Mein persönliches Resümee

„Ab heute dürfen Sie sich offiziell Lehrer nennen.“, wurde uns heute mehrere Male bei der Zeugnisausgabe mitgeteilt.
Abgesehen davon, dass ich mich schon seit der Prüfung dazu legitimiert gefühlt habe, fühlt sich das verdammt gut an. Ich habe jetzt  mein richtiges Zeugnis bekommen und kann meine offiziellen Unterlagen nun beim neuen Arbeitgeber einreichen.

Die Verabschiedungsveranstaltung war viel besser als gedacht. Die Reden waren in Ordnung, wenn auch streckenweise langweilig. Das musikalische Programm war die meiste Zeit angemessen – leider nicht immer. Gut, das kann auch meine persönliche Abneigung gegen das Lied von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sein, aber irgendwie fand ich es auch etwas unpassend bei einer Zeugnisausgabe. Zum Glück sangen sie nicht auch noch den Text dazu, denn dann wäre jedem im Saal aufgefallen, dass das Lied nicht passt. Ansonsten fand ich die Auswahl sehr gut. Das Programm endete mit dem Lied „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, was ich mehr als passend nach dieser anstrengenden Zeit finde.

Am besten gefiel mit allerdings die Rede von meinem Kollegen, der im Namen der Referendare sprach. Man kann gar nicht richtig beschreiben, warum die Rede so super war – das liegt wirklich am Charakter des Redners. Es waren viele lustige, aber auch sehr kritische Worte dabei, die hoffentlich den einen oder anderen Chef/ Leiter dort im Saal zum Nachdenken angeregt hat. Und vielleicht wird die Ausbildung in Sachsen-Anhalt auch noch verbessert.

Mein persönliches Resümee fällt sowieso nicht schlecht aus. Ich hatte riesige Angst vor dem Referendariat, da man wirklich viele Horrorgeschichten hört und liest. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich das Referendariat zwar als anstrengende, nervenaufreibende Zeit ansehe, aber insgesamt absolut zufrieden mit meiner Ausbildung bin. Ich hatte gute Seminarleiter, die sich viel Mühe gaben. Nicht alle Entscheidungen und Aussagen konnte ich nachvollziehen, doch im Großen und Ganzen fühlte ich mich fair behandelt. Ich hatte tolle Mentorinnen, die mich in der Anfangszeit echt stark gefordert und oft zum Weinen gebracht haben, mich dadurch aber auch zu der super Abschlussnote führten. Ich war an einer super Schule, die ich jetzt schon riesig vermisse. Alle standen (fast) immer hinter mir. Vor allem die Schulleitung hat sich viel Mühe gegeben, um mir alle Fragen, die wir Referendare immer haben, zu beantworten und auf Sonderwünsche einzugehen. Mir wurde stets alles ermöglicht, damit mein Referendariat so problemlos und angenehm wie möglich verlaufen kann. Dafür danke ich allen wirklich sehr!

Nächsten Freitag findet noch meine offizielle Verabschiedung statt. Dort werden dann auf jeden Fall die Tränen fließen, die mir heute schon in den Augen standen, als ich der schönen Musik lauschte und von meiner Mentorin einen riesigen Blumenstrauß geschenkt bekam.

Und trotz aller Traurigkeit bin ich auch froh, dass ich jetzt scheinbar auch an einer guten Schule gelandet bin. Meiner erste Woche lief sehr gut, auch wenn eine Vollzeitstelle doch sehr aufwändig und anstrengend ist. Zumindest empfinde ich das jetzt noch so.
Ich wurde jedoch von Kollegen und Schülern mit offenen Armen empfangen. Von allen Seiten wurde mir Hilfe angeboten, sodass der Start möglichst reibungslos verlaufen kann. Ich freue mich auf die nächsten Wochen und Monate dort. Doch am meisten freue ich mich erst einmal auf die Weihnachtsferien – denn die brauche ich  nun wirklich! 🙂

Von freien Montagen und zu vielen Unterrichtsbesuchen

Freie Montage sind einfach nur toll! Und das Beste: das wird schon fast zur Gewohnheit, da sich das Referendariat dem Ende zuneigt. Das letzte Hauptseminar hatten wir schon letzte Woche. Mit Kuchen und guter Laune sprachen wir die letzten bürokratischen Dinge für die Prüfung ab und ließen es uns anschließend gut gehen. Und auch das Deutschseminar findet nur noch alle 4 Wochen statt, was eine wahnsinnige Entlastung darstellt. Genauso sieht es mit den Donnerstagnachmittagen aus. Letzten Donnerstag fand das letzte Englischseminar bis Dezember statt. Es ist einfach entlastend, weil viel mehr Zeit für andere Dinge bleibt. Vor allem die Prüfungsentwürfe schreiben sich nicht von selbst, genauso wie das Kolloquium sich nicht von selbst vorbereitet.

