Wie tolle Ideen auch mal nicht funktionieren

Ich mag ja meine Elftklässler total. Nicht nur haben sie meinen GUB perfektioniert, indem sie so tolle Ergebnisse präsentiert haben, sondern sind sie auch sonst immer (naja, meistens) ganz toll bei der Sache und haben mich von Anfang an gut akzeptiert. Ich gehe gern in die Klasse und habe mich deswegen auch entschieden, sie als meine Prüfungsklasse zu nehmen. (Was aber nicht minder daran liegt, dass ich meine SekII-Klasse in Englisch eher weniger mag und wir irgendwie noch nicht auf einer „Ebene/ Wellenlänge“ angekommen sind.)

Heute habe ich aber gelernt, was ich mit der Klasse wohl nicht in der Prüfung mache (oder noch viel üben muss). Die Idee war Folgende: Wir haben Heines „Nachtgedanken“ behandelt, uns kreativ angenähert und dann das Gedicht analysiert und interpretiert. Dafür sollten die Schüler eine These aufstellen, ob das Gedicht politisch oder rein persönlich ist und entsprechend am Text mit Argumenten belegen (alles schriftlich). So weit, so gut. Beim Herumgehen habe ich ganz gute Ergebnisse gesehen, auch wenn sich einige Schüler dafür entschieden, ein rein persönliches Gedicht zu sehen statt zu erkennen, dass natürlich beide Ebenen eine Rolle spielen (bei Heine geht es insbesondere in der Zeit nicht ohne Politik und das wissen sie eigentlich auch!). Das wäre an sich auch kein Problem gewesen, wenn ich nicht im folgenden Schritt organisatorisch falsch geplant hätte. Ich wollte einige Ausarbeitungen einsammeln und 4 andere Schüler holte ich nach vorne, um dort ihre Thesen zu diskutieren. Meine Hoffnung war, dass alle Aspekte benannt werden und sie zu dem Schluss kommen, dass beide Ebenen vertreten sind. Was passiert stattdessen? ALLE Schüler, die vorn stehen, sind felsenfest davon überzeugt, dass es ein rein persönliches Gedicht ist und Politik keine Rolle spielt. Und der eine Schüler, der eigentlich etwas anderes stehen hat, kann nicht seinen Mann stehen, sondern schließt sich spontan der Meinung an… Man sollte meinen, dass sie durch die kritischen Nachfragen ihrer Mitschüler und deren indirekten bis direkten Hinweise zum Nachdenken angeregt werden, dass vielleicht doch Politik eine Rolle spielen könnte. Aber nein, sie bleiben alle felsenfest davon überzeugt und gehen auf keinen der Kommentare ein. *uff*

Fazit der Stunde: Die Diskussion verlief im Sande und ich muss das Gedicht nächstes Mal noch einmal aufgreifen und das richtigstellen.
So hatte ich mir das wahrlich nicht vorgestellt… Aber zumindest weiß ich, was ich in der Prüfung NICHT mache. 😉

 

PS: Ich sehe gerade, dass es jetzt schon 10.000 Aufrufe meines Blogs gab. Die letzten 1000 gingen echt schnell… Danke an alle meine Leser und Unterstützer! Ich hoffe, ihr bleibt auch weiterhin dran und vielleicht findet sich auch noch der ein oder andere, der meinen Berufseinstieg mitverfolgen möchte. Ich freue mich über jeden einzelnen Klick von euch! 🙂

Von Brownies, Gummibärchen und viel Schokolade

Dass mein durchschnittlicher Schokoladenkonsum weit über dem des Durchschnittsdeutschen liegt, dürfte den aufmerksamen Lesern meines Blogs bisher nicht entgangen sein. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich den Hochpunkt meiner ungesunden Ernährung erreicht habe – vielleicht ist es aber genauso viel wie immer. Sicher ist, dass ich noch immer auch einiges an Obst und Gemüse im Speiseplan habe. Das ist nicht zu verachten. Wozu aber dieser ganze Süßkram? Kann man Stress nicht auch anders bewältigen? Fakt ist: ich nicht!

