Back in Germany

Freitagabend, 19 Uhr – nach mehreren Staus und einer endlosen Heimfahrt mit insgesamt 3 mehr oder weniger bedrückenden Filmen (Braveheart, The Hurt Locker und The Tourist – natürlich alle auf Englisch) kamen wir endlich wieder an der Schule an. Viele Eltern erwarteten ihre Schüler schon mit strahlenden Gesichtern und waren froh, ihre Schützlinge wohlauf empfangen zu können. Viele bedankten sich bei uns und fragten, ob sich denn alle benommen hätten.

Hatten sie. Ich muss sagen, dass die Schüler wirklich um Einiges lieber waren, als wir es wohl damals waren. 😉 Im Bus war es recht ruhig und auch sauber, sie waren immer (mehr oder weniger) pünktlich, an allen Programmpunkten interessiert und lauschten gespannt der schottischen und irischen Musik, die wir mitgebracht hatten. Sie sangen sogar immer mit und forderten regelmäßig, dass wir doch mal dieses oder jenes Lied spielen sollten.

Gesehen haben wir auch vieles: Edinburgh Castle, Mary King’s Close, Royal Yacht Britannia, Old Town und New Town, Loch Lomond, eine Distillary (mit Whiskey-Probe 😉 ) und wir haben am letzten Tag sogar schottische Tänze gelernt. Einfach klasse! Vor allem die Tänze waren cool, weil sie einen gelungenen Abschluss bildeten. Ich war leider die einzige Lehrkraft, die durchgängig mitmachte, aber das fanden die Schüler umso cooler. (Überhaupt sei ich total cool, sagten sie mir öfter. 😀 ) Es fand oft ein Partnertausch statt und jedes Mal grinsten mich die Herren an, wenn ich bei ihnen ankam. Lustig anzusehen. 😀

Auch die Gastfamilien waren sehr zufrieden mit den Schäfchen und gaben durchgängig positive Rückmeldungen. Alle waren wohl sehr freundlich und sehr höflich, was wir natürlich mehr als gerne hören.
Ich war mit dem Busfahrer in einer Familie (2 Einzelzimmer) und auch wir hatten riesiges Glück. Das Essen war einfach sooo gut und die Familie supernett. Ich war richtig traurig, dass wir nach 3 Nächten schon wieder gehen mussten. Ich bekam aber ihre Visitenkarte und darf jederzeit wiederkommen. 🙂
(Sie erzählten mir, dass sie pro Nacht nur 14,25 Pfund bekommen -Frechheit, oder???)

Es war eine tolle erste Klassenfahrt, die ich begleiten durfte, aber es war auch seeeehhr anstrengend. Ich habe heute fast den ganzen Tag geschlafen und verarbeite noch immer all die Eindrücke.
Was mir am besten gefallen hat? Ich habe einen viel besseren Draht zu den Schülern bekommen. Die meisten kannte ich gar nicht, aber in der Woche hat man sich schon etwas besser kennen lernen können, was auch über das Schulische hinausging. Ich glaube, das hat uns allen gefallen. Ich habe auch keine Angst davor, dass der Respekt dadurch geringer geworden wäre – eher im Gegenteil. Sie wissen jetzt noch besser, mit wem sie es zu tun haben.
Ich hoffe nur, dass meine Handynummer, die ich für Notfälle herausgegeben hatte, nicht missbraucht wird. Aber das glaube ich eigentlich auch nicht. Bisher war es sehr ruhig. 😀
Was mich am traurigsten stimmt? Dass es so schnell vorbei ging und noch einmal 2 Wochen Schulalltag auf mich warten. Und irgendwie wäre ich grad gern wieder Schüler, da ich inmitten der Schülergruppen öfter merkte, wie unbeschwert doch das Leben da war… Hach ja…

Eine überraschende Nachricht gab es letzte Woche dann aber noch aus Deutschland: Unser Schulschiff ist jetzt ohne Kapitän – unser Schulleiter ist zurückgetreten. Gründe? Ich denke, dass er überfordert war mit unserem speziellen Schulprofil. Das konnte er ja auch selten umsetzen. Darüber hatte ich des Öfteren schon hier berichtet. Was nun passiert? Unbekannt. Wir wissen weder, wann wir einen neuen Schulleiter bekommen, noch wohin der alte geht.
Ich bin jetzt schon auf Dienstag gespannt, wo ich das erste Mal wieder in der Schule bin und alles live miterlebe – und die Schüler mal wieder im schulischen Kontext sehe. 😉