Aber so weit bin ich noch gar nicht. Heute nutzte ich die Zeit für viele Kleinigkeiten, die schon einige Zeit liegen geblieben waren. Außerdem plante ich die Stunden für morgen und übermorgen und stellte meine Materialien für den UB morgen fertig. Ich finde ja, dass mein Denglisch-Vulkan super geworden ist.

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Die Schüler sollen sich morgen nämlich mit der Notwendigkeit von Anglizismen in der deutschen Sprache beschäftigen und gestalten dafür in Gruppen einen Denglisch-Vulkan. Sinnlose Anglizismen werden in der Magmakammer verbrannt, Wörter mit schönen deutschen Übersetzungen dürfen auf den weißen Wolken schweben, unverzichtbare englische Begriffe setzen sich auf dem grünen Rasen fest und schwer ersetzbare englische Wörter befinden sich im (ungewissen) gelben Horizont. Grundlage sind Wörter, die sie aus einer schönen Kolumne von Bastian Sick heraussuchen. Ich bin sehr gespannt, wie sie den Vulkan annehmen. Ich finde ihn jetzt schon toll, auch wenn man sieht, dass Zeichenkünste an mir vorbeigegangen sind. 😀

Übermorgen steht dann der noch viel wichtigere Gemeinsame Unterrichtsbesuch an, für den die Schüler ihre Plakat-Gestalt-Künste unter Beweis stellen müssen. Mit ihren Kampagnen gegen das Komasaufen steht und fällt nämlich mein Entwurf. Aber ich bin ganz optimistisch, dass sie was Ordentliches kreieren. Zur Not motiviert sie morgen noch der Vokabeltest von letzter Woche… leider im negativen Sinne. Der ist nämlich gar nicht gut ausgefallen. Mit einem Durchschnitt von 3,2 und keiner Note 1 hat die Klasse wunderbar bewiesen, dass ihr Ruf, eine sehr faule Klasse zu sein, nicht von ungefähr kommt. Da sie auf die Kampagnen auch Noten bekommen, hoffe ich, dass sie sich jetzt umso mehr anstrengen, um die schlechte Note aus dem Test auszubügeln. Zusätzlich werde ich morgen aber die Wichtigkeit der schönen Kampagnen mit Nachdruck betonen. Tschakka!

Ich mach 3 Kreuze, wenn die Unterrichtsbesuche vorbei sind. (Der nächste folgt dann allerdings schon wieder in 2,5 Wochen.)

Zurück in der Zivilisation

I survived Wust!

Naja, ganz so schlimm war es dann doch nicht. Im Großen und Ganzen war es ok. Ich habe Einiges gelernt, doch hätte ich trotz allem auch gut und gerne auf diese Woche verzichten können.
Jeden Tag hatten wir insgesamt 3 Kurse: 9-9.50, 10-11.30 und 13.15-14.15. Wie ihr seht, hatten wir ziemlich viel Freizeit. Schon allein diese knapp zwei Stunden Mittagspause haben mich jeden Tag aufs Neue tierisch genervt, weil man in Wust fest hing und nichts machen konnte. Und vom Mittagessen möchte ich erst gar nicht reden…
Tja, und ab 14 Uhr hatten wir dann jeden Tag Freizeit. Dienstag und Donnerstag hatten wir noch einen Improv-Kurs besucht, der auch echt lustig war, aber ansonsten konnte man die Workshops am Nachmittag echt vergessen. Bei dem Angebot hat man gemerkt, dass es doch eher auf Kinder spezialisiert war.
Montag bis Mittwoch entschlossen wir uns jeden Tag aufs Neue, an den See zu fahren. Zum Glück waren viele mit dem Auto da, sodass wir dort auch hinkamen. Ohne Auto ist man in Wust aufgeschmissen. Es gibt dort nämlich genau: Nichts! Keinen Bäcker, keinen Kiosk, keinen Supermarkt, keinen Bankautomaten, einfach nichts. Naja, und am See war es auch nicht unbedingt spannender. Ich gehe gern mal zum See, um zu lesen oder zu schwimmen, aber jeden Nachmittag für 4-6 Stunden? Das war dann doch eher langweilig. Oder ich war einfach aufgrund der Umstände nicht in der Lage, zu entspannen. Und zum Lesen kam ich auch nicht, weil dafür doch zu viel erzählt wurde. Über Schule übrigens am meisten. Schreckliche Lehrerkrankheit!
Abends hatten wir dann immer auf dem Balkon gesessen und gemütlich gegessen. Der Ausblick aus der Pension war einfach super! Direkt an der Havel mit Blick auf den Sonnenuntergang. Das war mein Highlight des Tages, wirklich!