Und das beschäftigt mich gerade:

  1. Mich hat dieses unglaubliche, unbeschreibliche, unaushaltbare Fernweh gepackt. Normalerweise kommt es alle 2 Jahre – nun war ich seit Juni 2010 nicht mehr weg und es zeigt sich nun in vollster Stärke! Schon letztes Jahr im Frühjahr überkam mich der Drang nach einer USA-Westküsten-Reise, nun ist er wieder da. Dabei muss es nicht mal USA sein – Irland wäre auch toll… oder einfach mal wieder London und den Süden GBs erkunden. Das wär’s! Und nein, es tröstet mich nicht, dass ich im Juni die Kursfahrt nach Schottland begleite…
  2. Wir hatten heute ein unglaublich interessantes Vertretungsseminar mit dem Hauptseminarleiter für die angehenden Förderschullehrer. Er hat uns schöne Einblicke in seine Arbeit und in die uns erwartende Inklusion gegeben. Viele praktische Tipps und Hinweise haben natürlich auch nicht gefehlt – Wusstet ihr, dass Texte auf gelbem Untergrund die Konzentration der Schüler verlängert? Das Einparfümieren mit beispielsweise Lavendel-Duft verstärkt diesen Effekt ebenso. Und Schüler in der SEK I (und Grundschule) sollten Texte mit bestenfalls Schriftgröße 14 und maximaler Breite von 15 Zentimetern (wegen der Augenspannweite und Konzentration) erhalten. Erfolg überprüft! Also ab sofort in Spalten arbeiten, vielleicht hilft es ja.
  3. Ich habe mir heute die eingesammelten Essays meiner Schüler der 11. Klasse durchgelesen – spannend! Thema war unter Anderem Schülermitbestimmung in der Schule. Interessantes Phänomen: Eine Schülerin ließ sich sehr trotzig-eingeschnappt über das Thema aus, die Jungs waren sachlicher und neutraler. Sie (frei zitiert): „Schüler dürfen nur in dem Rahmen mitbestimmen, in dem es mit den Meinungen der Lehrer konfrom geht. Sobald etwas nicht so vonstatten geht, wie sie es sich wünschen, verbieten sie es sofort.“, die männlichen Schreiber (frei zitiert): „Schüler sollten nicht bei so wichtigen Entscheidungen wie dem Lehrplan/ der Themenauswahl mitentscheiden dürfen, denn Lehrer sind dafür ausgebildet. Außerdem müssen die Schüler lernen, auch mit Dingen klarzukommen, die ihnen nicht zu 100% gefallen – so ist das im späteren Arbeitsleben auch. Schüler sollten Lehrer als Ansprechpartner sehen und mit ihm kooperieren, ihn in seiner Auswahl beraten, jedoch nicht das alleinige Entscheidungsrecht erhalten. (Doch nicht mal das nehmen Schüler in Anspruch).“ Fazit: Auch die Schüler konnten nicht so richtig ausmachen, ob und wie viel Mitbestimmung sie in der Schule haben möchten.
  4. Konzept-Schreiben für meine SAB – ohne Worte…

Essen, schlafen, essen, schlafen, …

Das könnte ich heute nach der mehr als anstrengenden Woche nur noch machen. Nachdem ich Mittwoch nach dem langen Schultag noch bis abends um acht beim Renovieren in der neuen Wohnung meiner Großeltern geholfen hatte, stand Donnerstag mein GUB an. Seit Dienstag war meine Mentorin schon so hibbelig, dass sie gar nicht verstehen konnte, wie ich so ruhig bleiben konnte. Gestern war ich das natürlich nicht mehr… Je näher der Zeitpunkt rückte, desto aufgeregter wurde ich. Schnell nochmal die Geschichte des 19. Jahrhunderts nachgelesen, noch 3 Mal den Stundenverlauf durchgehen, damit alles reibungslos über die Bühne geht, und sofort zu Beginn der Pause in den Raum stürmen, um das Tafelbild vorzubereiten. Alles schön mit Lineal, möglichst ordentlich schreiben, zwischendurch dem Schulleiter nett die Hand schütteln und dann noch Moderationskarten austeilen. Noch schnell die Prüfer begrüßen – damit war alles rechtzeitig geschafft. Es konnte losgehen.

