Herber Rückschlag

Danke an das Land! Danke, dass ihr die Bildung immer so wichtig nehmt. Danke, dass ihr das Geld da hereinsteckt, wo es auch gebraucht wird – nämlich in die Bildung. Danke, dass ihr so gut mit uns Lehrern umgeht. Danke, dass ihr nicht immer nur Sparkurs fahrt.

Ich bin bedient. Nicht nur für heute.

Gegen Mittag erreichte mich der Anruf.
„Frau Zappelbein, ich habe schlechte Nachrichten für Sie. Die Stelle, für die wir Sie vorgesehen hatten, wurde ersatzlos gestrichen. Wir haben erst gestern erfahren, dass das Land Gelder streicht und wir deswegen viele Stellen auch streichen mussten. Es gibt keine Ausschreibung für Sie. Ich hoffe, Sie finden in ihrem gelernten Gymnasialbereich etwas. Wenn nicht, dann melden Sie sich noch einmal bei mir, damit ich vielleicht etwas für Sie tun kann. Ansonsten hoffen Sie auf den Sommer. Doch auch da kann ich Ihnen nichts versprechen. Es kann sein, dass die Stelle auch dann nicht ausgeschrieben werden kann. Es tut mir leid.“

Das war’s dann also. Willkommen zurück, meine lieben Existenzängste und Zukunftsängste. Willkommen zurück, liebe Alpträume und unruhige Nächte. Willkommen zurück, liebe Ungewissheit.

Es heißt also wieder Warten auf die Stellenausschreibungen, die eigentlich die nächsten Tage veröffentlicht werden müssten. Und wieder die leise Hoffnung, dass doch ein Gymnasium Platz für mich hat. Oder eine Privatschule. Oder ein anderes Bundesland. Ich will kein Hartz IV!!! Unter keinen Umständen! Bitte, liebes Schicksal, mach das alles mit Absicht, weil du etwas Anderes für mich vorgesehen hast! Und für meinen Verlobten, da wir endlich diese doofe Fernbeziehung beenden möchten… Bitte!

Sind das Rosinen?

Meine Mentorin pflegt ja immer zu sagen, dass wir uns gar nicht über unsere Schüler beschweren dürfen, da wir das Glück hätten, die Rosinen unter den Schülern an der Schule zu haben. Damit mag sie nicht ganz unrecht haben, wenn man sich 1. die harten Aufnahmebedingungen der Schule und 2. die Gesamtschulen der Stadt anschaut.
Andererseits habe ich mich heute bei der Kontrolle der Tests darüber gewundert, dass diesen Rosinen trotzdem irgendetwas fehlen muss. Jedes Mal sage ich vor den Vokabeltests an, dass sich die Schüler auch die Beispielsätze im Buch anschauen sollen, da ich diese im Test abfragen werde. Ihr werdet glauben, dass das zu einfach ist; das dachte ich am Anfang auch. Man kann aber beim Durchsehen der Tests gar nicht glauben, dass ich das gesagt habe… weder die Vokabeln, geschweige denn die Sätze sitzen. Woran liegt das? Kann mir das irgendjemand sagen??? Warum gibt es trotzdem Schüler mit 4 oder 5? Wieso? Sind sie zu dumm, meine lieben Rosinen? Fehlt ihnen etwas im Gehirn? Oder sind sie schlicht und einfach zu faul? Nicht ehrgeizig genug?
Meine Mentorin scheint sich damit abgefunden zu haben. „Wir nehmen so lange diese Sätze bis sie es verstanden haben und diese lernen. Das ist auch für uns einfacher.“ Gut, machen wir so. Verstehen kann ich es trotzdem nicht.

Auf meine E-Mail nach Wales hat übrigens noch keiner geantwortet. Das Semester müsste gerade angefangen haben – vielleicht sind sie im Stress, weil ein (oder mehrere) neuer Fremdsprachenassistent da ist. Ich hoffe trotzdem, dass sich bald jemand meldet.
Ich wäre aber auch nicht ich, wenn ich nicht noch einen Plan B und C in petto hätte – ich bin also noch ganz optimistisch gestimmt.

