Unterrichtsbesuch No. 2

Ich bin eine schlechte Bloggerin. Ich habe euch noch gar nicht vom 2. Unterrichtsbesuch letzte Woche erzählt, obwohl der jetzt auch schon wieder fast eine ganze Woche her ist. Aber ich habe eine gute Ausrede: Ich war/ bin krank.

Ja, das Zappelbein hat das Glück gehabt, sich mal wieder so eine blöde Krankheit einzufangen, die kaum einer kennt und worauf eine Hausärztin ohne Magenspiegelung auch nicht kommt. Magenspiegelung! Ich muss das betonen. Magenspiegelung ist so ziemlich die ekligste und schlimmste Untersuchungsmethode, die ich kenne. (Darmspiegelungen sollen noch schlimmer sein, aber bisher wurde ich davor noch verschont.)
Naja, nachdem meine Ärztin wegen meiner ständigen Übelkeit und Magenschmerzen schon auf ein Magengeschwür tippte und ich voller Angst dort im Wartezimmer verharrt hatte, kam bei der Magenspiegelung „nur“ heraus, dass ich Gallensaft im Magen hab und mir deshalb immer so schlecht ist. Das bedeutet 4 Wochen Medikamente, min. 2 Wochen Schonkost und möglichst Vermeidung von Stress. (Super, so kurz vor der Prüfung.) Mittwoch und Donnerstag war ich letzte Woche krankgeschrieben und stürzte mich dann mit all meinen Symptomen in den GUB.

Aber was soll ich sagen? Wenn ich muss, dann kann ich auch. Die GUB-Stunde lief einfach super! Meine Schüler hatten wahnsinnig kreative und viele unterschiedliche Kampagnen gegen das Komasaufen erstellt. Im Galerierundgang schauten sie sich diese an, entschieden aus ihrer Rolle (Bürgermeister, Lehrer, alte Dame, …) heraus, welche sie am meisten überzeugt und hielten dann vor der Jury (Klasse) eine Werberede. Mit grünen bzw. roten Ampelkarten musste die Klasse dann entscheiden, ob die Rede überzeugend war oder nicht und ihre Meinung begründen.
Es hat alles geklappt, sogar fast auf die Minute genau. Die Plakate gaben viel her und auch die Reden waren einfach erstklassig. Es hätte fast gar nicht besser laufen können. Fast. Das übliche Problem trat auf: Die Schüler sprachen in den Gruppen fast gar kein Englisch. Nach der Stunde gab es also entsprechend kritische Fragen, wie man das noch verbessern könnte (zum Glück weiß ich aber, dass meine Seminarleiterin selbst kein funktionierendes Konzept hat), aber auch zur Bewertung der Gruppenarbeit. Ich glaube, ich habe das alles ganz gut begründen können.
Tja, und was wurde kritisiert? Der Entwurf. Wie ich das hasse. Da läuft eine Stunde perfekt ab, aber der Entwurf stimmt nicht. Gut, es waren nur Kleinigkeiten in der Formulierung (ich darf die Schüler nicht als faul bezeichnen, sondern muss schreiben, dass ihre Leistungsbereitschaft tagesformabhängig ist), aber trotzdem nervt es.

Das anschließende Gespräch zum Ausbildungsstand war dann noch blöder. Ich konnte mich dank der Medikamente nicht mehr richtig konzentrieren und habe ein paar Sachen echt ungünstig formuliert. Und überhaupt hatte ich das Gefühl, dass ich das viel besser hätte machen können. Ich habe mich nicht gut genug reflektiert. Ändern kann ich es eh nicht mehr, aber es ist trotzdem doof. Umso gespannter bin ich nun auf meine Vornoten, die ich in 4 Wochen bekomme.
Teils klang es echt nicht sooo gut wie gehofft. Ich habe zum Beispiel im Seminar nicht gut genug mitgearbeitet. Dass das nahezu unmöglich war, akzeptiert meine Seminarleiterin nicht. Wir haben nämlich 3 Kandidaten bei uns im Seminar, die immer die Antworten hereinrufen, und zwei andere, die ständig quatschen. Als sich brav meldende Referendarin kommt man dann einfach sehr selten dran. Und selbst reinrufen? Dafür bin ich nicht der Typ. Aber das zählt nicht.