PS: Ich muss noch etwas Werbung für das Busunternehmen machen. Es ist ein sehr kleines Unternehmen, aber der Fahrer war der netteste Fahrer, den meine Mentorin, die nun wirklich viel Erfahrung damit hat, je kennen lernen durfte. Und auch ich fand seine Art sehr angenehm – ruhig, besonnen, ging auf unsere Wünsche ein – einfach klasse. Wenn ihr also mal ein Busunternehmen braucht: Daniel Jahn! 🙂

Schottland

Ich sitze jetzt im Bus nach Schottland und bin schon ganz aufgeregt. Vor allem habe ich Angst, irgendwas Wichtiges vergessen zu haben, aber das gehört wahrscheinlich dazu.

Den ersten Stress gab es schon, weil ein Schüler es tatsächlich geschafft hat, keinen Perso dabei zu haben. Wir versuchen alles, um ihn mit über die Grenze zu bekommen, aber der Vater musste vorsichtshalber unterschreiben, dass er seinen Sohn in Amsterdam an der Fähre abholt, falls es nicht klappt. Oh man, drückt die Daumen!

Die nächsten Tage wird es also still auf diesem Blog – wundert euch nicht. Ich wünsche euch allen eine mindestens genauso tolle Woche, wie ich sie hoffentlich haben werde! 🙂

Lorbeeren auf allen Seiten

Heute habe ich mit meinen Siebtklässlern in Englisch die Noten fertig gemacht. Endlich konnten wir mal die Klassenarbeit auswerten (dazu kamen wir dank des Hochwassers letzte Woche ja nicht), haben noch das Diktat von gestern besprochen und ausgewertet und dann kamen wir zu den Zeugnisnoten. Zwar ist erst nächste Woche Notenschluss, doch bin ich ab Sonntag mit den lieben 10. und 11. Klassen (also einer Auswahl von Schülern) in Schottland und muss somit die Noten schon bis morgen für die Klassenkonferenzen fertig haben.

Ich habe diese Phase ja früher als Schüler total geliebt – warum auch immer. Auch auf der anderen Seite habe ich es heute genossen.
Die Schüler mussten zuerst sagen, was sie glauben, welche Note sie bekommen und dann habe ich ihnen gesagt, was ich ihnen wirklich gebe. Ich habe natürlich auch immer wieder gelobt bei Verbesserungen und Mut gemacht bei Verschlechterungen. Am schwersten fiel mir die Verkündung bei Schülern, die Komma 5 stehen… das ist echt immer gemein. Aber alle haben meine Entscheidungen verstanden und es gab keine Beschwerden.

Trotz des vollen Programms hatten wir am Ende noch 10 Minuten übrig. Die habe ich dann mal ganz spontan zur Reflexion unseres ersten gemeinsames Schuljahres genutzt. Auf die Idee haben mich eigentlich die Schüler gebracht, die schon aufgeregt fragten, ob ich denn nächstes Jahr ihre „richtige Lehrerin“ werden kann und sie sich darüber sehr freuen würden.
Entsprechend waren auch die Rückmeldungen der Schüler. Ich dachte erst, dass sie sich nicht trauen, vor der ganzen Klasse etwas zu sagen, aber dem war nicht so. Die Schüler meinten, sie wären insgesamt sehr zufrieden mit meinem Unterricht, da er abwechslungsreich ist und Spaß macht. Ich solle nur mehr Partner- statt Gruppenarbeit machen, weil es effektiver ist (sehr schön selbstkritisch). Außerdem habe ich mich weiterentwickelt, weil ich die Menge der Hausaufgaben mit der Zeit reduziert habe. 😉
Ein Schüler meinte sogar, es wäre der beste Unterricht, den er seit langem insgesamt, also in allen Fächern, genossen hat. Ich solle doch mal insbesondere die Französischlehrerin von meinen Methoden überzeugen, da diese wohl nur mit dem Lehrbuch arbeitet. 😀

Ich glaube, ein größeres Kompliment kann es kaum geben! Und natürlich  haben sie dann auch ein fettes Lob zurück bekommen. Ich habe ihnen mal ihre Entwicklung aufgezeigt – am Anfang nur Frontalunterricht gewöhnt, jetzt funktioniert sogar offener Unterricht. Da waren sie schon ein bisschen stolz.
Umso mehr hoffe ich, dass ich die Klasse zumindest bis zum Ende des Referendariats weiterführen kann. Bei denen möchte ich ja auch gern meine Prüfung machen.