Die ersten 10 Minuten war ich innerlich total aufgeregt, habe aber nach außen wohl doch absolute Ruhe ausgestrahlt. Und es lief alles richtig gut! Ich habe mir keinen großen Patzer erlaubt, die Schüler haben einfach super mitgearbeitet und noch bessere Ergebnisse geliefert, als ich es mir hätte wünschen können. Ich bin wirklich stolz auf sie und muss ihnen das am Dienstag auch noch transportieren.

Nach der Stunde hatte ich die obligatorischen 10-15 Minuten, um mir alles für das Reflexionsgespräch zurechtzulegen Schon hier verriet mir meine Mentorin, was ich noch anmerken könnte und dass mir zumindest die Fachseminarleiterin, neben der sie saß, sehr wohl gesinnt sei. Erste Erleichterung machte sich breit, doch die Aufregung verflog noch lange nicht. Das geschah erst im Laufe des Gesprächs. Es wurde fast ausschließlich positive Kritik an mich gerichtet – ich habe schon einen großen Entwicklungsschritt seit dem letzten Mal getan, eine sehr positive Beziehung zu den Schülern aufgebaut, meine Lehrerpersönlichkeit sei schon sehr gut ausgereift und ich habe die Rolle gut angenommen, Medien und Sozialformen wurden sinnvoll eingesetzt und auch die Zeitplanung hat funktioniert. Und worauf sie besonders stolz waren: Ich konnte sogar mal Lockerheit zeigen. Meine Mentorin unterstützte das Bild noch durch kleine Anekdoten der vergangenen Wochen und Monate, wofür ich ihr auch ganz herzlich danken musste.
Entwicklungsschritte: Ich neige leicht zum Lehrerecho und soll dementsprechend meine Gesprächsimpulse noch weiterentwickeln (um auch die Stimme zu entlasten) und ich soll meine Tafelschrift weiterentwickeln. Sie sei zwar schon viel besser, aber noch nicht so gut, wie sie mal sein soll. Das heißt also weiter üben, üben, üben.

Ansonsten waren aber alle sehr stolz auf mich und meinten, ich sei auf einem sehr guten Weg. Eine Kollegin und die Seminarleiter meinten sogar, dass es Wahnsinn ist, wie gut ich das nach nur 6 Monaten Referendariat gemeistert hätte. Es sei wohl selten, dass man dann schon so weit ist. Und auch der Schulleiter war stolz und freute sich, dass er bzw. die Schule noch so lange etwas von mir hat. Und was wir alle im Kollegium danach feststellten: So eine Stunde ist fern von der Realität. Immerhin saß ich knapp 4 Wochen mehr oder minder konzentriert und effektiv an der Planung – absolut nicht möglich im normalen Alltag. Aber das werden die Prüfer wohl nie lernen. Sie wollen ja auch nur sehen, wozu wir im Prinzip in der Lage sind – und das müssen wir eben alles in einer Stunde perfekt zeigen. Über die Sinnhaftigkeit kann man sich nun streiten.
Nun liegt aber ein noch größerer Druck auf mir, weil es jetzt auf das Feintuning ankommt.