Zumindest haben mir beide Fachseminarleiter zugesichert, dass eine 1 in der Prüfung möglich wäre. 6 Wochen habe ich noch. Also weiter üben, üben, üben und fein Konzepte schreiben. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht wenigstens ne 2 schaffe. 😉

Dafür macht mir das „Danach“ immer mehr Sorgen. Bekomme ich einen Job? Mein Verlobter auch? Wenn ja, wo? Werden wir endlich in eine Stadt ziehen können? Oder wartet nur Hartz IV?
Gestern und heute gab es ernste Gespräche mit meinem Vater (was sehr ungewöhnlich ist, weil er sonst ein sehr stiller Mensch ist und meine Beziehung zu ihm lange Zeit sehr schlecht war bzw. nonexistent), der mir viele Tipps mitgab. Danke!
Ich bin wirklich gespannt, was kommt. Ende Oktober gibt es die neuen Stellenausschreibungen. Ich weiß bisher, dass meine Kombi an einer Berufsschule hier in der Nähe ausgeschrieben wird. Aber Berufsschule? Will ich das für die nächsten 2-3 Jahre? Ich weiß es nicht…

Von freien Montagen und zu vielen Unterrichtsbesuchen

Freie Montage sind einfach nur toll! Und das Beste: das wird schon fast zur Gewohnheit, da sich das Referendariat dem Ende zuneigt. Das letzte Hauptseminar hatten wir schon letzte Woche. Mit Kuchen und guter Laune sprachen wir die letzten bürokratischen Dinge für die Prüfung ab und ließen es uns anschließend gut gehen. Und auch das Deutschseminar findet nur noch alle 4 Wochen statt, was eine wahnsinnige Entlastung darstellt. Genauso sieht es mit den Donnerstagnachmittagen aus. Letzten Donnerstag fand das letzte Englischseminar bis Dezember statt. Es ist einfach entlastend, weil viel mehr Zeit für andere Dinge bleibt. Vor allem die Prüfungsentwürfe schreiben sich nicht von selbst, genauso wie das Kolloquium sich nicht von selbst vorbereitet.

Aber so weit bin ich noch gar nicht. Heute nutzte ich die Zeit für viele Kleinigkeiten, die schon einige Zeit liegen geblieben waren. Außerdem plante ich die Stunden für morgen und übermorgen und stellte meine Materialien für den UB morgen fertig. Ich finde ja, dass mein Denglisch-Vulkan super geworden ist.

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Die Schüler sollen sich morgen nämlich mit der Notwendigkeit von Anglizismen in der deutschen Sprache beschäftigen und gestalten dafür in Gruppen einen Denglisch-Vulkan. Sinnlose Anglizismen werden in der Magmakammer verbrannt, Wörter mit schönen deutschen Übersetzungen dürfen auf den weißen Wolken schweben, unverzichtbare englische Begriffe setzen sich auf dem grünen Rasen fest und schwer ersetzbare englische Wörter befinden sich im (ungewissen) gelben Horizont. Grundlage sind Wörter, die sie aus einer schönen Kolumne von Bastian Sick heraussuchen. Ich bin sehr gespannt, wie sie den Vulkan annehmen. Ich finde ihn jetzt schon toll, auch wenn man sieht, dass Zeichenkünste an mir vorbeigegangen sind. 😀

Übermorgen steht dann der noch viel wichtigere Gemeinsame Unterrichtsbesuch an, für den die Schüler ihre Plakat-Gestalt-Künste unter Beweis stellen müssen. Mit ihren Kampagnen gegen das Komasaufen steht und fällt nämlich mein Entwurf. Aber ich bin ganz optimistisch, dass sie was Ordentliches kreieren. Zur Not motiviert sie morgen noch der Vokabeltest von letzter Woche… leider im negativen Sinne. Der ist nämlich gar nicht gut ausgefallen. Mit einem Durchschnitt von 3,2 und keiner Note 1 hat die Klasse wunderbar bewiesen, dass ihr Ruf, eine sehr faule Klasse zu sein, nicht von ungefähr kommt. Da sie auf die Kampagnen auch Noten bekommen, hoffe ich, dass sie sich jetzt umso mehr anstrengen, um die schlechte Note aus dem Test auszubügeln. Zusätzlich werde ich morgen aber die Wichtigkeit der schönen Kampagnen mit Nachdruck betonen. Tschakka!