Morgen probiere ich wieder einige neue Methoden aus und bin schon gespannt, wie meine Schüler reagieren. Physikexperimente im Deutschunterricht? (Vorgangsbeschreibung)
„Lebendige“ Eier im Englischunterricht? (Einführung der neuen Grammatik)
Hach, das wird grandios! (hoffe ich)
Noch grandioser war es heute allerdings im Lehrerzimmer: Feier der frischgebackenen Omis. Man stelle sich 3 glückliche Frauen vor, die alle gerade Oma geworden sind und Fotos herumzeigen, + gefühlte 20, die die Kinderchen bestaunen. Die Geräuschkulisse kann sich jetzt jeder selbst vorstellen. Absolut süß das alles! Und als dann meine Mentorin noch damit herausrückte, dass auch sie letzte Nacht Oma geworden ist, haben sich die Frauen gar nicht mehr halten können. Und die Männer? Tja, die haben wohl einen großen Bogen um das Lehrerzimmer gemacht… Warum wohl? 🙂

Nächtlicher Ideenfundus

Nachts hat man immer die besten Ideen – zumindest ist das bei mir so.
Als ich diese Nacht über meine „Staatsexamensarbeit“ nachdachte, kamen mir wieder ein paar neue Visionen, worüber ich genau schreiben könnte. Grob steht das Thema zwar schon, doch konnte es nicht zuletzt aufgrund der Krankheit meiner Betreuerin noch nicht genau festgelegt werden. Und damit ich mit konkreten Ideen auftreten kann, denke ich hin und wieder, wenn ich Zeit habe, über mein Projekt nach. Grob gesagt sollen die Schüler mit Hilfe unterschiedlichster Techniken (vor allem mit Hilfe neuer Medien) interkulturelle Kompetenz zu Wales erlangen. Warum Wales? Weil ich dort selbst ein halbes Jahr war, als Lehrassistentin gearbeitet habe (neben dem Auslandsstudium) und das Land einfach faszinierend finde. Umso begeisterter stellte ich also fest, dass unser schönes Lehrbuch dieses Land auch aufgreifen möchte (wenn auch leider nicht in der Intensität).
Wie ich da also lag und darüber nachdachte, kam mir die naheliegende und doch brilliante Idee, dass ich ja meine alten Kontakte noch einmal aufgreifen könnte, um nach einer E-Mail-Partnerschaft zu fragen. Gedacht, getan. Tatsächlich fand sich in den Weiten meines Laptops noch eine Kontaktadresse der Schule. Soeben habe ich eine E-Mail rausgeschickt und stellte mit Erstaunen fest, dass keine Fehlermeldung zurück kam. Die Adresse ist also noch gültig und meine Anfrage angekommen.
Jetzt bin ich echt mal gespannt, ob da eine Antwort kommt. *Spannung*

Codename Nasenbär

Heute Morgen um 8.20 Uhr: In 10 Minuten beginnt das Seminar und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann mein redseliger Seminarleiter all seine wichtigen Wünsche für das neue Jahr und Sonstiges losgeworden ist und mir das Wort übergibt.
Zu diesem Zeitpunkt bin ich absolut fertig und halb durchgeschwitzt. Was war passiert?