Dem widme ich mich aber später – jetzt brauch ich Wochenende! Zumindest heute und morgen, Sonntag geht es dann an die Wochenplanung. Und die SAB rückt auch immer näher… (Keine Nachricht aus Wales – ich muss mich also an Plan B machen. :-/ )

So viel zum Kindergarten…

Heute haben meine Siebten in Englisch ihre Ergebnisse der letzten Woche vorgestellt. 2 Gruppen sollten ein Programmheft gestalten, wovon eines absolut nicht ansprechend war (keine Bilder, keine schöne Formatierung, alles schwarz-weiß) und das andere richtig schön war (genau das Gegenteil). Die anderen 2 Gruppen sollten das Theaterstück aufführen. Aufführung eins war sehr nett, was vor allem durch die schönen Kostüme zustande kam. Die Schüler haben sich beim Anblick teilweise gekringelt, vor allem weil ein Schüler plötzlich lange braune Haare hatte. Aber wie soll sonst eine Gruppe Jungs deutlich machen, dass sie auch weibliche Rollen spielen? Außerdem alles ganz normal – zu Shakespeares Zeiten war das doch auch so. 😉

Die zweite Aufführung war auch ok, aber in der Gruppe hat man auch deutlich gemerkt, dass schon in der Vorbereitung nicht alles glatt lief, was vor allem an den Differenzen und dem unprofessionellen Miteinander zusammenhing… Tja, und bei der Auswertung waren wir dann wieder vollkommen im Kindergarten angekommen. Es wurde sich angezickt (wohlgemerkt unter Jungs!), es wurden unsachliche Vorwürfe auf die Reflexionsbögen geschrieben und man sah nur die Augen vor Wut blitzen. Sogar die Mitschüler haben heute besänftigend eingegriffen, aber sie hören ja kaum auf mich. Selbst meine Mentorin, die sonst eher der „Schrecken“ aller Schüler ist, weil sie sehr streng und konsequent ist, kam nicht ganz gegen das Gezicke an, als sie Montag mit der Klasse hatte. Sie erzählte mir auch, dass die Schüler selbst zugaben, dass die Probleme in einigen Fächern bestehen (wodurch ich dann auch entlastet war und es eindeutig nicht an meiner falschen Lehrweise liegt).
Zumindest habe ich es aber geschafft, dass sie ihre Gruppenarbeit am Ende doch noch recht anständig reflektiert haben, sodass es beim nächsten Mal hoffentlich besser funktioniert. Das werde ich bald mal prüfen, wenn es sich wieder anbietet. So lange können wir aber trainieren, mit einem Partner zusammen zu arbeiten – da hakt es ja im Moment auch etwas…

Ansonsten ist gestern und heute nicht viel passiert:

  • Das Thema für meine schriftliche Arbeit (SAB) ist eingereicht und (inoffiziell) bestätigt, sodass ich das Unterrichtsprojekt hierzu pünktlich in 4 Wochen starten kann.
  • Das Konzept für meinen GUB habe ich erfolgreich herumgeschickt – es kann also nichts mehr umformuliert oder geändert werden.
  • Meine Mentorin ist schon ganz hibbelig wegen meines GUBs am Donnerstag und wundert sich, dass ich noch nicht so aufgeregt bin (weil ich es noch vermeide, mir ins Gedächtnis zu rufen, dass ich die Stunde, die ich nun wochenlang vorbereitet habe, am Donnerstag endlich halten soll). Und warum sie so aufgeregt ist? Ich glaube, das liegt vor allem am neuen Schulleiter, den sie in solchen Situationen noch nicht kennen gelernt hat, also inwieweit er sich auch für die Referendare einsetzt.
  • Ein Haufen Korrekturen wurde erledigt, aber es liegt noch immer ein kleiner, nicht zu verachtender Stapel auf meinem Tisch.

Morgen werde ich mich also zwischen Renovieren der neuen Wohnung meiner Großeltern und dem normalen Schulalltag seelisch auf meinen GUB vorbereiten, damit am Donnerstag (hoffentlich) nichts mehr schief gehen kann. (So langsam bin ich doch aufgeregt…)

PS: Morgen wird auch in Sachsen-Anhalt gestreikt und ich bin gespannt, wie viele Kollegen mitmachen. Als Referendar wurde uns ja deutlich von seiten der Schulleitung/ Kollegen und des Landesinstitutes davon abgeraten. Wir könnten zwar teilnehmen, müssten aber mit Konsequenzen rechnen… Willkommen in dieser Welt!