Ach und am liebsten würde ich auch in der Schule bleiben. Es macht einfach Spaß, es gibt ein tolles Kollegium und überhaupt fühle ich mich dort pudelwohl. Sie brauchen sogar meine Kombination, aber drei Mal dürft ihr raten, warum ich wahrscheinlich trotzdem nicht übernommen werden kann. Richtig: Es muss gespart werden und es wird keine Lehrkraft eingestellt.
Tipps, wie ich das Schulamt von meiner Einstellung überzeugen kann? 😀

Fortbildung oder Urlaub?

Gestern und heute waren wir mit unserem Seminar in der Nähe von Naumburg auf einem schönen Weinberg mit Blick auf die wunderschöne Gegend und genossen eine Fortbildung zum Thema Web 2.0.

Als wir dort ankamen, waren wir wirklich positiv überrascht. Die Anlage hatte einen ganz eigenen Charme durch die schönen Fachwerkhäuser, aber auch das moderne Seminargebäude inklusive SmartBoard. Die Anlage befindet sich direkt an einem Weinberg und bat uns einen weiten Blick über Naumburg und angrenzende Gebiete. Den Zusammenlauf von Saale und Unstrut hatten wir direkt im Blick – leider auch noch die letzten Hochwasseranzeichen (inklusive Geruch). Die Sonne schien, es war angenehm warm, der Wind wehte uns durch die Haare – es war einfach traumhaft. Wir fühlten uns glatt wie im Urlaub.

Nach 20 Minuten war dieses Gefühl allerdings vorbei, weil wir zum Seminar mussten. 😉
Nach einer albernen Vorstellungsrunde (ich mag sowas ja nicht, zumal wir uns alle schon fast ein Jahr kennen) wurde uns erst einmal lang und breit erklärt, warum wir der GEW beitreten sollten. Ich wusste ja, dass das auf uns zukommt und habe es geduldig über mich ergehen lassen. Gut war aber, dass wir dann noch viele Fragen zum Beamtenrecht und zur Einstellung stellen durften, die sehr kompetent und ehrlich beantwortet wurden. Das hat sich wirklich gelohnt.

Nach einem leckeren Mittagessen (die Versorgung war 1A – leckere Buffets und sogar Kuchen zum Kaffee, Tee und Kaffee durchgehend kostenfrei zur Verfügung) ging es dann ans Thema Web 2.0. Das war ehrlich gesagt ein Witz… Der Typ hatte schon einmal bei unserer Vereidigung eine Stunde referiert und da war es wirklich interessant. Auch seine Art und Weise zu sprechen ist überaus angenehm. Problem: Er erzählte gestern dieselben Anekdoten, gab dieselben Inhalte + Beispiele wieder und machte dieselben Witze – bloß auf 3 Stunden ausgedehnt. Das fordert wirklich Durchhaltevermögen! Und von Praxis keine Spur. Wie soll man auch praktisch Web 2.0 behandeln, wenn es da oben kein W-Lan gibt? Sehr clever… Wir durften am Ende des Tages zwar ein Hörspiel bzw. ein Video produzieren, doch ging es nicht ums Produkt, sondern darum, dass er uns zeigen kann, wie man das dann im Internet hochladen kann. Ein Witz, wirklich! Lernzuwachs am Nachmittag = 0! Ach und die Methode des gesamten Tages: Frontalunterricht! Tolles Vorbild…

Der Abend war dann aber sehr schön, weil wir uns in der Gruppe zusammensetzten, Wein tranken, erzählten und die Musikbegabten unter uns schöne Liedchen auf der Gitarre spielten. Da fühlte es sich dann wieder ein bisschen wie Urlaub an – eine laue Sommernacht draußen verbringen – lang, lang ist’s her.

Entsprechend gering war die Motivation heute. Zwar gab es mehr Methodenwechsel, doch war es inhaltlich auch nicht sooo ertragreich. Viel Theorie zu Mobbing, Tätern und Opfern, doch anwendbares Wissen war kaum dabei. Der Teil zum Cybermobbing am Nachmittag war dann doch interessanter, aber auch größtenteils bekannt (zumindest mir).