In meiner weisen Voraussicht ging ich gestern schon sehr zeitig ins Bett. Man weiß ja nie, wie der Körper die Umstellung auf das frühe Aufstehen verkraftet, zumal mich eine fiese Erkältung eingeholt hat. Anderthalb Stunden später lag ich noch immer wach im Bett. So viel zum Plan. Super Zappelbein!
Endlich eingeschlafen wache ich alle Stunde auf, freue mich darüber, überhaupt eingeschlafen zu sein, schaue in „freudiger“ Erwartung auf die Uhr, wie lange ich durchgeschlafen habe und stelle fest, dass erst eine Stunde vergangen ist. So ging es tatsächlich die ganze Nacht. Erkältungen sind einfach nichts, Halsschmerzen am allerwenigsten. Auch meine Katze ist unruhig und wälzt sich neben mir hin und her. Immerhin macht sie sich aber die Mühe, sich immer wieder in meinen Nacken zu kuscheln und zu schnurren, sehr lobenswert.
Am nächsten Morgen war ich überraschenderweise natürlich gar nicht ausgeschlafen und nicht bereit für meine Präsentation. Aber es musste sein. Also schälte ich mich im Dunkeln aus dem Bett, vergaß das Licht im Bad anzumachen und hätte beinahe auch im Dunkeln geduscht. Da ich aber ohne Sehhilfe halb blind bin, war es gut, dann doch den Lichtschalter noch zu finden.
Dann das übliche Morgenprogramm, schnell Sachen gepackt und los! Im Seminar angekommen bemerke ich, dass mein Seminarleiter noch nicht da ist und ich versuchen muss, an den Schlüssel zu kommen. Hat zum Glück auch alles geklappt: Schlüssel geholt, gesamte Sitzordnung im Raum verändert, – den ersten Mitreferendar begrüßen -, Moderationskoffer besorgen, Plakate aufhängen, Handouts etc. austeilen, – zwischendurch immer mehr Mitreferendare begrüßen und Zeitpanik bekommen-, Flipchart-Papier besorgen, Computer anschließen und sich über die funktionierende Technik freuen… Also eigentlich lief alles gut, aber am Ende war ich in den 15 Minuten so viel herumgerannt, dass ich echt fertig war. Die Aufregung war natürlich nicht förderlich.
Nebenbei höre ich Gespräche, dass meine lieben Kollegen alle keine Lust auf das Ferienende haben und wie sie sich austauschen, dass bald schon wieder Ferien sind. Auch über die Examensarbeit wird geredet. Überaus empfänglich war ich dafür aber nicht. Hauptsache sie arbeiten mit und alles klappt.

10.30 Uhr war die Präsentation dann endlich vorbei. Ich habe zwar 15 Minuten überzogen, weil die Teilnehmer hohen Diskussionsbedarf hatten, aber mein Seminarleiter kommt trotz allem total erfreut auf mich zu und sagt, dass die Präsentation wirklich klasse und überaus gelungen war; es habe ihm sehr gut gefallen. Mein Entschuldigen wegen der Zeitüberziehung will er nicht hören, weil er das total wichtig fand und auch keine Langeweile aufkam. Puh! Mir fällt ein Stein vom Herzen (schließlich hatte er zur Zeiteinhaltung gemahnt, nachdem meine Vorreferentin vor den Ferien 60 Minuten überzog!) und ich bin glücklich, es endlich hinter mich gebracht zu haben. Meine Seminarteilnehmer haben zwar kleinere Kritikpunkte, aber perfekt ist keiner. Jetzt muss ich noch meine Reflexion schreiben und darf dann gespannt auf meine Note warten.

Ich danke euch also allen sehr für das Daumendrücken! Es hat wirklich geholfen!

Dafür kam mein Schnupfen nach der Präsentation mit doppelter Wucht zurück, wo er mich doch während der Präsentation so schön in Ruhe gelassen hatte… man kann ja nicht alles haben. Morgen fallen zum Glück 2 Stunden aus (wo auch immer sich meine Klasse rumtreibt), weswegen ich erst mittags in die Schule muss. Genug Zeit zum Auskurieren also. Und dann hoffe ich, dass ich meine Mentoren diese Woche endlich mal wieder von mir überzeugen kann und sie durch die Erholungsphasen auch mal wieder zum Lob fähig sind. Die neue Betreuerin in der 10. Klasse lobte mich zumindest bereits sehr viel per Mail für meine Sequenzplanung und die Stundenplanung für Mittwoch. Jetzt muss ich das alles nur noch umsetzen. 😉