Kindergarten adé?

Naja, leider noch nicht ganz, aber ich habe heute einen kleinen Schritt zum Ziel getan.

Nachdem meine 7. Klasse in Englisch gestern so unausstehlich war und nullkommanull Sozialkompetenz gezeigt hat, wurden heute mal ganz andere Register gezogen. Da kam mir die spontan aufgedrückte Vertretungsstunde in dieser Klasse gerade recht.
In der ersten Stunde habe ich den normal geplanten Unterricht durchgeführt, doch war ich mal wieder etwas strenger zu den Schülern. Hausaufgaben vergessen? Diesmal gab es einen Eintrag für die Eltern ins Hausaufgabenheft. Morgen möchte ich die unterschrieben sehen. Und auch in der Zusammenarbeit mit anderen Schülern bzw. im Sitzplan gab es heute kein Pardon. Ich musste zwar mal wieder Gespräche führen, die ich eher in unteren Jahrgangsstufen erwarten würde („Ihr müsst lernen, miteinander zu arbeiten, auch wenn ihr auch persönlich nicht sonderlich mögt. Solche Situationen werden auch im Leben immer wieder begegnen. Jetzt redet miteinander, arbeitet gemeinschaftlich an der Aufgabe und seid lieb zueinander.“ usw.), aber ich denke, dass das insgesamt geholfen hat.
In der zweiten Stunde gab es dann als „Strafe“ für das Verhalten einen Test (den ich spätestens morgen eh geschrieben hätte), damit sie noch mal merken, dass man auch bei der lieben Frau Zappelbein nicht alles machen kann und darf. Und für den Rest der Stunde hatte ich mir noch ein kleines Projekt ausgedacht, bei dem die Schüler sich 1. noch einmal intensiv mit dem Stoff auseinandersetzen und 2. lernen, zusammen zu arbeiten. (Wir haben ein kleines Theaterstück auf Englisch gelesen, das nun von 2 Gruppen inszeniert werden soll und von 2 anderen Gruppen soll dafür ein Programmheft erstellt werden.)
Natürlich habe ich auch neben klaren Aufgaben auch noch einmal ganz klare Regeln für die Projektarbeit in Gruppen aufgestellt:

  1. Arbeitet ruhig und konzentriert!
  2. Arbeitet zusammen in einer Gruppe! Schließt keinen aus, alle beteiligen sich am Projekt!
  3. Seid nett und fair zueinander!

Das sind zwar alles total selbstverständliche Regeln, aber in der Klasse muss man das trotzdem immer wieder erwähnen. Als ich dann meinte, dass ich damit auch die Sozialkompetenz in der Klasse und die Klassengemeinschaft verbessern möchte, schauten die Schüler nur leicht beschämt auf den Tisch. 1:0 für Frau Zappelbein. Wäre ja gelacht, wenn wir das nicht gemeinsam bis zum Ende des Schuljahres hinbekommen. 🙂

Helau und Alaaf, Part II

Ich habe überlebt! Karneval ist jetzt endlich vorbei und morgen beginnt die Fastenzeit (in der ich weiterhin Fleisch faste). Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich darüber bin. Der heutige Tag war zwar nicht ganz so schlimm, wie ich mir vorgestellt habe, aber trotzdem hätte ich darauf verzichten können.

Als ich in der Schule ankam, winkten mir meine Siebentklässler schon fröhlich aus dem Glasteil unserer Schule zu und freuten sich ihres Lebens. So freudig wurde ich wahrlich noch nie begrüßt, aber natürlich habe ich mindestens genauso enthusiastisch zurückgewunken, um den Schülern eine Freude zu machen.
Zu meiner Überraschung waren nicht ganz so viele Schüler verkleidet wie befürchtet – ich schätze, dass 1/3 bunt daherkam. Die Kostüme waren allesamt kreativ. Mein Lieblingskostüm: Einer meiner Elftklässler hängte sich ein Pappschild um den Hals, auf dem stand: „BER Flughafen Berlin-Brandenburg – Sorry, leider konnte das Kostüm nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.“ Grandios!

