Herber Rückschlag

Danke an das Land! Danke, dass ihr die Bildung immer so wichtig nehmt. Danke, dass ihr das Geld da hereinsteckt, wo es auch gebraucht wird – nämlich in die Bildung. Danke, dass ihr so gut mit uns Lehrern umgeht. Danke, dass ihr nicht immer nur Sparkurs fahrt.

Ich bin bedient. Nicht nur für heute.

Gegen Mittag erreichte mich der Anruf.
„Frau Zappelbein, ich habe schlechte Nachrichten für Sie. Die Stelle, für die wir Sie vorgesehen hatten, wurde ersatzlos gestrichen. Wir haben erst gestern erfahren, dass das Land Gelder streicht und wir deswegen viele Stellen auch streichen mussten. Es gibt keine Ausschreibung für Sie. Ich hoffe, Sie finden in ihrem gelernten Gymnasialbereich etwas. Wenn nicht, dann melden Sie sich noch einmal bei mir, damit ich vielleicht etwas für Sie tun kann. Ansonsten hoffen Sie auf den Sommer. Doch auch da kann ich Ihnen nichts versprechen. Es kann sein, dass die Stelle auch dann nicht ausgeschrieben werden kann. Es tut mir leid.“

Das war’s dann also. Willkommen zurück, meine lieben Existenzängste und Zukunftsängste. Willkommen zurück, liebe Alpträume und unruhige Nächte. Willkommen zurück, liebe Ungewissheit.

Es heißt also wieder Warten auf die Stellenausschreibungen, die eigentlich die nächsten Tage veröffentlicht werden müssten. Und wieder die leise Hoffnung, dass doch ein Gymnasium Platz für mich hat. Oder eine Privatschule. Oder ein anderes Bundesland. Ich will kein Hartz IV!!! Unter keinen Umständen! Bitte, liebes Schicksal, mach das alles mit Absicht, weil du etwas Anderes für mich vorgesehen hast! Und für meinen Verlobten, da wir endlich diese doofe Fernbeziehung beenden möchten… Bitte!

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Unfassbar!

Ich muss heute mal in etwas anderer Sache an euch schreiben, weil es mich einfach so sehr berührt und es die Unzulänglichkeiten unseres Systems zeigt.

Eine liebe Bloggerin, die ich leider nicht persönlich, aber durch ihren Blog doch schon ein wenig kenne, hatte heute Prüfung. Und mal wieder hat die Realität gezeigt, was für ein Mangelexemplar von System wir haben. Man bereitet stuuuuundenlang, absolut fern von der Unterrichtsrealität, tolle Stunden vor, die methodisch und didaktisch einfach gut durchdacht sind. Man investiert eine Menge Zeit und Herzblut in die Vorbereitung und ist immer mit vollem Enthusiasmus im Unterricht dabei. Man liebt seinen Beruf, man liebt die Kinder vor einem, man geht in seinem Beruf – oder vielmehr in seiner Berufung – auf. Man hat eine tolle Lehrerpersönlichkeit und wird von den Kindern und den Kollegen sehr gemocht und geschätzt für seine Arbeit.
Und dann kommt die Prüfung… Und es zählt von alledem nichts mehr! Es ist egal, ob die Stunde gut lief oder nicht und es ist auch egal, was die Kinder wie gelernt haben, wie handlungsorientiert und lebensnah die Aufbereitung war. Wichtig ist nur, wie man seinen theoretischen Entwurf gestaltet hat – Wurden die Lernziele richtig formuliert? Wie gut ist die Sachanalyse? Habe ich meine methodischen Entscheidungen ausreichend begründet und viele Alternativen beschrieben? Kenne ich die gängigen didaktischen Modelle und kann sie auf meine Stunde anwenden? usw.
Was zählt das denn alles im wahren Lehreralltag? Was nützt es den Kindern, wenn die Lehrerin tolle Lernziele formulieren kann, aber den Inhalt einfach nicht herüberbringen kann, wenn sie selbst nicht für ihr Fach brennt und die Inhalte entsprechend nicht transportieren kann? Es ist doch einfach irrsinnig, angehende Lehrer aufgrund der falschen Schwerpunktsetzung in der Bewertung so dermaßen so demotivieren, dass sie selbst an sich zweifeln! Was soll denn nur aus unserer Gesellschaft werden, wenn so mit frischen Kollegen und innovativen Ideen umgegangen wird, wenn nur auf die Theorie geachtet wird?
Die liebe Bloggerin hat zum Glück nicht ihren Spaß am Beruf und ihren Glauben an sich selbst verloren, was ich auch einfach bewundernswert finde, aber dennoch läuft doch hier etwas gewaltig schief! Ich verstehe auch nicht, warum es noch immer Seminare gibt, in denen es so abläuft. Vor allem sitzen hier oft Leute, die selbst seit Jahren vor keiner Klasse gestanden haben und keine Ahnung von Schulrealität haben. Wie komepetent sind sie denn bitte, Unterricht fair bewerten zu können?
Aber macht euch doch selbst ein Bild von der Situation, ich verlinke sie hier äußerst gerne: http://dersteinigeweg.wordpress.com/2013/03/12/es-reicht/

Ich bin wirklich ein bisschen froh, dass sich meine Seminarleiter bisher immer so gezeigt haben, dass ihnen wichtig ist, WIE ich in der Stunde agiere und meinen Plan umsetze. Zwar ist der Plan auch wichtig und zählt in die Bewertung ein, doch ist es viel wichtiger, wie ich wirke und inwieweit ich die Schüler für den Stoff begeistern und ihnen diesen vermitteln kann. Ich hoffe nur, dass das auch in der Prüfung so bleibt, denn sonst verliere ich noch mehr den Glauben an die eh schon mehr als renovierungsbedürftige Lehrerausbildung…