Ich mach 3 Kreuze, wenn die Unterrichtsbesuche vorbei sind. (Der nächste folgt dann allerdings schon wieder in 2,5 Wochen.)

Es werde Licht!

Da ganz hinten, kaum zu erkennen, aber doch vorhanden, sehe ich ein kleines, schwaches, flackerndes Licht am Ende des Tunnels. Hätte mir jemand letzte Woche diese Aussicht gegeben, hätte ich ihm wohl nicht geglaubt und doch die Woche etwas positiver erlebt.

Meine UPs der bisherigen Woche:

  • Ich habe das Gefühl, dass ich ganz langsam lerne, wie ich mit meinen superpubertären 8. Klassen umgehen muss, damit konzentriertes Lernen möglich ist. Ich werde auf jeden Fall nicht aufgeben, Methoden auszuprobieren, um meine Teenies, die alles außer Unterricht im Kopf haben, den Unterrichtsstoff näher zu bringen.
  • Ich habe meine GUB-Planung für nächsten Freitag in Englisch fertig und bin sogar zufrieden damit! Lange saß ich mit meiner Mentorin da und uns wollte einfach nichts Gescheites einfallen. Ich stellte eine Planung auf, die zwar ok, aber einem GUB eigentlich nicht angemessen ist. Meine Kreativität hatte sich aufgrund des Stresses jedoch in den Urlaub verabschiedet – gestern kam sie wieder. Und siehe da: Hier und da noch ein paar kleine Kniffe und eine schöne Besuchsstunde ist geschaffen. Mentorin und Zappelbein zufrieden. 🙂
  • Auch die UB-Planung für nächsten Dienstag in Deutsch nimmt Formen an. Auch hier war ich eigentlich schon recht zufrieden mit der Planung, doch Kleinigkeiten störten mich nach wie vor. Nach einem langen Gespräch gestern habe ich noch ein paar Sachen verändert und hoffe auf Zustimmung morgen. So ganz zufrieden wirkte meine Mentorin noch immer nicht, aber Vorschläge kann sie auch nicht machen. Sie sagt nur immer, dass sie es ganz anders angehen würde, aber dass sie weiß, dass man im UB solche gestellten Sachen zeigen muss (Methodenwechsel und so). Ohne Besuch würde ich es auch anders aufziehen, aber wo bleiben denn da die kooperativen Lernformen, die kreativen Ideen und das Feuerwerk?
  • Ich war gestern Abend bei einer schönen Fortbildung im Theater. Die neue Spielzeit wurde vorgestellt und wir bekamen ein paar Kostproben. Super Sachen dabei – Theater, du siehst mich diese Spielzeit öfter! Und vor allem wusste ich gar nicht, dass das Theater so toll mit Schulen kooperiert. Die kommen sogar kostenlos in die Schule, um Stücke vor- oder nachzubereiten. Außerdem gibt es zu jedem Stück Unterrichtsmaterial zur kostenlosen Anforderung. Und kostenlose Führungen durchs Theater gibt es auch (die hab ich als Schüler mal mitgemacht und fand sie echt interessant). Ui, wenn das Ref erst einmal fertig ist… 🙂

Meine DOWNs der Woche:

  • Mir fehlen definitiv Freizeit und ein wenig Schlaf! Und meine doofen Krankheitsanzeichen à la Übelkeit, Schwindel und manchmal Bauchschmerzen gehen auch nicht weg. (Schwangerschaftstest war „zum Leidwesen“ meines Verlobten aber negativ.)
  • Hier liegen Tests unberührt herum und meine Schüler maulen bestimmt, wenn sie erfahren, dass sie die erst nächsten Donnerstag bekommen. Beim UB will ich die nämlich nicht zurückgeben. (Und das Beste: Ich schreibe Freitag auch in Englisch einen Test (hoffentlich liest keiner der Schüler mit 😉 ) und der will dann auch noch zwischen den UBs korrigiert werden…)
  • Und was mich heute am meisten ärgerte: Das ganze letzte Schuljahr habe ich mit meiner Englischklasse kooperative Lernformen eingeübt, weil die nicht mal zu einer einfachen Gruppenarbeit imstande waren. Sie konnten am Ende des Schuljahres sogar offen arbeiten – voller Konzentration und Enthusiasmus! Heute mache ich eine Gruppenarbeit und was ist? Sie haben scheinbar alles in den Ferien vergessen. Sie hauen sich, sie brauchen ewig, um sich zusammenzufinden (trotz mehrfacher klarer Ansagen), sie fangen viel zu spät an und am Ende schaffen sie es nicht. Ganz ehrlich: Pech gehabt. Obwohl sie es in den Stammgruppen nicht geschafft haben, alle anzuhören, müssen sie am Freitag alles wissen und es mir auf Abruf in einer mündlichen Kontrolle vorweisen können. Mal sehen, wie sie das hinbekommen.

Und da ich immer positiv enden möchte und ich nicht nur über meine Englischklasse meckern kann: Meine neue junge Kollegin hatte heute in der Klasse Vertretung und meinte, die Schüler seien im Vergleich zu vor zwei Jahren, wo sie sie selbst im Ref hatte, eine viel angenehmere Klasse. Juchhu, meine ganzen Anstrengungen haben also doch gefruchtet!

Lahmer Schulstart

Irgendwie hätte ich mir den ersten Schultag anders vorgestellt. Meine Klassen aus den Ferien begrüßen, mir Ferienerlebnisse anhören, in freudige Schülergesichter gucken – wenigstens Letzteres konnte ich etwas auf dem Flur.

Da heute Donnerstag ist, hätte ich normalerweise gänzlich frei gehabt. Allerdings mussten alle Kollegen ab 8.15 Uhr in der Schule sein, weil die 5.-Klässler begrüßt wurden. Pünktlich wie immer erschien ich in der Schule, um in mein meistens leeres Fach zu schauen und die neuesten Zettel an unseren Pinnwänden zu studieren. Erstaunlicherweise fand ich 2 Zettel in meinem Fach (neuer Stundenplan, auf dem aber nur ein Raum geändert war, und das Protokoll der Fachkonferenz Deutsch). Auch an der Pinnwand fanden sich allerhand neue Informationen, u.a. zu unserem Spendenlauf am Montag (den ich leider nicht miterlebe, weil montags Seminartag ist) und unserer Harzwanderung am Dienstag.
Hier erfuhr ich, dass ich mit meiner Lieblingsklasse, mit denen ich auch in Schottland war, mit dem Bus in den Harz fahre und auch mit ihnen wandern werde. Während ich da vor der Pinnwand stand und sorgfältig alle Infos zu Dienstag studierte, bemerkte ein Sportkollege, dass wir die schwierigste und längste Strecke wandern würden. Man brauche unbedingt Wanderschuhe! Ich zeigte beinahe schüchtern auf meine Turnschuhe, die ich auch zum Wandern anziehen wollte. Da mischten sich gleich noch 2 weitere Kollegen ein, dass ich mit diesen Schuhen niemals wandern könne und ich mir meine Füße damit kaputt mache! Wenn die wüssten, was ich mit den Schuhen schon alles erlebt und gemacht habe… Fakt ist: Ich werde mir nicht für eine läpprige Wanderung im Harz Wanderschuhe für über 100€ kaufen!
Später am Tag meinte meine Mentorin auch, dass sie die Strecke schon öfter in normalen Halbschuhen gelaufen sei und das super klappte. Also drauf gepfiffen!