Meine Stunde in der 11. lief auch einfach fantastisch. Die Schüler haben mich sofort angenommen und akzeptiert und gut mitgearbeitet. Zwar war ich anfangs irritiert, dass manche Schüler bunte Haare, nette Vokuhila-Haarschnitt-Perücken oder riesige Schnurrbärte hatten, aber die Stunde hat einfach wahnsinnig Spaß gemacht. Lange hatte ich Respekt (und Angst) davor, in der Oberstufe zu unterrichten, aber jetzt weiß ich wieder, warum ich auf Gymnasium studiert habe – das ist auch thematisch einfach voll mein Ding. So ging ich rundum zufrieden aus der Stunde heraus, die Schüler wirkten auch zufrieden und das Beste: Meine Mentorin hatte NICHTS zu kritisieren. Hier und da hätte sie vielleicht etwas anders gemacht, aber meinen Weg fand sie auch vollkommen in Ordnung. Der GUB nächste Woche kann also doch ruhigen Gewissens kommen, da ich jetzt weiß, dass ich es schaffen kann!

In der 7. Klasse in Englisch war es dafür umso anstrengender. Nicht nur hatten sich hier mehr Schüler verkleidet, sondern scheint auch das Gehirn unter der Fassade verloren gegangen zu sein. Ich fühlte mich heute wie in der Grundschule, wenn nicht sogar wie im Kindergarten. „Frau Zappelbein, der hat meine Jacke runtergeschmissen.“; „Frau Zappelbein, der hat mich gehauen.“; „Frau Zappelbein, mit dem möchte ich nicht zusammenarbeiten.“; „Frau Zappelbein, ich will hier nicht mehr sitzen, der nervt.“; usw. Ahhhhhhhhhhhh! Ich habe heute bestimmt 10 Minuten der Stunde damit verbracht, diese „wichtigen Probleme“ aus dem Weg zu räumen und meinen Schülern klar zu machen, dass man so nicht arbeiten und lernen kann. In den letzten 10-15 Minuten lief auch alles wieder normal, aber die 30 Minuten davor hätten mir fast den letzten Nerv geraubt… Wenn die morgen wieder so sind, dann gibt es schön grundschul-like Einträge ins Hausaufgabenheft und Elternmitteilungen. Und ein Testchen liegt auch immer in der Tasche…

Die Förderstunde war aber wieder gut. Die 6.-Klässler sind einfach soooo niedlich. Sie kamen ganz freudig alle an den Lehrertisch gestürmt und freuten sich, dass ich da bin und jetzt mit ihnen Förderunterricht mache. Ganz spontan haben wir dann die Stunde auch zusammen gestaltet, indem sich die Schüler Übungen wünschen durften (Bankrutschen mit Vokabeln etc.) und ich mir dann auch noch eine kleine Übung ausgedacht hatte. Schön war’s gewesen.

Und das Beste: Ich wurde heute von 2 Siebentklässlern aus meiner Deutschklasse gefragt, ob ich ihr Projekt in der Projektwoche betreuen möchte! Damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet, weil die meisten Schüler schon eins hatten und sich keiner bei mir gemeldet hatte. Bei uns dürfen die Schüler sich nämlich selbst ein Thema aussuchen und sich ihren Betreuer passend zum Thema selbst suchen. So viel Ahnung hab ich von dem Thema zwar nicht (Vergleich iOS und Android), aber spannend ist es allemal. Und ich freu mich einfach, dass sie mich anscheinend so sehr mögen, dass sie das bei mir machen möchten. Natürlich musste ich erstmal bei der Schulleitung nachfragen, ob ich das als Referendar überhaupt darf. Die waren auch ganz überrascht, dass ich mit so einer Frage komme, weil das anscheinend noch nicht vorkam, aber ihnen fiel auch nichts ein, was dagegen spräche. Und sie haben sich richtig gefreut, dass die Schüler mich darum baten, weil das ihr großes Vertrauen zeigt. Hach, Balsam für die Seele. 🙂