Fazit: Schöne Gegend, in die ich meinen Traummann auch mal entführen werde, um sie näher zu betrachten, aber inhaltlich eher weniger lehr- und ertragreich. Eigentlich schade, da in den Themen so viel Potenzial steckt! Dennoch wird es wohl komisch, morgen wieder in die Schule zu gehen – ich bin gedanklich noch immer auf diesem schönen Berg. 🙂

Back to normality…

… zumindest fast.

Erst am Mittwoch geht es für mich wieder in die Schule zum Unterrichten, denn morgen und übermorgen fahren wir mit dem Seminar nach Naumburg und dürfen an einem GEW-Seminar teilnehmen.

Meine Freude darauf ist mehr als gering:

  1. Meine eine Miezekatze ist noch immer krank, erbricht ständig und der Tierarzt wollte uns am Samstag nicht sehen, weil er das Blut eh nicht hätte ins Labor schicken können. Zum Glück gehen meine Eltern morgen mit ihr dorthin und lassen sie gründlich durchchecken, doch wohl fühle ich mich bei dem Gedanken, sie für 2 Tage allein zu lassen, trotzdem nicht. 😦
  2. Laut Programm beinhalten die ersten 3 Stunden des Seminars eine Werbeveranstaltung für die GEW – Vorteile, Kosten, Rechte und Pflichten. Super! -.-
  3. Das Thema des gesamten Seminars ist für mich nicht sooo spannend, weil ich gerade erst diese zweitägige Fortbildung dazu gemacht hatte: Web 2.0 und sein Einsatz im Unterricht. Tolles Thema – ehrlich! -, aber nicht unter den Umständen. Ich mag mir nicht alles schon wieder anhören. Ich hoffe aber ganz stark darauf, dass ich noch irgendwas mitnehmen kann und es nicht vollkommen umsonst ist. Meine Unterrichtsstunden am Dienstag könnte ich an sich nämlich eigentlich gut gebrauchen, zumal letzte Woche ja alles ausfiel…
  4. Klassenfahrtatmosphäre mit mir eher unbekannten Menschen – Ich bin zwar schon fast ein Jahr im Referendariat, aber die meisten sehe ich alle zwei Wochen (oder noch seltener, wenn das Seminar ausfällt oder Ferien sind), spreche mit den meisten nur innerhalb des Seminars über die entsprechenden Inhalte und privat habe ich nur mit wenigen zu tun. Trotzdem dürfen wir in Mehrbettzimmern schlafen… Vielleicht bin ich eine Mimose, aber ich könnte mir dennoch Besseres vorstellen. Aber natürlich sehe ich auch die Vorteile für den Gruppenzusammenhalt, der hoffentlich/ vielleicht entstehen wird.

Ich versuche also möglichst positiv an alles heranzugehen, doch die große Freude will nicht aufkommen. Umso mehr freue ich mich auf die Schule am Mittwoch! 🙂

Das Danach

Ich weiß, dass ich thematisch in meinem Blog gerade abweiche, aber ohne Schule gibt es auch keine großen Neuigkeiten aus der Schule.

Nachdem ich gerade die heute-Nachrichten auf ZDF verfolgt habe, steigt in mir wieder diese Wut und Traurigkeit hoch, wie ich sie schon seit einigen Tagen fühle. Nach dem Hochwasser ist offensichtlich nicht vor dem Hochwasser. Die Solidarität nimmt ab – zumindest zwischen den Städten und Orten, die betroffen sind. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gang und auch an unserer Schule haben sich heute einige Kollegen eingetroffen, um die Schule aufzuräumen, um ab Montag den Unterrichtsbetrieb wieder zu sichern. Schade war, dass so viele Kollegen nicht gekommen sind, von denen ich weiß, dass sie nicht vom Hochwasser betroffen sind und dass sie problemlos hätten kommen können. Aber die werden schon ihre Gründe haben. Und dass ich als einzige von uns drei Referendaren da war, wird mir wohl außer meines Gewissens auch keiner danken.

