Meine Zukunft

Ihr glaubt gar nicht, wie hibbelig ich bin. Ich glaub es selbst kaum. Drei Menschen mussten mein Geplapper jetzt schon über sich ergehen lassen und trotzdem sehe ich noch nicht viel klarer.

Ich habe euch doch erzählt, dass mir mein Hauptseminarleiter nach meinem GUB von der Stelle an der Berufsschule hier in der Nähe erzählt hatte. Die suchen wohl ganz dringend eine Lehrkraft für Deutsch und Englisch.
Tja, ich scheine jetzt die Auserwählte zu sein. ICH!!! Warum ich? Ich denke mal, mein Hauptseminarleiter hat mich angepriesen. Davon gehe ich ganz stark aus.

Was ist passiert?
Eine nette Dame vom Landesschulamt rief mich heute ganz überraschend am Nachmittag an. Sie erzählte mir auch von dieser tollen Stelle an der Berufsschule und bat sie mir an. Eine Beamtenstelle wohlgemerkt. Sie fragte mich allerlei Sachen – Alter, Familienstand, Notendurchschnitt (Woher soll ich den 4 Wochen vor der Abschlussprüfung wissen?) und vor allem Zusatzqualifikationen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass man diese nicht so spontan vorweisen kann. Eben noch in der Prüfungsvorbereitung, jetzt in einem Vorstellungsgespräch.
Spontan fiel mir zuerst ein, dass ich schon einmal in der Erwachsenenbildung tätig war. „Das ist doch super, beste Voraussetzungen! Haben Sie dafür auch einen Nachweis?“ (Nein, habe ich nicht, aber das lässt sich schnell mit der ehemaligen Chefin abklären.)
Danach fiel mir meine tolle Medienfortbildung ein. Davon schien sie nicht so überzeugt.
„Spielen Sie vielleicht ein Instrument?“ (Wenn Sie meine spärlichen Keyboardkenntnisse dazuzählen?)
Aber hey, ich wollte doch schon immer eine Theater-AG machen. Theater ist voll mein Ding! In meiner Masterarbeit habe ich theaterpädagogisch gearbeitet und im Theaterjugendclub war ich als Jugendliche auch. Das fand sie schon besser. Ich solle aber noch weiter überlegen und es ihr noch einmal mitteilen. Und am besten noch Zertifikate von allem sammeln.
Klar, ich geh morgen zum Theater und frage, ob sie mir bescheinigen, wie ich vor 10 Jahren im Jugendclub war. Ich bin morgen zur Fortbildung eh da, aber ob die mir so einen Wisch ausstellen? Ich bezweifle es.
Und wie der Zufall es will, startet die Schule gerade ein großes Theaterprojekt.

Naja, nach Rücksprache mit dem Schulleiter ihrer- und meinerseits habe ich nun für Montag ein Vorstellungsgespräch und darf wahrscheinlich auch mal hospitieren. Huiuiui… Und dabei bin ich mir nicht mal sicher, ob ich wirklich an eine Berufsschule will. Gymnasium wäre schon besser, aber sie klang am Telefon nicht so, als würde etwas ausgeschrieben werden. Und sie muss es ja wissen… Guter Rat ist teuer!

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Das Schulamt, dein Freund…

Normalerweise lasse ich mir meinen wohl verdienten Sonntag selten durch irgendetwas vermiesen. Schließlich ist das immer der Tag, an dem ich mit meinem Verlobten auf der Couch gammeln kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Doch heute sollte diese selige Ruhe zerstört werden.

Alles begann mit einer WhatsApp-Nachricht meiner ehemaligen Mentorin, die jetzt in den Vorruhestand gegangen ist. Sie erzählte mir vom Verlauf ihrer bisherigen Ferien und wie gespannt sie auf den Beginn des neuen Schuljahres wäre, weil sie dann den Vorruhestand erst richtig spüren wird. Tja, und wie beiläufig ließ sie die Bemerkung fallen, wie froh sie sei, dass jetzt doch noch eine Englischstelle für unsere Schule ausgeschrieben wurde und ich meine Bewerbung schon so früh abgeschickt hatte. Von meiner Absage – weil ich mich nicht auf eine konkrete Stelle beworben hatte – wusste sie noch nichts.

Dafür wusste ich jetzt umso sicherer, dass meine ganzen Aktionen für meine Anstellung an der Schule nach dem Referendariat doch etwas gebracht hatten – nämlich die Einstellung einer anderen Person. Nicht schlecht staunte ich nämlich, dass ich nach Lesen der Stellenausschreibung auch genau sehen konnte, wer die Stelle nun bekommen sollte: Englisch und Sport – die Fächerkombi einer meiner Vorgängerinnen, die schon die ganze Zeit auf eine Ausschreibung gelauert hatte. Und nun soll sie diese tatsächlich bekommen, weil ich mich eingesetzt habe…

Versteht mich nicht falsch! Ich freue mich, dass wir jetzt endlich unser Problem um die Minderbesetzung im Fach Englisch dauerhaft lösen können und ich freue mich auch, dass das lange Warten meiner Vorgängerin nun doch „Früchte trägt“, aber ich bin unendlich enttäuscht über diese Politik. Jahrelang weigert sich das Schulamt, irgendjemanden bei uns einzustellen. Nie war davon auch nur in einem Nebensatz die Rede. Und dann nehme ich alle Joker in die Hand, um mir die Stelle zu sichern, mache mir wochenlang Arbeit damit, renne allen möglichen Leuten hinterher und was bekomme ich dafür? Ne kühle Absage an meinem Geburtstag und jetzt noch den Tritt in den Allerwärtesten hinterher. Danke, liebes Schulamt, dass du so fair handelst.

Ein Fünkchen Hoffnung bleibt, dass zum Halbjahr auch noch eine Stelle an meiner Schule für Englisch und Deutsch ausgeschrieben wird – also für mich. Deutsch brauchen wir nämlich noch immer dringend und noch eine Englischkraft schadet auf keinen Fall. Aber groß ist sie nicht mehr.
Vielleicht wartet dafür eine andere schöne Schule auf mich. Ich werde es sehen, wenn die neuen Ausschreibungen draußen sind und ich mich nach der Prüfung auch richtig bewerben kann. So lange versuche ich alles mit Fassung zu tragen und mich auf meine Prüfung zu konzentrieren. Die Enttäuschung schwindet jedoch nicht so schnell…