Helau und Alaaf, Part I

Müde, demotiviert und lustlos steige ich heute langsam aus meinem warmen, kuschligen Bett. Im Bad werde ich blitzschnell wach, weil seltsame Töne aus dem Radio kommen. Ist das Ding etwa kaputt? Es ist doch „erst“ 20 Jahre alt, das kann gar nicht sein! Nein, ist es auch nicht. Es ist Rosenmontag. Und obwohl ich dachte, in Sachsen-Anhalt sei ich sicher vor den ganzen Pappnasen, muss ich mir das ganze Gedudel nicht nur im Radio anhören. Im Seminar geht es weiter. Unser Seminarleiter – anscheinend ein großer Fan des Karneval (oder Fasching, wie man es hierzulande nennt) – muss zwischendurch immer wieder komische Geräusche, die auf Fasching hinweisen, ausrufen. Klingt ein bisschen nach Tourette, aber er will damit wohl die Atmosphäre auflockern. Wenigstens zwei der 18 Seminarteilnehmer können lachen, manche zwingen sich ab und zu ein Lächeln ab. Zum Glück konnte ich dem Ganzen den Rest des Tages entfliehen. Bloß kein Radio oder Nachrichten mehr anmachen, dann ist man sicher vor dem ganzen Wahnsinn!

Den zweiten Schreck des Tages erlebe ich, als wir uns im Seminar noch einmal über die Entwürfe unterhalten. Eigentlich dachte ich, dass ich schon recht gut auf meinen GUB vorbereitet sei und „nur“ noch das Konzept schreiben müsse. Pustekuchen! Mein Gehirn hat versagt und so habe ich wohl auch verpasst, dass ich bei solchen großen Unterrichtsbesuchen auch Erwartungshorizonte zu jeder einzelnen Aufgabe erstellen muss. Auch das Tafelbild habe ich vernachlässigt. So kam es, dass ich den halben Nachmittag damit verbrachte, diese Schlamperei noch auszubessern (zum Glück haben wir aber heute darüber geredet, sodass ich es wenigstens noch nachholen konnte). Die andere Hälfte ging für die Planungen für morgen und übermorgen drauf. Jetzt bin ich wieder da angekommen, wo ich heute Morgen war: demotiviert und lustlos. Irgendwie hab ich meine Motivation in den Ferien verlegt… Hoffentlich find ich sie noch wieder, damit ich mit den Herausforderungen des morgigen Tages zurechtkomme.

Morgen ist nämlich schon wieder Fasching – zumindest in der Schule. Meine erste Doppelstunde in der 11. darf ich vor berühmten Musicalfiguren verbringen. Ich könnte mir wahrlich bessere Voraussetzungen für einen Neueinstieg in eine neue Klasse vorstellen. Aber gut, man muss damit leben. Danach folgen dann noch Stunden vor Zirkusfiguren (Motto der 7. Klasse) und Märchenfiguren (Motto der 6. Klasse). Wer sich das ausgedacht hat… Schüler verkleiden sich, einige Lehrer vielleicht auch und trotzdem sollen wir normalen Unterricht machen. Ich bin wirklich gespannt, wie das morgen ablaufen wird. Fest steht, dass es noch eine Menge Ärger deswegen geben wird, da die Faschingsfeier ohne Absprache mit der Schulleitung von den Schülern verkündet wurde und nun durchgeführt wird. Nachmittags finde ich solche Feiern auch wirklich in Ordnung, aber während der Unterrichtszeit? Und dann sollen wir noch normal Unterricht machen? Chaos vorprogrammiert! Ich berichte morgen im Part II. 😉