Mal wieder ein Linktipp

Morgen, Kinder, wird’s was geben, morgen werden wir uns freuen… 🙂

Morgen ist es nämlich so weit, der letzte Schultag ist gekommen!!! Juchhu, darauf freuen wir uns alle schon seit Wochen! Heute hat man den Refs, aber auch der Seminarleiterin angemerkt, dass wir unbedingt Ferien brauchen. Neidisch wurde ich ja schon ein bisschen, als Mitrefs erzählten, morgen fände nur weihnachtliches Frühstück + Weihnachtskonzert in der Schule statt. Ich darf auch in der 6. Stunde noch Unterricht machen, was Lehrer und Schüler unheimlichen Spaß beschert. Aber da müssen wir alle durch…

Da wären wir dann auch bei der Überschrift: Ich werde morgen einen kleinen Filmausschnitt aus Four Christmases mit meinen Schülern sehen und diesen dann besprechen und einen Dialog schreiben lassen, wie es weitergehen könnte. Das wird sicher ganz lustig, weil es in der Szene u.A. darum geht, dass die Kinder dieser Familie auf ungemütliche Art und Weise erfahren, dass es keinen Weihnachtsmann gibt.
Die Anregung hierfür habe ich von meiner Fachseminarleiterin Englisch bekommen – danke noch einmal!

Es gibt eine tolle Seite, auf der Filmausschnitte entweder thematisch oder sogar grammatisch ausgewählt sowie Fragen/ Aufgaben hierzu formuliert wurden. Absolut nützlich, um den Unterricht mal abwechslungsreich zu gestalten und die Schüler zu motivieren. 🙂

http://warmupsfollowups.blogspot.de/

http://moviesegmentstoassessgrammargoals.blogspot.de/

Viel Spaß damit, ein Blick darauf lohnt sich! 🙂

Motivation durch Verwirrung

Heutige Englischstunde:

„Bonjour mes amis!“, begrüße ich die Schüler. Heute wollen wir nämlich feststellen, dass das Lernen mehrerer Fremdsprachen sehr hilfreich beim Lernen sein kann, doch auch Risiken mit sich bringt (falscher Transfer). Heute haben wir also etwas fächerübergreifend gearbeitet.
Die Schüler antworten nicht auf meine Begrüßung, sondern schauen sich nur verwirrt gegenseitig an. Eine Schülerin reagiert mit dem Ausruf: „Hä? Falsche Sprache!“, ein anderer Schüler fragt mich, wie viele Sprachen ich denn noch spräche.
Ich sage dazu nichts und wiederhole meine Begrüßung: „Bonjour mes amis!“
Diesmal antworten die Schüler auch. „Bonjour, madame Zappelbein.“
„Asseyez-vous.“
Die Schüler setzen sich hin und es beginnt ein Gemurmel. Kurz lasse ich dieses gewähren, doch dann beginne ich mit dem Unterrichtseinstieg. Als die Schüler merken, dass ich nun wieder Englisch spreche, sind sie glatt etwas enttäuscht. Dafür waren sie aber umso motivierter, sich mit der folgenden Thematik zu beschäftigen. Selten habe ich so früh am morgen so viele Arme oben gesehen. Andererseits waren die Schüler, die nicht Französisch als zweite Fremdsprache lernen, etwas desinteressiert und demotiviert. Auf mein direktes Ansprechen einer Schülerin aus diesem Kreis bekomme ich auch keine Antwort, sondern nur ein genervtes „Weiß ich doch nicht.“, obwohl die Schülerin sonst immer ganz motiviert dabei ist. Das kann aber auch daran liegen, dass sie frustriert war, dass sie nun doch am Englischunterricht statt an der Generalprobe für das Weihnachtskonzert teilnehmen musste. Zumindest hielt sie sich die ganze Stunde bedeckt.
Ich würde den Einstieg trotzdem jederzeit wieder wählen, zumal wir dann auch auf andere spannende Themen wie „false friends“ und Homophone gekommen sind. Ich glaube, das hat fast allen Spaß gemacht. Dienstag folgt dann noch unsere kleine Weihnachtsfeier und danach starten wir endlich alle in die wohlverdienten Weihnachtsferien. Ich hoffe, die Schüler verzeihen mir dann auch, dass ich keinen Test mehr vor Weihnachten geschrieben habe, obwohl sie schon seit Tagen damit rechnen. 😉