Nichtsdestotrotz vergingen die ersten drei Tage irgendwie gar nicht. Die Zeit schlich so vor sich hin und ich wartete nur darauf, dass doch endlich wenigstens Donnerstag ist, damit ich sagen kann, dass es jetzt nur noch ein Tag ist.
Gestern war es dann auch endlich so weit. Zum Glück konnten wir den Großteil der Gruppe dann auch endlich davon überzeugen, dass es doch eher langweilig ist, jeden Tag am See zu sitzen und über Schule zu reden. Gestern waren wir also in Tangermünde, haben Eis und Abendbrot gegessen und uns die Gegend angeschaut. Und abends saßen wir noch gemütlich auf dem Campingplatz zusammen. 🙂

Fazit: Wir haben wirklich tolle Kurse besuchen dürfen, bei denen viele nette Anregungen für den Unterricht dabei waren. Wir haben Menschen aus verschiedenen Regionen kennen gelernt und uns im Denglisch geübt (in unserer Freizeit konnten wir irgendwie nie bei einer Sprache bleiben 😀 ). Rob war ein lustiger, aufgeschlossener, kreativer Engländer, der jede Grammatikstunde zu einem Erlebnis machen kann. Arthur hat uns viel über Theater beigebracht und Rollenspiele durchgeführt. Chris hat einfach eine ganz besondere Gabe, Geschichten zu erzählen und jeden in ihren Bann zu ziehen. Und sie hat uns tolle Ideen mitgegeben, wie man mit diesen Geschichten weiterarbeiten kann. Unsere 3 Dozenten waren also wirklich super und ich werde sie schon etwas vermissen.
Auch sind wir als Gruppe schön zusammengewachsen und haben viel über uns persönlich erfahren. Auch das war wirklich eine schöne Erfahrung.
Ansonsten war es einfach zu lang und am falschen Ort. Oder es hätten wenigstens mehr Kurse angeboten werden müssen. Zum Glück ist noch keiner vor Langeweile gestorben, sonst könntet ihr hier nicht  mehr mitlesen. 😉

Jetzt verabschiede ich mich erst einmal in meine wohl verdienten Sommerferien! Am Montag geht es nach Irland, worauf ich mich schon riesig freue! Und dann ist lesen und entspannen angesagt – Sommerferien sind super! Ich wünsche euch auch allen eine entspannte, erholsame Zeit! 🙂

PS: Ich habe heute auch noch meine Initiativbewerbung für das Verbleiben an der Schule nach dem Ref abgeschickt. Darin enthalten ist sogar eine ausdrückliche Unterstützung der Schule, weil ich so eine Bereicherung für die Schule wäre. 🙂 Drückt also die Daumen, dass es vielleicht doch etwas wird!

Sommerferien?

Offiziell war am Freitag der letzte Schultag. Inoffiziell habe ich leider noch keine Ferien, obwohl ich mich mehr als ferienreif fühle.
Morgen geht es auf Seminarfahrt nach Wust. Nie gehört? Kein Wunder! 50 Seelen hat das Dörfchen ungefähr. Bekannt geworden ist es maximal durch die Flutkatastrophe, da es leider stark betroffen war (Wust liegt bei Fischbeck, das durch den Dammbruch komplett überflutet wurde). Tja, und da dürfen wir morgen früh um 7 Uhr hinfahren – in den Sommerferien.

