winterferien freuen. 🙂

Ich hoffe inständig, dass sich die Schüler erholen, Luft holen, entspannen, sich austoben, was auch immer, damit sie dann nach den Ferien fit in das 2. Halbjahr starten können. Es ist schon etwas anstrengend, dass bei den Schülern kaum etwas hängen bleibt und die Mitarbeit manchmal etwas zu wünschen lässt. Immer wieder fängt man an, den Urschleim zu erklären, um im Stoff weiterzukommen… Das geht doch eigentlich auch anders. Aber nun gut, man kann es auch verstehen. Die Zeugnisse sind noch nicht ausgeteilt und die Schüler noch nicht im zweiten Halbjahr angekommen. Und das zehrt natürlich auch alles an den Kräften der Lehrer. Viele Kollegen sind einfach nur gestresst…

Heute ist übrigens passend zum Thema der Stressreport zu Deutschland herausgekommen. Wer keine Zeit oder Muße hat, um sich das Pamphlet über 208 Seiten durchzulesen, kann auch hier die wichtigsten Ergebnisse kompakt nachlesen:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/leistungsdruck-am-arbeitsplatz-stress-report-jeder-fuenfte-ist-im-job-voellig-ueberfordert_aid_908029.html

Ich finde das schon spannend, dass sich immer mehr Deutsche gestresst fühlen und sich die Arbeitnehmer in anderen Längern hingegen über Monotonie und Langeweile beschweren. Da läuft doch was falsch!
Aber ich kann es auch nachvollziehen, wenn ich mir den Lehrerberuf anschaue. In Sachsen-Anhalt soll das Stundendeputat eines Lehrers in nächster Zeit angehoben werden; auch die Inklusion erhält immer mehr Einzug, ohne dass ich eine Förderlehrkraft oder einen Sozialpädagogen jemals in der Schule gesehen hätte. Wir Lehrer schaffen das schon, haben wir ja schon immer. Hinzu kommen die ganzen Konferenzen, die gerade zum Ende eines Halbjahres kein Ende zu finden scheinen, die vielen Stundenvorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Schülergespräche, usw.
Im Moment bin ich dem allem noch nicht so stark ausgesetzt, weil ich mich noch im Referendariat befinde, doch das ist auch nicht weniger stressig. Schließlich bekommen wir vom Seminar genügend Aufgaben, die zu erfüllen sind… Abgesehen davon, dass bei uns die Vorbereitungen und Korrekturen noch dreimal so lange dauern, weil wir so unerfahren sind (und vielleicht auch ein wenig zu perfektionistisch, was uns allerdings antrainiert wird, weil die Unterrichtsbesuche ja wahre Feuerwerke sein müssen).

Gestresst kann man sich also oft genug fühlen. Umso wichtiger ist es, dass man sich auch bewusst Pausen nimmt, abends ein Limit setzt und seinen Hobbies nachgeht. Ich hoffe, dass ich das auch mal in meiner unterrichtsfreien Zeit schaffe, auch wenn die zu erledigenden Aufgaben zahlreich sind…
Deswegen mein Tipp: Schaltet nach dem Lesen dieses Blogartikels und des Zeitungsartikels den Rechner aus, nehmt euch ein gutes Buch hervor, strickt an dem Schal für Oma Gerda weiter, geht spazieren, kocht euch ein gutes Abendbrot, geht joggen oder macht irgendetwas Anderes, bei dem ihr euch gut entspannen könnt! 🙂

Das Brandenburger Schulsystem – Halleluja!

Ein Griff in den Briefkasten, ein Blick auf die kostenlose Zeitung vom Samstag, ein überraschter Blick auf meinem Gesicht – so oder so ähnlich startete mein Tag.

Da ich auf dem Weg in den 5. Stock immer viel Zeit habe, las ich mit Entsetzen diesen Artikel: http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/potsdam/artikel/5040/GEW+warnt+vor+Scheitern+des+Inklusionsprojekts+an+Grundschulen

Schon im Vorlesungssaal hatte ich stets mit Entsetzen verfolgt, was Brandenburg vorhat – Inklusion ohne zusätzliche Gelder, ohne entsprechende Lehrkräfte, ohne zusätzliche Gelder. Somit folgt Brandenburg dem deutschen Trend, was in diesem Fall nicht als positiv zu betrachten ist. Schon in wenigen Jahren sollen in Brandenburg sämtliche Förderschulen abgeschafft und alle im Moment noch speziell geförderten Schüler in das normale Schulsystem inkludiert werden. Aus meiner Sicht an sich eine schöne und lobenswerte Idee, doch bitte nicht auf diesem Weg! Und vor allem nicht alle Schüler… für manche Behinderungen mag das durchaus möglich sein. Gerade bei Hör- oder Sehstörungen oder leichten psychischen Beeinträchtigungen mag das sehr gut möglich sein, ich habe es schon live erlebt (auch im eigenen Unterricht), doch gibt es auch Behinderungen, bei denen ich mir das ganz und gar nicht vorstellen kann. Man denke beispielsweise an das Down-Syndrom oder spezielle Ausprägungen des Autismus. Ich habe selbst schon an Förderschulen geholfen und mitgearbeitet und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie einige dieser Schüler in den normalen Unterrichtsalltag integriert werden sollen – vor allem nicht ohne entsprechende Ausbildung bzw. Unterstützung von ausreichend (!) Fachkräften.

Ich möchte dieses vieldiskutierte Thema an dieser Stelle nicht vollständig ausdiskutieren und alle Argumente dafür und dagegen ausführen; ich möchte lediglich auf die Missstände aufmerksam machen.
Eine schöne Diskussion, die ich ständig mitverfolge, findet sich hier: http://www.lehrerforen.de/index.php?page=Thread&threadID=32897&pageNo=1&highlight=inklusion

Es lohnt sich wirklich, sich alles durchzulesen!

Übrigens gab es heute früh noch einen Grund zum Aufatmen: http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/potsdam/artikel/5028/Uni-Präsident+fordert+Zusatzmittel+für+Lehrer+von+Lernschwachen

Ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es noch viele Jahre dauern wird, bis diese geplante Einführung Früchte tragen wird – sofern sie überhaupt zustande kommt… schließlich muss Brandenburg sparen… ohne Worte!