Ein anderer nebenbei geäußerter Kommentar eines Kollegen vor der Pinnwand beunruhigte mich dann schon eher. Mir auf die Schulter klopfend kam besagter Kollege an mir vorbei und bemerkte, dass ich ja dann mit der neuen Englischkollegin meine Klassen teilen würde und dass das sicher suuuuuuper  mit uns funktionieren wird, weil wir uns recht ähnlich sind. Letzteres kann ich nicht beurteilen, da sie erst ab Mitte September bei uns ist (sie ist noch nicht von ihrer alten Schule freigegeben wurden). Ersteres in diesem Satz beunruhigte mich dann aber sehr. Wir teilen uns die Klassen? Wie soll ich mir das vorstellen? Teamteaching? Hälfte-Hälfte?
Eigentlich hatte ich den stellv. Schulleiter so verstanden, dass die Stunden offiziell geteilt sind, ich die Klassen aber bis Weihnachten habe und sie die dann ab Januar, also wenn ich weg bin, übernimmt. Alles Andere macht auch wenig Sinn, weil in der einen Klasse noch ein wichtiger Unterrichtsbesuch (GUB) aussteht und ich in der anderen meine Prüfung mache. Das funktioniert doch mit Teilen oder Teamteaching gar nicht…
Ich warte jetzt erst einmal ab, bis sie da ist und bespreche das mit ihr. Sollte sie auf so eine komische Teilung bestehen, rede ich nochmal mit dem stellv. Schulleiter und zur Not mit meinem Seminar. Meine Stunden lass ich mir aber nicht nehmen – und meine Prüfung/ meine Gesamtnote erst recht nicht verpfuschen!

Tja, das waren meine spannenden 5 Minuten des heutigen Schultages. Ansonsten wartete ich, dass die Zeit vergeht, quatschte etwas mit meinen Kollegen und machte mich dann kurz vor 10 Uhr auf den Weg, nachdem sich eine andere Kollegin auch nach Hause traute. Leider gab es nämlich keine Information, wie lange wir in der Schule bleiben müssen…

Morgen wird es dann hoffentlich spannender bei den alljährlichen Projektvorstellungen in der Uni. Außerdem kommen morgen allerlei wichtige Menschen, um Reden zu unserem Schuljubiläum zu halten. Man darf also gespannt sein! 🙂

Eine chaotische Woche steht bevor…

Nach einem Wochenende voller Sand schippen, Sandsäcke tragen, Bangen und Hoffen steht uns jetzt eine nicht minder anstrengende und ungewisse Woche bevor. Heute Mittag erreichte die Elbe in unserem Ort den Höchststand und hält seitdem konstant den Pegel. Es könnte sogar von leichter Abnahme gesprochen werden, doch sind die Messungen derzeit widersprüchlich und nicht vertrauenswürdig. Dennoch ist von Entwarnung noch lange nicht die Rede! Über 4-5 Tage wird weiterhin dieser enorme Druck auf den Deichen lasten und wir müssen weiter hoffen und dafür kämpfen, dass die Deiche nicht brechen.

Viele Stadtteile wurden schon vorsorglich geräumt, teilweise zwangsevakuiert. Die größte Sorge ist noch das Umspannwerk, das auf keinen Fall betroffen sein darf. Nicht nur würde dann die Stromversorgung im Norden der Stadt zusammenbrechen, sondern könnte auch nicht mehr abgepumpt werden, was bedeutet, dass in der gesamten Stadt das Grundwasser nach oben drücken würde.
Auch scheinen nicht alle Sandsackbarrieren noch lange standzuhalten.

Alle Schulen sind bis einschließlich Mittwoch geschlossen – in den Grund- und Förderschulen ist die Betreuung der Schüler jedoch gesichert.
Tja, und in meine Schule müssen alle Lehrer kommen, denen es möglich ist. Unser Keller ist wohl schon vollgelaufen, aber auch teilweise wieder leer gepumpt worden. Das Wasser kommt an der Kreuzung nebenan schon aus den Gullis – das Grundwasser drückt also mit enormer Gewalt.