„Was bedeutet das denn?“

Ach ja, Schüler sind manchmal schon echt süß… Heute habe ich ihnen ja das Gedicht von Rolf Krenzer, das ich gestern hier schon postete, vorgestellt. 4 Gruppen sollten 4 verschiedene Weihnachtsgedichte analysieren und verstehen, um sie anschließend ihren Mitschülern vorzustellen. In meine Rolf Krenzer-Gruppe packte ich meine Experten, die die Welt so schön in schwarz-weiß sehen und wenig kompromissbereit in Bezug auf andere Meinungen sind.
Abgesehen davon, dass alle Gruppen ihre Gedichte nur sehr oberflächlich behandelt haben, hatte ich den Eindruck, dass diese Gruppe die Message des Gedichtes nicht wirklich verstanden hatten. Oder sie waren einfach nicht in der Lage, diese in Worte zu fassen…
Nach der Präsentation stellte ein Schüler dann auch die berechtigte Frage: „Was bedeutet das denn, dass der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt?“
Ein anderer Schüler gibt die (schlaue) Antwort: „Das steht doch da, lies doch mal weiter. Der Starke liebt doch auch die Kräfte des Schwachen, also verzeiht der Schwache dem Starken, dass auch er Schwächen hat. Keiner ist perfekt.“
Da musste ich doch etwas schmunzeln. Leider schien damit auch alles gesagt zu sein. Kein weiterer Arm erhob sich, kein Schüler wollte sich äußern. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit erbarmte ich mich schließlich und erklärte den Schülern diese schöne Aussage noch einmal. Da war dann auch plötzlich der Aha-Effekt.
Fazit: Nächste Stunde, also am Freitag, werden wir uns diesem Gedicht noch einmal ganz intensiv widmen, damit alle Schüler mit einer schönen Weihnachtsstimmung in die Ferien entlassen werden können. Schließlich sehe ich die Schüler dann nicht mehr, zumindest nicht im Unterricht. Hoffentlich kommt die Aussage dann auch an!

Montag werden sie dann noch die Chance haben, bei meiner Mentorin gute Noten zu sammeln, indem sie eines der Gedichte auswählen und rezitieren. Irgendwie finden die Schüler diese Chance aber gar nicht gut… Dabei habe ich es so gut angepriesen. Schließlich geht es doch nicht nur um das Erhalten einer guten Note, sondern auch um die Schulung und Weiterentwicklung persönlicher Fähigkeiten, Präsentationsfähigkeiten sowie Merkfähigkeiten.
Aber Frau Zappelbein, was erzählen Sie denn da? (So fühlte ich mich zumindest beim Blick in die Gesichter.)
Dafür wollen alle Schüler gern noch einen Test vor Notenschluss schreiben, weil sie jetzt durch die Klassenarbeit soundso stehen und das noch rumreißen wollen. Auf meine Antwort, sie könnten doch einfach die Gedichtrezitation dafür nutzen, habe ich nur Augenrollen zurückbekommen… Das Leben ist kein Ponyhof, ne? 😉

Riecht ihr sie auch schon, die Ferien?

Ganz sanft kann ich ihren Duft erahnen. Sie riechen so lieblich, süß, ein bisschen fruchtig und nach einer Prise Zimt.
Die ersten Weihnachtsgeschenke sind besorgt bzw. gebastelt, die ersten Plätzchen gebacken und vernascht worden. Herrlich kann sie sein, diese wunderbare Weihnachtszeit.