Was wir da machen? Wir besuchen die Sommerschule. Dozenten aus den USA und GB haben sich eingefunden, um Kindern, Erwachsenen und auch uns Referendaren in Kursen Englisch beizubringen (bzw. uns beizubringen, wie wir unseren Englischunterricht anregend gestalten können). Meine Motivation ist auf dem Tiefpunkt, da mich das alles schon wieder an die Uni erinnert. Und wenn ich dann noch an das Hochwassergebiet (Gestank, Mücken, Tetanusgefahr) denke, sinkt sie noch weiter.
Wir bekommen nur Frühstück und Mittag zu horrenden Preisen, um Abendbrot und Unterkunft muss man sich selbst kümmern. Campen wäre eine Möglichkeit, aber nach dem Hochwasser klingt das nicht so verlockend. Ich darf also die Woche ne Menge Geld von meinem geringen Referendargehalt für etwas ausgeben, auf das ich auch gut verzichten könnte.
Warum ich trotzdem mitfahre, hatte ich ja schon erklärt… Es geht um meine Abschlussnote. Machen wir also das Beste draus. Die Woche darauf geht es zum Glück richtig in den Urlaub! 🙂

Ich bin also noch nicht richtig in den Ferien angekommen, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass ich mich gestern Abend wie in der Schule gefühlt habe. Wir waren beim Irish Folk Festival (was ich mir viel besser vorgestellt hätte!) und trafen dort auf mindestens 5 meiner Kollegen. Wie soll man da in Ferienstimmung kommen? 😀 (Nichts gegen meine Kollegen, ich mag sie sehr!)

Heute Abend gehen wir noch zum OpenAir-Musical Les Miserables. Mal sehen, wie viele Lehrerkollegen und Schüler man dort antrifft. 😉

Drückt die Daumen, dass die Zeit in Wust schnell vorbei geht! Ob ich mich melden kann, weiß ich leider nicht, da es dort mit dem Internet- und Mobilempfang wohl eher schlecht aussieht.

Bauchgrummeln

Die letzte Schulwoche bricht morgen an.

Nicht unglücklich bin ich über das letzte Seminar vor den Sommerferien. Ich mag die Seminare ja eher nicht so (falls man das noch nicht herausgelesen hat), da sie meistens sehr theoretisch sind und mich an meine Unizeiten erinnern, die ich eigentlich schon hinter mir gelassen hatte. Zu allem Überfluss muss ich morgen wohl auch noch Protokoll schreiben, was im Deutschseminar echte Akkordarbeit bedeutet, aber was tut man nicht alles? 😀 Ist für die nächsten Wochen das letzte Mal – ich werde es also überleben.

Etwas unglücklich bin ich aber schon, weil ich letzte Woche meine letzte richtige Unterrichtsstunde vor den Ferien abgehalten habe. Sowohl in Deutsch als auch in Englisch war es echt schön. Meine süßen Siebener sehe ich aber alle die Woche nochmal – beim Sportfest und auch am Projekttag „Schule ohne Rassismus“. Und beim Schulfest laufen mir sicher auch noch einige über den Weg. Trotzdem ist es irgendwie komisch. Schon als Schüler mochte ich Sommerferien nicht (erst im Laufe der Ferien ^^).
Umso glücklicher bin ich aber, dass ich alle meine Klassen behalten darf (außer die stumme Englisch-10er – dafür bekomme ich eine neue 10.).

Und natürlich freue ich mich auch auf die Woche. Sportfest, Projekttag, Schulfest und Abschiedsfeier meiner Mentorin. Das Wetter soll toll werden, sodass ich optimistisch bin, dass die Tage auch schön werden und sicher nicht zu langweilig. Außerdem bin ich noch mit einigen mir wichtigen Menschen verabredet, weil ich die Wochen darauf im Sommercamp und im Urlaub bin. 🙂

Ich wünsche allen, die auch die letzte Schulwoche (oder eine der letzten) vor sich haben, ganz viel Spaß und Durchhaltevermögen und allen anderen, dass sie ihre bereits begonnenen Ferien weiterhin in vollen Zügen genießen! 🙂

Lernen durch Engagement/ Service-Learning

„Heute haben wir das wichtigste Hauptseminar des gesamten Jahres – Sie dürfen also gespannt sein!“
Mit diesen Worten begrüßte uns unser Hauptseminarleiter heute gut gelaunt eine halbe Stunde später als normal.
Schon vor 2 Wochen erzählte er mir ungefragt ganz aufgeregt und ausgedehnt davon, was uns heute erwarten würde – umso neugieriger war ich also.