Was mich aber viel trauriger und gleichzeitig wütender macht, sind die Vorwürfe aus umliegenden Orten, die man sich anhören muss. Ständig wird gesagt, dass wir alle egoistisch wären, weil unser Ort vor den größten Katastrophen gesichert wurde und andere Orte angeblich nur deswegen absaufen würden. Wir würden uns mit Absicht querstellen, diesen Orten zu helfen, nur damit es uns gut geht. Und wir haben einen unserer Ortsteile mit Absicht geopfert, damit es den anderen gut geht. (Letzteres mag sogar stimmen, denn hätten wir diesen Stadtteil nicht „geopfert“, dann wären die Ausmaße der Katastrophe hier nicht denkbar gewesen – Wasser aus allen Gullis und keine ordentliche Abwasserversorgung mehr.) Dennoch finde ich es unmöglich in Zeiten wie diesen, in denen es Orten wie Aken, Fischbeck, Wust usw. noch immer wahnsinnig schlecht geht, in denen noch immer gekämpft werden muss, dass nicht noch mehr Wasser in die Orte läuft, die Gemeinschaftshilfe in Frage zu stellen. Es wurden Fahrgemeinschaften gebildet, um auch den umliegenden Orten zu helfen, es wurden viele Kilometer gefahren, und dennoch hören wir diese Vorwürfe. Zumal gerade wir zivilen Helfer gar nichts gegen die Entscheidungen von oben machen können.
Es macht mich einfach traurig, dass wir nicht weiter zusammenhalten und gemeinsam gegen die Flut kämpfen können.
Es macht mich noch trauriger, dass die Politik nicht immer den Überblick über die Gesamtsituation behalten und schnell die richtigen Entscheidungen treffen konnte. Doch das sind auch nur Menschen… Umso wichtiger ist der Zusammenhalt und keine Hetze auf Politik oder andere Orte.

Unfreiwillige Ferien

Dass Hochwasser furchtbar ist, habe ich in meinen letzten Posts bereits deutlich genug gemacht. Hier entspannt sich die Lage zwar, doch kann man in den Medien weiterhin schreckliche Bilder von überfluteten Dörfern, Feldern und Städten sehen, die mich einfach nur schockieren und sprachlos machen. Man möchte so gern helfen, auch wenn man schon viel geschuftet hat, doch im Moment ist es einfach nicht möglich.

Die Bewohner der evakuierten Stadtteile meiner Heimatstadt konnten heute fast alle wieder zurück in ihre Häuser und Wohnungen, doch an Aufräumen ist noch nicht zu denken. Das Wasser steht dort noch immer mindestens kniehoch… (Also kehren sie auch nicht wirklich zurück, doch können sie sich ein Bild von der Lage machen.)

Also sitze ich hier und gehe typischen Lehrertätigkeiten nach, während mein Berg an Arbeit langsam, aber sicher abgearbeitet ist. Einerseits eine gute Nachricht, andererseits fühle ich mich doch blöd. Die ganze Woche hat die Schule geschlossen und spätestens morgen Vormittag werde ich alles erledigt und auch meine Wohnung blitzeblank geputzt haben. Aufgrund des starken Drucks, der noch immer auf den Deichen lastet, können auch keine Sandsäcke weggeschafft werden.

Was mache ich also ab morgen? Wahrscheinlich Ferien… Donnerstagvormittag treffen wir uns noch einmal in der Schule und räumen dort den Keller, die Turnhalle und das untere Stockwerk wieder ein. Ansonsten haben wir keine Aufgabe. Es macht auch keinen Sinn, schon den Unterricht für die nächsten Wochen zu planen, weil noch so viel Ungewissheit herrscht. Und in Englisch wird es eh unspektakulär die nächsten Stunden, weil ich noch immer die Klassenarbeit zurückgeben und ein Diktat schreiben muss. Hmpf… einfach unbefriedigend.

Ich hoffe, dass zum Wochenende doch schon mehr getan werden kann und das Wasser weiter abläuft. Dann kann man auch endlich wieder tätig werden. Ich fühle mich einfach falsch dabei, hier Ferien zu machen, wenn andere gerade eine große Katastrophe durchstehen müssen. Oder bin ich zu sehr Gutmensch? Alle Kollegen reden auf mich ein, dass ich schon genug getan hätte und mich einfach mal entspannen soll. Und die Schüler freuen sich wahrscheinlich auch riesig über die schulfreie Zeit, sofern sie nicht selbst betroffen sind…