Nun muss ich nur noch diese letzte stressige Woche überstehen, denn nächsten Mittwoch sind schon Ferien und dienstags habe ich nur eine weihnachtliche Stunde, die sich hoffentlich leicht vorbereiten lässt.
Doch erst einmal ist Arbeit angesagt. Die Klassenarbeiten liegen dort noch immer unerbittlich auf dem Schreibtisch und wollen einfach nicht fertig werden… Keine einzige hat sich bisher erbarmt und die ihr zugeschriebene Note sowie ein passendes Worturteil aufgeschrieben. Auch die Noten sind noch nicht über Nacht in mein Notenheft geflogen… Wäre ja auch zu schön.
Heute erfuhr ich zudem etwas, das ich erfolgreich verdrängt hatte: Bis Ende Dezember müssen Thema sowie Bearbeitungszeitraum meiner Examensarbeit feststehen. Wie gut, dass ich mir bisher noch gar keine Gedanken darüber gemacht habe – weder über das Fach, noch über die Sequenz oder das genaue Thema, über das ich schreiben möchte. Da ist noch Einiges zu tun, Zappelbeinchen…
Und die Präsentation wartet auch sehnsüchtig auf meine Weiterarbeit. Vor 2 Wochen hatte ich doch relativ viel geschafft, doch dann kam mein Krankwerden hinzu und schon lag es wieder brach. Und als wäre es nicht genug, dass ich diese gleich nach den Ferien halten muss, ereilte mich heute die wunderbare Nachricht, dass mein Seminarleiter dasselbe Thema 2 Mal vergeben hat. „Sprechen Sie sich einfach ab, dann ist das alles kein Problem.“ Abgesehen davon, dass ich die Dame wohl erst zum Termin meiner Präsentation wiedersehe, ist das kein Problem, nein nein. „Oder wollen Sie lieber etwas zum Thema ‚emotionale Lernblockaden‘ machen?“ Klar! Jetzt habe ich mich schon wochenlang in ein anderes Thema eingelesen, warum nicht? Man man man, was sich manche so vorstellen… Aber es gibt nichts, was ich bisher nicht geschafft habe, dann kriegen wir das auch noch hin!

Eine gute Nachricht – nein, was sage ich? – fabelhafte Nachricht gab es aber heute doch: Die Schulrechtstests waren endlich fertig kontrolliert und das Zappelbeinchen hat ihre erste Ausbildungsnote im sehr guten Bereich gesammelt. Yeah, auf in die letzte (richtige) Woche!

Wieder unter den Lebenden – zumindest so halb…

Jaja, das Zappelbein war das erste Mal seit dem Referendariat krank. Der Körper hat wohl doch seine Grenzen, aber so langsam pegelt sich alles wieder ein. Hätte ich morgen nicht meinen Englisch-Unterrichtsbesuch, hätte ich mich sicher auch krankschreiben lassen, aber jetzt beiße ich mich noch bis Weihnachten durch. Sind ja nur noch 2 Wochen. 🙂

Ich bin euch noch einige Infos schuldig: Am Freitag lief die Unterrichtsstunde sehr gut. Ich hatte die nötige Konsequenz, um alle provokativen Kommentare abzuwenden und die Diskussion zielführend zu leiten. Da wollten meine lieben Schülerchen doch tatsächlich mit mir diskutieren, ob Tiere an Gott glauben können… tztztz… Aber Kreativität haben sie, das muss man ihnen lassen. Und vor allem schon ne Menge Vorwissen zu Gedichten, das war Wahnsinn! Da musste ich gleich mal meine Gedichtauswahl für morgen revidieren, weil sie sich am Ende noch unterfordert fühlen könnten… bin ja mal gespannt, ob sie mit Trakls „Im Winter“ überfordert sind oder ob sie auf ein paar interessante Deutungen kommen. Drückt auch die Daumen, dass ich trotz leichter Schwäche auf den Beinen wieder konsequent genug sein kann.