Wir lernten heute „die ultimative Unterrichtsmethode“ LdE, Lernen durch Engagement, kennen. Kurz gesagt ist es normaler Projektunterricht, der durch gesellschaftliches Engagement seine Bedeutung erhält. Es werden also nicht nur Projekte wegen der Fachinhalte durchgeführt, sondern weil in der Gesellschaft ein realer Bedarf besteht, der dann von den Schülern innerhalb des Projektes gedeckt wird. Das Thema sollen die Schüler möglichst selbst finden, wobei uns auch Methoden vermittelt wurden, wie wir die Schüler bei der Ideenfindung unterstützen können. Meistens geht es dann in die soziale, ökologische oder politische Richtung, aber auch kulturelle Projekte sind gut denkbar. Beispiele waren, dass Schüler in Altenheime gehen und dort die Senioren verwöhnen, in Kindertagesstätten aushelfen, Tanzkurse geben/ Lieder einstudieren und die Ergebnisse dann z.B. im Krankenhaus oder Altenheim vorführen o.ä.
Die Schüler engagieren sich also in der Gesellschaft und einmal im Monat kommen sie in der Schule mit dem Fachlehrer zusammen, reflektieren ihre Projekte und bekommen fachliches Hintergrundwissen vermittelt. Das Ganze sollte möglichst über ein ganzes Schuljahr laufen, kann jedoch anfangs auch nur 4-6 Wochen gehen. Empfohlen wurde es ab der 8. Klasse. 2 Mal im Jahr werden die Schüler auch von den Fachlehrern besucht, um sicherzustellen, dass alles gut geht.

An sich ist das Konzept wirklich super, da auch endlich mal der Lebensweltbezug gegeben ist, der so oft gefordert wird. Auch die Schüler, die heute persönlich von ihren Erfahrungen berichteten, wirkten wirklich motiviert und begeistert (auch wenn sie zugaben, dass nicht alle Schüler ihres Kurses mitgezogen werden konnten).
Uns allen stellte sich allerdings die Frage, wie man solche großen Projekte aufgrund der zeitlich engen Rahmenrichtlinien/ Lehrpläne umsetzen kann… Alle Beispiele, die uns gezeigt wurden, fanden im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften oder Wahlpflichtkursen statt, jedoch nicht im Rahmen des normalen Fachunterrichts. Eigentlich schade, da so wieder nur eine kleine Gruppe Schüler von den Erfahrungen und vielfältigen Kompetenzen profitiert.
Und dann kann man das auch nicht allein implementieren, sondern braucht Kollegen aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die mitziehen. Da wird es dann schon noch schwieriger.

Ich fühle mich jetzt dennoch dazu angestachelt, mal über die Implementierung in den Fachunterricht nachzudenken – für eine AG hätte ich schon sofort eine Idee. Das kommt dann aber alles nach den Prüfungen bei meiner 1. festen Stelle (sofern ich sie dann irgendwann bekomme…). Wenn ihr Ideen habt, dann immer her damit! 🙂

Fortbildung oder Urlaub?

Gestern und heute waren wir mit unserem Seminar in der Nähe von Naumburg auf einem schönen Weinberg mit Blick auf die wunderschöne Gegend und genossen eine Fortbildung zum Thema Web 2.0.

Als wir dort ankamen, waren wir wirklich positiv überrascht. Die Anlage hatte einen ganz eigenen Charme durch die schönen Fachwerkhäuser, aber auch das moderne Seminargebäude inklusive SmartBoard. Die Anlage befindet sich direkt an einem Weinberg und bat uns einen weiten Blick über Naumburg und angrenzende Gebiete. Den Zusammenlauf von Saale und Unstrut hatten wir direkt im Blick – leider auch noch die letzten Hochwasseranzeichen (inklusive Geruch). Die Sonne schien, es war angenehm warm, der Wind wehte uns durch die Haare – es war einfach traumhaft. Wir fühlten uns glatt wie im Urlaub.

