Freistunde

Es ist kurz nach 10 Uhr, ich habe eine Freistunde und in ca. 2 Stunden sind Schulferien. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, was sicher auch daran liegt, dass ich noch immer meine To-do-Liste im Hinterkopf habe, die sich noch nicht merklich reduziert hat. Immerhin hat das Portfolio weiter Form angenommen und kann wieder für wenige Wochen in den Weiten meines Laptops verschwinden. Auch meine Stunden sind für dieses Schuljahr gelaufen, jetzt wird nur noch hospitiert.

Gestern war wieder ein fantastischer Tag, was immer wieder erstaunlich ist, weil ich schon 7 Uhr morgens vor meinen müden 10.-Klässlern stehe. Es dauert immer ein bisschen bis sie wach sind, doch gestern sind sie schließlich zu Hochformen aufgelaufen. „Avoiding social gaffes“ war das Thema – also Fettnäpfchen, die aufgrund fehlender Kenntnis von sozialen und kulturellen Gewohnheiten entstehen, vermeiden. Leider hatten die Schüler nicht so viele Vorkenntnisse zum British way of life wie ich mir gewünscht hätte, aber trotzdem kamen wir gut voran. Bei den Deutschen wurde dann aber tief in die Klischeekiste gegriffen – sehr amüsant! Auch die eigenen Comics, die sie dann über uns Deutsche oder Briten malen sollten, waren echt super. Schön war auch, wie ein Schüler nach dem Zeichnen der DB erstaunt feststellte, dass sie gar nicht zur deutschen Pünktlichkeit passt. ^^
Auch die Deutschstunde in der 7. lief gut, vor allem sehr ruhig und konzentriert. Da war ich sehr stolz auf die Kleinen. Und Englisch war auch schön, auch wenn sie mir wieder etwas zu unruhig waren. Heute haben wir dann noch etwas gebastelt (was natürlich trotzdem pädagogisch wertvoll für den Englischunterricht war). Das hat ihnen auch Spaß gemacht, sodass sie froh und munter in die Ferien entlassen werden konnten. Und Frau Zappelbein verlässt die Schule nachher sicher auch mit einem Lächeln. 🙂
Dafür muss sie aber die gestrigen Gespräche aus dem Lehrerzimmer verdrängen… Die Kollegen tauschten sich munter darüber aus, welche tollen Reisen sie doch in den Ferien unternähmen. *schwärm* Unsanft wurde ich dann aber aus meinen Tagträumen geholt: „Und was machst du?“ – Tja, leider nicht wegfahren, sondern meinen ersten großen Unterrichtsbesuch planen, Konzepte und Sequenzlanungen schreiben, eine Jahresplanung erstellen usw.
Aber egal, es bleibt sicher der ein oder andere Tag und Abend, an dem ich mich voll und ganz der Entspannung ergeben kann. Und gedanklich bin ich natürlich bei euch allen, die keine Ferien genießen dürfen. Ihr schafft das! 🙂

Allen anderen: Schöne Ferien! 🙂

Die Luft ist raus

Zwar sind die letzten Ferien erst 3 Wochen her, doch merkt man den Schülern und den Kollegen deutlich an, dass alle erschöpft sind und Ferien brauchen. Zum Glück haben wir alle am Donnerstag nach der 5. Stunde Schluss und können uns dann auf die einwöchigen Winterferien freuen. 🙂

Ich hoffe inständig, dass sich die Schüler erholen, Luft holen, entspannen, sich austoben, was auch immer, damit sie dann nach den Ferien fit in das 2. Halbjahr starten können. Es ist schon etwas anstrengend, dass bei den Schülern kaum etwas hängen bleibt und die Mitarbeit manchmal etwas zu wünschen lässt. Immer wieder fängt man an, den Urschleim zu erklären, um im Stoff weiterzukommen… Das geht doch eigentlich auch anders. Aber nun gut, man kann es auch verstehen. Die Zeugnisse sind noch nicht ausgeteilt und die Schüler noch nicht im zweiten Halbjahr angekommen. Und das zehrt natürlich auch alles an den Kräften der Lehrer. Viele Kollegen sind einfach nur gestresst…

Heute ist übrigens passend zum Thema der Stressreport zu Deutschland herausgekommen. Wer keine Zeit oder Muße hat, um sich das Pamphlet über 208 Seiten durchzulesen, kann auch hier die wichtigsten Ergebnisse kompakt nachlesen:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/leistungsdruck-am-arbeitsplatz-stress-report-jeder-fuenfte-ist-im-job-voellig-ueberfordert_aid_908029.html

