Ratgeber und Mutmacher

Fakt ist: Das Referendariat ist kein Zuckerschlecken. Vor allem psychisch ist es extrem fordernd und anstrengend.
Zum Einen wird man ständig beobachtet und kritisiert. Jeder kleine Fehler wird registriert, ob im Unterricht, im Umgang mit Schülern/ Kollegen oder in den Planungen. Gleichzeitig soll man sein Verhalten stets reflektieren können und selbstkritisch mit sich selbst umgehen – ohne natürlich sein Selbstbewusstsein und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten zu verlieren. Das ist nicht immer einfach und ein wahrer Drahtseilakt.
Zum Anderen befindet man sich in einer zwiespältigen Situation: Einerseits ist man Lehrer und Autoritätsperson, andererseits ist man noch immer Lernender und steht hierarchisch unter den Kollegen, Mentoren und Seminarleitern. In den Seminaren sitzt man als Lernender hinten im Raum, in der Schule steht man als Lehrender vorne. Hier ist viel Fingerspitzengefühl und ein Bewusstwerden der eigenen Rolle nötig, um angemessen mit dieser Situation umzugehen.
Außerdem sagen auch viele, das Referendariat stehe und falle mit den Mentoren. Das  ist aus meiner Sicht eine absolut treffende Aussage. Jeder Lehrer hat seinen eigenen Unterrichtsstil und nicht selten pflegen die Mentoren einen anderen als man selbst. Nun kann man Glück haben und der Mentor lässt einem die nötige Freiheit. Es gibt aber auch Mentoren, die ihre Methode als die einzig Wahre ansehen und diese dem Referendar aufzwängen wollen. In solchen Situationen ist es dann wirklich schwierig, nicht an Authentizität zu verlieren und trotzdem die Erwartungen des Mentors zu erfüllen.

Doch habt keine Angst vor dem Referendariat. Zumindest meine Fachseminarleiter setzen sich immer für uns Referendare ein und stehen uns bei Konflikten mit den Mentoren zur Seite. Zur Not führen sie auch klärende Gespräche. Außerdem haben sie immer ein offenes Ohr und geben wirklich gute Tipps, wie man die Zeit besser überstehen kann.
Aber eines sei gesagt: Zeitplanung ist das A und O. Nutzt auch die Möglichkeit, euch mit euren Mitreferendaren auszutauschen. Das tut wirklich gut, zumal man merkt, dass man mit den ganzen Problemen nicht alleine ist, sondern es vielen so geht.
Und als Letztes: Versucht, die Kritik nicht persönlich zu sehen. Nehmt sie an, reflektiert sie, macht es das nächste Mal besser. Viele Stunden gehen schief, aber viele laufen auch richtig gut. Erwartet kein Lob von euren Schülern oder Mentoren, dieses kommt eher spärlich vor. Haltet euch aber immer wieder selbst vor Augen, welche Fortschritte ihr schon gemacht habt. Ich führe beispielsweise eine Liste über die Kritikpunkte und kann schon jetzt nach 3 Monaten sagen, dass ich einige Punkte dieser Liste schon stark verbessert habe. Das macht Mut und muntert auf. Auch mein Partner, meine Freunde und meine Familie zeigen mir immer wieder, dass ich eine gute Lehrerin bin/ werde, indem sie die positiven Dinge aus meinen Erzählungen hervorheben, die ich vor lauter Kritik gar nicht sehe/ sehen will.

Es ist eine anstrengende Zeit, aber auch extrem lehrreich – nicht nur, was das Lehrersein angeht, sondern auch für die persönliche Entwicklung. Und es gibt viele schöne Momente – an diesen sollte man sich festhalten. Denn auch wenn es Schüler nicht oft offen sagen: Man berührt sie, man nimmt sie mit, man lehrt ihnen etwas und man zeigt ihnen, dass Lernen auch Freude machen kann. Man muss nur auf die kleinen Zeichen im oder außerhalb des Unterrichts achten.

4 Kommentare zu “Ratgeber und Mutmacher

  1. Das hast du wirklich schön zusammengefasst 🙂
    Man darf nur den Mut nicht verlieren und immer dran denken: Wir lernen das noch. Wir sind noch keine fertigen, ausgereiften Lehrer. Wir haben noch keine 25 Jahre Berufserfahrung. Aber da kommen wir auch noch hin 🙂

    Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß und Erfolg im Ref, auf das 2013 ein gutes Jahr für uns wird 🙂

  2. Jaja, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Sorry. 😉
    Dann wünsche ich dir noch weiterhin viel Spaß und Erfolg, auf dass wir beide die Prüfungen gut meistern werden! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s