Nach 20 Minuten war dieses Gefühl allerdings vorbei, weil wir zum Seminar mussten. 😉
Nach einer albernen Vorstellungsrunde (ich mag sowas ja nicht, zumal wir uns alle schon fast ein Jahr kennen) wurde uns erst einmal lang und breit erklärt, warum wir der GEW beitreten sollten. Ich wusste ja, dass das auf uns zukommt und habe es geduldig über mich ergehen lassen. Gut war aber, dass wir dann noch viele Fragen zum Beamtenrecht und zur Einstellung stellen durften, die sehr kompetent und ehrlich beantwortet wurden. Das hat sich wirklich gelohnt.

Nach einem leckeren Mittagessen (die Versorgung war 1A – leckere Buffets und sogar Kuchen zum Kaffee, Tee und Kaffee durchgehend kostenfrei zur Verfügung) ging es dann ans Thema Web 2.0. Das war ehrlich gesagt ein Witz… Der Typ hatte schon einmal bei unserer Vereidigung eine Stunde referiert und da war es wirklich interessant. Auch seine Art und Weise zu sprechen ist überaus angenehm. Problem: Er erzählte gestern dieselben Anekdoten, gab dieselben Inhalte + Beispiele wieder und machte dieselben Witze – bloß auf 3 Stunden ausgedehnt. Das fordert wirklich Durchhaltevermögen! Und von Praxis keine Spur. Wie soll man auch praktisch Web 2.0 behandeln, wenn es da oben kein W-Lan gibt? Sehr clever… Wir durften am Ende des Tages zwar ein Hörspiel bzw. ein Video produzieren, doch ging es nicht ums Produkt, sondern darum, dass er uns zeigen kann, wie man das dann im Internet hochladen kann. Ein Witz, wirklich! Lernzuwachs am Nachmittag = 0! Ach und die Methode des gesamten Tages: Frontalunterricht! Tolles Vorbild…

Der Abend war dann aber sehr schön, weil wir uns in der Gruppe zusammensetzten, Wein tranken, erzählten und die Musikbegabten unter uns schöne Liedchen auf der Gitarre spielten. Da fühlte es sich dann wieder ein bisschen wie Urlaub an – eine laue Sommernacht draußen verbringen – lang, lang ist’s her.

Entsprechend gering war die Motivation heute. Zwar gab es mehr Methodenwechsel, doch war es inhaltlich auch nicht sooo ertragreich. Viel Theorie zu Mobbing, Tätern und Opfern, doch anwendbares Wissen war kaum dabei. Der Teil zum Cybermobbing am Nachmittag war dann doch interessanter, aber auch größtenteils bekannt (zumindest mir).

Fazit: Schöne Gegend, in die ich meinen Traummann auch mal entführen werde, um sie näher zu betrachten, aber inhaltlich eher weniger lehr- und ertragreich. Eigentlich schade, da in den Themen so viel Potenzial steckt! Dennoch wird es wohl komisch, morgen wieder in die Schule zu gehen – ich bin gedanklich noch immer auf diesem schönen Berg. 🙂

Back to normality…

… zumindest fast.

Erst am Mittwoch geht es für mich wieder in die Schule zum Unterrichten, denn morgen und übermorgen fahren wir mit dem Seminar nach Naumburg und dürfen an einem GEW-Seminar teilnehmen.

Meine Freude darauf ist mehr als gering:

