Das Danach

Ich weiß, dass ich thematisch in meinem Blog gerade abweiche, aber ohne Schule gibt es auch keine großen Neuigkeiten aus der Schule.

Nachdem ich gerade die heute-Nachrichten auf ZDF verfolgt habe, steigt in mir wieder diese Wut und Traurigkeit hoch, wie ich sie schon seit einigen Tagen fühle. Nach dem Hochwasser ist offensichtlich nicht vor dem Hochwasser. Die Solidarität nimmt ab – zumindest zwischen den Städten und Orten, die betroffen sind. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gang und auch an unserer Schule haben sich heute einige Kollegen eingetroffen, um die Schule aufzuräumen, um ab Montag den Unterrichtsbetrieb wieder zu sichern. Schade war, dass so viele Kollegen nicht gekommen sind, von denen ich weiß, dass sie nicht vom Hochwasser betroffen sind und dass sie problemlos hätten kommen können. Aber die werden schon ihre Gründe haben. Und dass ich als einzige von uns drei Referendaren da war, wird mir wohl außer meines Gewissens auch keiner danken.

Was mich aber viel trauriger und gleichzeitig wütender macht, sind die Vorwürfe aus umliegenden Orten, die man sich anhören muss. Ständig wird gesagt, dass wir alle egoistisch wären, weil unser Ort vor den größten Katastrophen gesichert wurde und andere Orte angeblich nur deswegen absaufen würden. Wir würden uns mit Absicht querstellen, diesen Orten zu helfen, nur damit es uns gut geht. Und wir haben einen unserer Ortsteile mit Absicht geopfert, damit es den anderen gut geht. (Letzteres mag sogar stimmen, denn hätten wir diesen Stadtteil nicht „geopfert“, dann wären die Ausmaße der Katastrophe hier nicht denkbar gewesen – Wasser aus allen Gullis und keine ordentliche Abwasserversorgung mehr.) Dennoch finde ich es unmöglich in Zeiten wie diesen, in denen es Orten wie Aken, Fischbeck, Wust usw. noch immer wahnsinnig schlecht geht, in denen noch immer gekämpft werden muss, dass nicht noch mehr Wasser in die Orte läuft, die Gemeinschaftshilfe in Frage zu stellen. Es wurden Fahrgemeinschaften gebildet, um auch den umliegenden Orten zu helfen, es wurden viele Kilometer gefahren, und dennoch hören wir diese Vorwürfe. Zumal gerade wir zivilen Helfer gar nichts gegen die Entscheidungen von oben machen können.
Es macht mich einfach traurig, dass wir nicht weiter zusammenhalten und gemeinsam gegen die Flut kämpfen können.
Es macht mich noch trauriger, dass die Politik nicht immer den Überblick über die Gesamtsituation behalten und schnell die richtigen Entscheidungen treffen konnte. Doch das sind auch nur Menschen… Umso wichtiger ist der Zusammenhalt und keine Hetze auf Politik oder andere Orte.

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3 Kommentare zu “Das Danach

  1. Es ist sicherlich schwer, wenn man direkt betroffen ist aber: versuch das Ganze mal rational zu sehen. Jeder Mensch reagiert anders. Denen, die abgesoffen sind, hilft es einen Schuldigen zu haben, auch wenn das Quatsch ist. Versuch, dich nicht persönlich betroffen zu fühlen, denn du hast sicherlich nicht entschieden, dass dein Ort Sicherungsmaßnahmen traf und das der andere Teil geopfert wurde. Ich würde auch keinen Dank erwarten von der Schule, ich würde entweder nicht hingehen oder hingehen, weil ich helfen will, weil es mir ein Anliegen ist. Vielleicht habe ich dich auch falsch verstanden?

    • Ich kann auch verstehen, dass man einen Schuldigen sucht, aber dass es mittlerweile auch teilweise in den Medien breitgetreten wird, kann ich nicht verstehen.
      Und ich erwarte auf keinen Fall ein Danke! Ich habe alles freiwillig gemacht und weil ich sonst selbst ein schlechtes Gewissen gehabt hätte. Ich war nur in dem Moment enttäuscht, dass doch so wenige Kollegen freiwillig gekommen sind – vor allem von den Jungen und Dynamischen. 😉

      • Ach die Medien ignorierst du am besten, die sind sowieso nur Geier, die Aas suchen und nehmen ansonsten alles, was sie finden. Von der Vorstellung, dass in den Medien objektiv berichtet wird, habe ich mich verabschiedet. Deine Enttäuschung über das Nichterscheinen kann ich jetzt nachvollziehen.

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