Noch spannender wird aber der Unterrichtsbesuch morgen. Meine heutige Vorbereitungsstunde lief zumindest nach Plan, sodass ich morgen die Stunde genau so halten kann, wie ich sie von Anfang an geplant hatte. Wir werden morgen unsere Weihnachtsfeier planen und dabei die neuen Vokabeln festigen und vor allem die kommunikative Kompetenz schulen. Darauf steht meine Seminarleiterin nämlich. Ganz artig habe ich auch Binnendifferenzierung eingebaut. Leider kommt man im alltäglichen Unterricht nicht allzu oft dazu, binnendifferenziert zu arbeiten, aber diese Vorzeigestunden sind weißgott auch keine alltäglichen Stunden. Wann dekoriert man sonst den Lehrertisch weihnachtlich, wenn es nur um eine vorweihnachtliche Stunde geht? Hoffentlich bekomme ich das auch alles transportiert morgen… wenn noch jemand ein Auto übrig hat, dann meldet euch. 😉

Um mich auch schon einmal weihnachtlich einzustimmen, habe ich heute auch angefangen, Weihnachtsgeschenke anzufertigen. Trotz des Zeitmangels im Referendariat möchte ich nämlich nicht meine Tradition brechen, sondern sehr persönliche Geschenke anfertigen/ verschenken. Ich hoffe einfach mal, dass ich mir damit nicht zu viel vorgenommen habe und ich alles rechtzeitig schaffe. Die Weihnachtsferien beginnen zum Glück in Sachsen-Anhalt schon sehr zeitig.

Dann weihnachtet es hier mal weiter, damit ich morgen auch wirklich in der richtigen Stimmung für die Stunde bin. Drückt die Daumen, dass sich die Schüler morgen gut benehmen und alles nach Plan läuft. Und dann mal sehen, was meine liebe Seminarleiterin alles für Kleinigkeiten kritisieren möchte…
Übrigens wissen meine Schüler wider Willens, dass morgen jemand zum Gucken kommt – meine Mentorin hat gepetzt. Goldig sind die Kleinen ja… sie wollten schon Geheimcodes verabreden, z.B. linker Arm heißt, dass sie die Antwort wissen und rechter Arm heißt, dass sie es nicht wissen. Abgesehen davon, dass ich in solch einer Situation sicher nicht einmal rechts und links auseinanderhalten kann (das kann ich ja schon so nicht), würde ich die Schüler in der Richtung auch niemals manipulieren. Normalerweise sage ich meinen Schülern nicht mal vorher, dass jemand kommt, weil dann die Stimmung in der Klasse irgendwie anders ist… aber wir machen das Beste daraus, wird schon alles werden. (meine Lieblingsphrase seit dem Referendariat)
Immer positiv denken, das habe ich ja letzte Woche gelehrt. 🙂

Optimisten leben besser

Froh, dass der Unterricht für heute vorbei war, schaute ich nichtsahnend auf mein Mobiltelefon. Neben den üblichen E-Mails und
tollen WhatsApp-Nachrichten meines Partners fand ich eine SMS meines besten Freundes: „Wer frisch gebackene Plätzchen will, muss vorbeikommen. ;)“
Jaaaaa, frisch gebackene Plätzchen! Als selbsternannte größte Naschkatze des Universums kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen als das Schlaraffenland. Und Kekse sind eh immer hoch im Kurs. Doch nach wenigen Millisekunden der Freude macht sich die Realität wieder breit. Nein, Zappelbein, du hast heute keine Zeit, auf dem Heimweg bei ihm vorbeizufahren, weil du schnell zum Englischseminar musst… und morgen musst du auch sofort nach der Schule nach Hause. Samstag hast du dann Erste-Hilfe-Kurs und danach geht es zur Goldenen Hochzeit deiner Großeltern. Tja, und Sonntag ist selbst erkorener Kuschel-Ruhe-Nichtbewegen-Tag mit dem Traummann… Menno, doch keine Kekse. Oder selbst backen. Ooooooder jemand von euch hat doch eine Clonmaschine erfunden, sodass ich nicht persönlich zum Erste-Hilfe-Kurs muss? 😉
Aber allen, die an diesen Plätzchen ihren Gaumenschmau haben können, wünsche ich natürlich die explosivsten Geschmäcker im Mund. Ich erfreue mich dann zu einem späteren Zeitpunkt an leckeren Weihnachtskeksen.