  1. Meine eine Miezekatze ist noch immer krank, erbricht ständig und der Tierarzt wollte uns am Samstag nicht sehen, weil er das Blut eh nicht hätte ins Labor schicken können. Zum Glück gehen meine Eltern morgen mit ihr dorthin und lassen sie gründlich durchchecken, doch wohl fühle ich mich bei dem Gedanken, sie für 2 Tage allein zu lassen, trotzdem nicht. 😦
  2. Laut Programm beinhalten die ersten 3 Stunden des Seminars eine Werbeveranstaltung für die GEW – Vorteile, Kosten, Rechte und Pflichten. Super! -.-
  3. Das Thema des gesamten Seminars ist für mich nicht sooo spannend, weil ich gerade erst diese zweitägige Fortbildung dazu gemacht hatte: Web 2.0 und sein Einsatz im Unterricht. Tolles Thema – ehrlich! -, aber nicht unter den Umständen. Ich mag mir nicht alles schon wieder anhören. Ich hoffe aber ganz stark darauf, dass ich noch irgendwas mitnehmen kann und es nicht vollkommen umsonst ist. Meine Unterrichtsstunden am Dienstag könnte ich an sich nämlich eigentlich gut gebrauchen, zumal letzte Woche ja alles ausfiel…
  4. Klassenfahrtatmosphäre mit mir eher unbekannten Menschen – Ich bin zwar schon fast ein Jahr im Referendariat, aber die meisten sehe ich alle zwei Wochen (oder noch seltener, wenn das Seminar ausfällt oder Ferien sind), spreche mit den meisten nur innerhalb des Seminars über die entsprechenden Inhalte und privat habe ich nur mit wenigen zu tun. Trotzdem dürfen wir in Mehrbettzimmern schlafen… Vielleicht bin ich eine Mimose, aber ich könnte mir dennoch Besseres vorstellen. Aber natürlich sehe ich auch die Vorteile für den Gruppenzusammenhalt, der hoffentlich/ vielleicht entstehen wird.

Ich versuche also möglichst positiv an alles heranzugehen, doch die große Freude will nicht aufkommen. Umso mehr freue ich mich auf die Schule am Mittwoch! 🙂

Back to the roots

Heute ist irgendwie ein komischer Tag. Es ist Mittwoch und ich musste nicht zur Schule und auch nicht zum Seminar. Stattdessen habe ich mir also vorgenommen, an meiner SAB zu schreiben. Damit hatte ich letzte Woche schon angefangen, wobei ich mich hier vor allem noch auf die Gestaltung der Arbeitsblätter für die Projektarbeit beschränkt hatte. Nun sitze ich schon seit um 9 Uhr an meiner Arbeit und habe immerhin schon 4 Seiten aufs Papier gebracht. Irgendwie reicht es mir jetzt aber auch, meine Lust geht rapide zurück, von der Konzentration sprechen wir mal gar nicht. Wahrscheinlich schreib ich deswegen auch hier. 😉

Wenn ich so darüber nachdenke, ist es genau wie während der Zeiten meiner Masterarbeit. Jeden Tag setzt man sich morgens voller Elan an den Schreibtisch, tippt ein paar Stunden vor sich hin und löscht die Hälfte wieder, um noch einmal umzuformulieren, und plötzlich hat man gar keine Lust mehr und will am liebsten den restlichen Tag und auch die nächsten Wochen nichts mehr davon wissen. Und doch weiß man, dass es morgen genauso ablaufen muss, damit man vorankommt und die Arbeit in der Zeit schafft. Genau die Perspektike habe ich auch: Morgen und übermorgen geht es zwar kurz in die Schule, aber den Nachmittag muss ich dann einfach zum Schreiben nutzen, damit mir nicht die Zeit davonläuft.

Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, dass ich total verrückt und panikmachend bin, weil ich erst in 2 Monaten abgeben muss… Wenn ich aber daran denke, dass ich in den Osterferien schon alles Andere außer das Schreiben an der Arbeit geplant habe und mich danach parallel zu Korrekturen, Vorbereitungen, Dienstberatungen, Fachkonferenzen, Unterrichtsbesuchen, Seminaren usw. mit dieser Ausarbeitung beschäftigen soll, wird mir schlecht. Ich glaube nämlich ehrlich gesagt kaum, dass ich noch an genügend Abenden erholt genug bin, um mich so fachwissenschaftlich auszudrücken, wie es für die Arbeit gefordert ist. Und dann ist da immer noch die liebe Motivation… Also muss ich jetzt möglichst viel schaffen und dann hab ich noch die Pfingstferien. Hab ich schon erwähnt, dass ich mich auf die nächsten 2 Monate freue? Es zeigt sich hier mal wieder der Irrsinn des Systems, was man alles gleichzeitig machen soll… Wenn der Tag nur mehr Stunden und ich eine längere Konzentration hätte…