Ich hoffe, dass unsere älteren Schüler die schulfreien Tage nutzen, um zu helfen und nicht nur, um die neuesten Computerspiele weiterzuspielen. Ich befürchte bei dem Großteil aber Letzteres. :/
Ich werde morgen jedenfalls zur Schule fahren (obwohl Seminartag ist und ich von der Schule freigestellt wäre) und mir die Lage ansehen. Wenn ich dort nicht helfen kann, dann fahr ich wieder an eine andere Stelle, an der Helfer gebraucht werden. Noch ist es nicht durchgestanden, aber ich hoffe, dass wir es möglichst unbeschadet schaffen.

Ich danke euch allen für das Daumendrücken!

PS: Mein Unterrichtsbesuch am Freitag fällt auf jeden Fall aus. Ich habe das Konzept also völlig umsonst geschrieben… Ich hoffe jedoch, dass meine liebe Ref-Kollegin diesen Freitag ihre Prüfung durchführen kann und sie aufgrund der prekären Lage nicht noch einmal verschoben werden muss. 😦

Alles in der Schwebe

Mein 100. Beitrag auf diesem Blog und der Anlass ist nicht der Schönste – Hochwasser. Ja, es ist in aller Munde und nun betrifft es mich auch indirekt. Meine Wohnung ist zum Glück ganz weit weg von der Elbe, aber die Schule und auch das Haus meiner Eltern leider nicht…

Heute gab es eine Information in der Schule, dass der Unterricht ab Donnerstag wahrscheinlich/ vielleicht nicht mehr stattfinden könne, weil die Elektroversorgung laut Versorger vorsorglich eingestellt werden soll und somit alle Sicherheitsanlagen und Telefone nicht mehr funktionieren würden. Damit ist die Sicherheit der Schüler nicht mehr gewährleistet und der Unterricht fällt aus. Für uns Lehrer heißt das, dass wir jeden Tag zur 1. Stunde kommen müssen, um bei Räumarbeiten mitzuhelfen und das Schulgebäude zu sichern. Die Keller wurden heute schon geleert. Es ist einfach schrecklich, was die Natur anrichten kann. Noch halten alle Deiche in meiner lieben Heimatstadt, doch weiß keiner, wie lange das noch anhält. Hunderte Menschen werden evakuiert – in den umliegenden Gebieten stehen viele Wohnungen schon 1m und höher im Wasser. Wir können nur hoffen, dass es die Schule (und meine Eltern!) nicht so hart treffen wird, sondern es lediglich um Vorsorgemaßnahmen gehen wird.

Am schlimmsten trifft es an unserer Schule meine liebe Referendarkollegin, die eigentlich am Freitag Prüfung hätte. Hätte… das wird wohl nichts. Kein Strom, keine Schüler, keine Prüfung. Es muss schlimm sein, wenn man alles fertig geplant hat und dann die Prüfung aus solchen Gründen nicht durchführen kann. Und für mich ist wichtig, ob die Prüfung um eine Woche oder auf einen anderen Tag verschoben wird, weil ich am nächsten Freitag meinen GUB hätte und der auch flach fallen müsste, wenn dort die Prüfung stattfindet. Dabei habe ich alles schon geplant und hab das Schreiben des Konzeptes schon angefangen…

Morgen gibt es nähere Informationen, wie an der Schule verfahren wird. Gedanklich bin ich aber sowieso bei all jenen, die jetzt schon so stark von den Fluten betroffen sind…

 

PS: Mir wurde ein Stöckchen zugeworfen, das ich natürlich schon liebevoll aufgehoben habe. Mein Beitrag folgt, sobald ich Zeit zur Beantwortung der Fragen habe. Ich habe es aber nicht vergessen! 🙂

Binnendifferenzierung macht Spaß

Was für eine anstrengende Woche das doch war – das glaubt ihr gar nicht! Aber das Fazit ist: Ich starte zufrieden ins Wochenende.