Ich finde das schon spannend, dass sich immer mehr Deutsche gestresst fühlen und sich die Arbeitnehmer in anderen Längern hingegen über Monotonie und Langeweile beschweren. Da läuft doch was falsch!
Aber ich kann es auch nachvollziehen, wenn ich mir den Lehrerberuf anschaue. In Sachsen-Anhalt soll das Stundendeputat eines Lehrers in nächster Zeit angehoben werden; auch die Inklusion erhält immer mehr Einzug, ohne dass ich eine Förderlehrkraft oder einen Sozialpädagogen jemals in der Schule gesehen hätte. Wir Lehrer schaffen das schon, haben wir ja schon immer. Hinzu kommen die ganzen Konferenzen, die gerade zum Ende eines Halbjahres kein Ende zu finden scheinen, die vielen Stundenvorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Schülergespräche, usw.
Im Moment bin ich dem allem noch nicht so stark ausgesetzt, weil ich mich noch im Referendariat befinde, doch das ist auch nicht weniger stressig. Schließlich bekommen wir vom Seminar genügend Aufgaben, die zu erfüllen sind… Abgesehen davon, dass bei uns die Vorbereitungen und Korrekturen noch dreimal so lange dauern, weil wir so unerfahren sind (und vielleicht auch ein wenig zu perfektionistisch, was uns allerdings antrainiert wird, weil die Unterrichtsbesuche ja wahre Feuerwerke sein müssen).

Gestresst kann man sich also oft genug fühlen. Umso wichtiger ist es, dass man sich auch bewusst Pausen nimmt, abends ein Limit setzt und seinen Hobbies nachgeht. Ich hoffe, dass ich das auch mal in meiner unterrichtsfreien Zeit schaffe, auch wenn die zu erledigenden Aufgaben zahlreich sind…
Deswegen mein Tipp: Schaltet nach dem Lesen dieses Blogartikels und des Zeitungsartikels den Rechner aus, nehmt euch ein gutes Buch hervor, strickt an dem Schal für Oma Gerda weiter, geht spazieren, kocht euch ein gutes Abendbrot, geht joggen oder macht irgendetwas Anderes, bei dem ihr euch gut entspannen könnt! 🙂

Vom Leben gelernt

Kennt ihr diese tolle Kategorie aus einer bekannten Zeitschrift für junge Erwachsene (zu denen ich mich noch zähle)? Ich habe heute (und am Wochenende) auch vom Leben gelernt:

  1. Unangenehme Anrufe des Vermieters (hier können auch andere Personen eingesetzt werden) erhöhen den Erdnussbutter- und Schokoladenkonsum.
  2. Schlecht isolierte Raucherräume in Kneipen führen zu relativ einsamen Nächten, weil man selbst wie eine Räucherhöhle riecht.
  3. Keinen Alkohol zu trinken lässt einen auf unangenehme Art und Weise im Mittelpunkt stehen. (Was ist das für eine Gesellschaft?)
  4. Wahre Freunde sind selten und kostbar – und leider „verwachsen“ sie sich manchmal auch nach vielen Jahren, ohne dass es einen ersichtlichen Grund gibt.
  5. Große, fluffige Schneeflocken sind zwar faszinierend, doch erfreuen sie das Herz nicht annähernd so sehr wie die ersten warmen Sonnenstrahlen im Januar.
  6. Es geht nichts über gute Musik!

Ich mag diese Kategorie sehr, sehr gern! Das ist immer das Erste, was ich lese, wenn ich die neue Ausgabe in der Hand halte, auch wenn sie auf der letzten Seite ganz unten und sehr klein abgedruckt ist. Sie toppt jedes unnütze Wissen!

Viel mehr kann ich vom heutigen Tag kaum berichten. Im Seminar waren 50 % krank, was eine Mitreferendarin zu dem Ausruf verleitete: „Ich möchte auch mal krank sein!“ Das kann ich einerseits total verstehen, weil man sich dann nicht den teilweise eher schnöden Inhalten des Seminars widmen muss, doch andererseits ist es auch doof, krank zu sein. Ich schleppe ja selbst seit Wochen meine Lieblingskrankheit in leichten Zügen mit mir herum, bin aber dennoch froh, dass es nicht so schlimm ist, dass ich mich mit Antibiotika vollstopfen muss. Außerdem könnte ich dann doch auch gar nicht meine süßen Schüler bespaßen – wie würden sie nur mit dem Ausfall der Stunden klarkommen? 😉
Naja, zumindest wurde dadurch mein grandioser Plan zerstört, schon nebenbei etwas im Seminar zu machen, weil man sich bei 5 Refs einfach schlecht verstecken konnte. Andererseits sind wir um die mehr als umfangreichen Hausaufgaben herumgekommen. *puh*
So saß ich also ewig an meinen Planungen für die Woche und am Kontrollieren der Essays meiner 10. Dass das so lange dauert, hätte man mir ruhig mal früher sagen können… Und unsicher bin ich mir bei der Bewertung auch noch, weswegen ich das morgen noch einmal absprechen werde.