Zumindest bin ich aber sehr gespannt auf das Projekt. Nächste Woche Mittwoch geht es los und ich find meinen Plan noch immer gut. Meine Mentorin hat es schon abgenickt mit den Worten: „Schöne Idee, aber mal wieder sehr anspruchsvoll – wie du eben immer so bist.“ Meine Fachseminarleiterin hat sich bisher noch nicht intensiv mit dem Konzept beschäftigt, aber schien vom Erzählen auch zufrieden zu sein. Jetzt müssen mich nur auch die Schüler unterstützen und schön mitarbeiten, aber das kriegen wir auch noch hin. Ich habe mir ja schon viele schöne Sachen zur Motivation ausgedacht. 🙂

Von Brownies, Gummibärchen und viel Schokolade

Dass mein durchschnittlicher Schokoladenkonsum weit über dem des Durchschnittsdeutschen liegt, dürfte den aufmerksamen Lesern meines Blogs bisher nicht entgangen sein. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich den Hochpunkt meiner ungesunden Ernährung erreicht habe – vielleicht ist es aber genauso viel wie immer. Sicher ist, dass ich noch immer auch einiges an Obst und Gemüse im Speiseplan habe. Das ist nicht zu verachten. Wozu aber dieser ganze Süßkram? Kann man Stress nicht auch anders bewältigen? Fakt ist: ich nicht!

Und das beschäftigt mich gerade:

  1. Mich hat dieses unglaubliche, unbeschreibliche, unaushaltbare Fernweh gepackt. Normalerweise kommt es alle 2 Jahre – nun war ich seit Juni 2010 nicht mehr weg und es zeigt sich nun in vollster Stärke! Schon letztes Jahr im Frühjahr überkam mich der Drang nach einer USA-Westküsten-Reise, nun ist er wieder da. Dabei muss es nicht mal USA sein – Irland wäre auch toll… oder einfach mal wieder London und den Süden GBs erkunden. Das wär’s! Und nein, es tröstet mich nicht, dass ich im Juni die Kursfahrt nach Schottland begleite…
  2. Wir hatten heute ein unglaublich interessantes Vertretungsseminar mit dem Hauptseminarleiter für die angehenden Förderschullehrer. Er hat uns schöne Einblicke in seine Arbeit und in die uns erwartende Inklusion gegeben. Viele praktische Tipps und Hinweise haben natürlich auch nicht gefehlt – Wusstet ihr, dass Texte auf gelbem Untergrund die Konzentration der Schüler verlängert? Das Einparfümieren mit beispielsweise Lavendel-Duft verstärkt diesen Effekt ebenso. Und Schüler in der SEK I (und Grundschule) sollten Texte mit bestenfalls Schriftgröße 14 und maximaler Breite von 15 Zentimetern (wegen der Augenspannweite und Konzentration) erhalten. Erfolg überprüft! Also ab sofort in Spalten arbeiten, vielleicht hilft es ja.
  3. Ich habe mir heute die eingesammelten Essays meiner Schüler der 11. Klasse durchgelesen – spannend! Thema war unter Anderem Schülermitbestimmung in der Schule. Interessantes Phänomen: Eine Schülerin ließ sich sehr trotzig-eingeschnappt über das Thema aus, die Jungs waren sachlicher und neutraler. Sie (frei zitiert): „Schüler dürfen nur in dem Rahmen mitbestimmen, in dem es mit den Meinungen der Lehrer konfrom geht. Sobald etwas nicht so vonstatten geht, wie sie es sich wünschen, verbieten sie es sofort.“, die männlichen Schreiber (frei zitiert): „Schüler sollten nicht bei so wichtigen Entscheidungen wie dem Lehrplan/ der Themenauswahl mitentscheiden dürfen, denn Lehrer sind dafür ausgebildet. Außerdem müssen die Schüler lernen, auch mit Dingen klarzukommen, die ihnen nicht zu 100% gefallen – so ist das im späteren Arbeitsleben auch. Schüler sollten Lehrer als Ansprechpartner sehen und mit ihm kooperieren, ihn in seiner Auswahl beraten, jedoch nicht das alleinige Entscheidungsrecht erhalten. (Doch nicht mal das nehmen Schüler in Anspruch).“ Fazit: Auch die Schüler konnten nicht so richtig ausmachen, ob und wie viel Mitbestimmung sie in der Schule haben möchten.
  4. Konzept-Schreiben für meine SAB – ohne Worte…