Am Donnerstag hatte ich wieder eine schöne offene Unterrichtsform zum Üben des Passivs (diesmal mit der Erweiterung um das Personal Passive) ausgewählt. Wieder gab es verschiedene Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, aber dieses Mal auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten – Regeln wiederholen, Zeitformen üben, aus dem Deutschen übersetzen, … . Die Schüler erhielten einen Arbeitsplan mit insgesamt 2 Pflichtaufgaben und weiteren 6 Wahlaufgaben, wovon sie mindestens 2 auswählen und bearbeiten sollten. Die Lösungen lagen wieder vorn bei mir aus, damit sich die Schüler selbst kontrollieren konnten. Begleitend füllten sie in dem Arbeitsplan aus, welche Aufgaben sie schon geschafft hatten, wie viele Fehler sie jeweils hatten und wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit waren. Diese habe ich dann am Ende eingesammelt. Ich habe sie bisher nur überflogen, doch nahmen die Schüler das gut an und füllten alles gewissenhaft und ehrlich aus.
Niemals hätte ich gedacht, dass das so gut funktioniert! Die Schüler haben sich vorher wirklich genau überlegt, welche Defizite sie das letzte Mal festgestellt hatten und dementsprechend die verschiedenen Aufgaben ausgewählt. Und sie haben wieder ganz konzentriert und ruhig gearbeitet – was ich sonst von der Klasse eigentlich nicht kenne. Ich bin wirklich begeistert! Es sei mal infrage gestellt, ob das wirklich bei jeder Klasse funktioniert, aber diese Truppe nimmt es gut an und hat sogar Spaß dabei. Die Schüler riefen am Anfang der Stunde wirklich „Jippie“, als ich sagte, dass wir wieder frei arbeiten. 😉

Am Mittwoch hatte ich mal den Tipp aus meinem schlauen Buch ausprobiert, Gruppenpuzzle binnendifferenziert zu gestalten. In meiner 10. Klasse ging es darum, verschiedene berühmte Persönlichkeiten und ihre Verdienste für die Gesellschaft kennenzulernen. Die Schüler erarbeiteten sich in Gruppen die wichtigsten Infos, gestalteten ein Plakat und danach führten wir einen Museumsrundgang (Gallery Walk) durch. Der Clue war, dass ich den Schüler nicht einfach englische Texte gab, sondern sie ganz unterschiedliches Material bekamen: Comics, Briefe, Reden, Statistiken, Bilder, … . Da ich auch schon ungefähr ahnte, wer sich zusammen in eine Gruppe setzen wird, konnte ich mir vorher schon Gedanken darüber machen, welcher Gruppe welche Art von Informationsvermittlung wohl am ehesten zusagt. Die naturwissenschaftlich starken Schüler erhielten also z.B. die Person Fleming (Erfindung Penicillin) und Statistiken und die sprachlich starken Schüler die Rede „I have a dream“ von Martin Luther King, Jr. Und gleichzeitig wiederholten wir in den einzelnen Gruppen die grundlegenden Arbeitstechniken des Schuljahres: Analyse von Comics, Bildern, Statistiken und allgemein von Texten. Die Kreativen konnten sich dann bei der Plakatgestaltung ausleben. Und der letzte Vorteil: Die Schüler haben endlich mal Englisch gesprochen! Ihr erinnert euch vielleicht, dass diese Klasse immer sooooo ruhig ist, sie nie etwas sagen geschweige denn sich mal freiwillig melden. In den kleinen Gruppen haben sie dann aber zumindest beim Museumsrundgang alle durchgängig Englisch gesprochen, ohne dass ich sie dazu ermahnen musste.
Insgesamt also eine rundum gelungene Stunde, von der auch meine zukünftige Mentorin begeistert war. Sie möchte sogar meiner Fachseminarleiterin davon erzählen, damit auch die einen noch besseren Eindruck von mir hat. 😉 In 2 Wochen hab ich meinen nächsten GUB (gemeinsamen Unterrichtsbesuch) und dann ist sie sowieso da.

Also: Der Aufwand lohnt sich und von dem Material zehrt man noch eine ganze Weile. Und mal ehrlich: Gruppenpuzzles sind immer aufwändig – da macht die Binnendifferenzierung keinen Mehraufwand. Ich kann es wirklich nur empfehlen! 🙂

Morgen ist dann Lange Nacht der Wissenschaft, wo natürlich meine Schule auch vertreten ist. Ich darf mit ein paar Schülern Sandwiches verkaufen – yeah! 🙂
Euch ein schönes Wochenende!