Dafür konnte ich mich in der Schule an anderen Sachen erfreuen:

  1. Die Schottland-Fahrt steht fest. Nachdem es anfangs nämlich nicht so aussah, als würden sich aufgrund des hohen Preises nicht ausreichend Schüler finden, kam heute endlich die erlösende Nachricht. Meine Mentorin und ich zählten noch mal alle Anmeldungen durch und tadaaaa: 40 Schüler + 2 auf der Reserveliste! Jetzt wird gebucht und dann kann es losgehen. Yeah!
  2. Meine Englischstunde lief heute schon wieder gut. Irgendwie hab ich grad einen Lauf… oder meine Mentorin ist weniger streng? Nee, eigentlich nicht. Wieder gab es kaum etwas zu kritisieren und es ließ sich sogar ein kleines Lob entlocken. („Die Zeitplanung hast du ja die ganze Woche gut hinbekommen; du hast immer alles geschafft, was du dir vorgenommen hattest.“) Und gestern gab es sogar noch einen lieben Tipp für meinen Unterrichtsbesuch nächste Woche, der auch zeigte, dass sie es gut mit mir meint und nichts gegen mich als Mensch hat.
  3. Auch meiner Deutschmentorin habe ich heute ein kleines Lob entlocken können. Zwar hatte sie es nicht geschafft, sich meine Planung für morgen in Ruhe anzuschauen (sie hat letzte Woche gesagt, dass sie mir da vertraue und sie eigentlich nicht mehr drübergucken müsse). Da ich aber eine kleine Frage hatte, warf sie doch einen kurzen Blick darauf und da platzte doch tatsächlich ein „Schön!“ aus ihr heraus. Aber mit der Gedichtauswahl für morgen habe ich sie eh schon für mich gewonnen. 😉 (Joseph von Eichendorff – Winternacht)
    Jetzt muss ich das morgen nur noch umsetzen können. Ich habe mir extra fett und rot in meine Planung geschrieben, auf welche Dinge ich unbedingt achten muss – schließlich ist diese Klasse mit ihrem vorpubertären Alter langsam nicht mehr auszuhalten, sodass ich unbedingt strenger und konsequenter werden muss. Ich hoffe, diese Sätze in meiner Planung helfen mir morgen dabei.

Das einzig „Negative“ war heute unser special guest im Englischseminar. Nichts gegen die liebe Frau und ihre Mühe, uns von ihren Erfahrungen im Referendariat zu erzählen und uns Hinweise für die schriftliche Abschlussarbeit zu geben, aber etwas demotivierend war das schon… Schon allein ihr Thema war ziemlich heftig (emotionale Bildung anhand von Shaun das Schaf).
Als sie dann die Arbeit zum Hereingucken herumgab, wurde mir regelrecht schlecht. Sie hatte sich solche riesige Mühe damit gegeben, für jede Stunde unheimlich viel gebastelt, vorbereitet, kopiert usw., sogar Fotos hatte sie gemacht. Ganz nebenbei hat sie noch die Arbeit mit Portfolios sowie die Optimierung von Gruppenarbeiten reflektiert… UND einen Vorschlag für eine curriculare Verankerung der emotionalen Kompetenz in den Bildungsstandards formuliert. Mit Anhang wurden aus der Arbeit statt 30 Seiten mal locker 100 Seiten, wobei im Anhang meist 4 Blätter auf eines kopiert wurden, es also dementsprechend reduziert wurde. Außerdem war es nur eine Auswahl des Materials. Ich bin erstaunt… und geschockt… aber auch motiviert, dass ich da doch etwas Kreativeres und Aufwendigeres gestalte, als ich es bisher geplant hatte. (Wenn man von einem Plan reden kann… 😉 )

Somit können wir diesen Punkt also auch als eher positiv abhaken und den Tag als gelungen ansehen. Und das zeigt mal wieder: Optimismus ist schon die halbe Miete im Referendariat. 🙂