Das alles bedeutet nun, dass ich morgen mehr von dem schaffen muss, was ich heute eigentlich schon anfangen wollte. Also volle Kraft voraus in die letzte Woche vor den Ferien, denn Donnerstag gibt es Zeugnisse! Aber nennen wir sie lieber „unterrichtsfreie Zeit“, denn mit Ferien hat die nächste Woche eher weniger zu tun. Ich darf gar nicht an meine To-do-Liste denken. *grusel*

Kennt ihr das?

Ihr kommt nach Hause und seid einfach nur fertig? Ein Blick auf die Uhr verrät: Es ist 13.04 Uhr. Euer Körper sagt: Es ist Zeit für das Bett. Euer Geist sagt: Ich kann nicht mehr denken, das war heute alles zu viel. (Eure Katze sagt: Ich hab Hunger und war den ganzen Tag allein – bespaße mich!)

Wenn ihr diese Fragen mit „ja“ beantworten könnt, wobei die letzte Frage eher fakultativ ist, dann könnt ihr genau nachempfinden, wie ich mich gestern gefühlt habe. Umso erstaunlicher ist, dass ich abends doch tatsächlich noch etwas bezüglich meiner Stundenplanung geschafft habe.
Ich kann euch gar nicht erzählen, was alles passiert ist, aber zumindest die Ausmaße andeuten:

  • Ich habe – ungeplant – alle Stunden eigenverantwortlich unterrichtet, weil meine Betreuerin in Englisch Klasse 10 ein Elterngespräch hatte, was wider Erwarten größere Ausmaße annahm. Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich im Nachhinein bin, dass die Großen so schön auf mich gehört und mich als Lehrperson akzeptiert haben. Gestern hatte ich in dem Moment gar nicht darüber nachgedacht und es als selbstverständlich angesehen, aber irgendwie macht es mich jetzt doch stolz, dass ich auch die „Großen“ im Griff habe.
  • Ich hatte mitten im Unterricht einen Lachflash und es dauerte über eine Minute bis ich mich wieder eingekriegt habe. Situationskomik ist eben die Beste. Im Nachhinein betrachtet war es ein ganz typischer Schülerwitz:
    Lehrer: „Alle Augen wieder nach vorn.“ – Schülern tut so, als werfe sie ihre Augen nach vorn und lacht leise (wohlgemerkt meine Klassenbeste!).
    Tja, dann musste ich auch lachen und alle Schüler fragten die Schülerin, warum wir denn nun lachen würden. Irgendwie schaukelte es sich hoch und alle Schüler begannen zu lachen. Noch lustiger wurde es, als ich versuchte, wieder zu reden und Ruhe in die Klasse zu bringen und doch wieder losprusten musste. Aber ich habe die Situation dann wieder gut in den Griff bekommen und wir alle hatten eine kleine Abwechslung und Pause für das Gehirn. Ich glaube, das hat mich zumindest menschlich den Schülern näher gebracht. Jede Stunde sollte das aber nicht passieren. 😉
  • Auch die Idee der Einführung in die Vorgangsbeschreibung war super: Ich tat so, als hätte ich vergessen, wie man die Tafel wischt und ließ mich von einem Schüler anleiten. Das machte er ganz gut, doch war es echt anstrengend, weil er meinte, man müsse ganz fest aufdrücken. Als ich noch einmal hinterfragte, ob ich wirklich so doll drücken muss, weil das anstrengend ist, bejahte er. *grml* Naja, ich habe es ihm nicht übel genommen.
    Nachdem wir dann die Merkmale einer Vorgangsbeschreibung erarbeitet hatten und uns ein Beispiel angesehen hatten, wiederholten wir das Ganze: Die Schüler sollten die Vorgangsbeschreibung schriftlich verfassen und dann rief ich einen Schüler nach vorne, der nach diesen Anleitungen wischen sollte. Und schon merkten die Schüler, dass das doch nicht so einfach ist, wie sie am Anfang dachten. („Das ist doch voll einfach! Müssen wir das wirklich aufschreiben?“)
  • In Englisch  habe ich Mr Egg vorgestellt (zur Einführung der if-clauses), d.h. ich habe fast die ganze Stunde erklärt, gemalt und abschreiben lassen. Die Stunde war trotz des frontalen Charakters ein voller Erfolg. Die Schüler mochten Mr Egg sehr und verließen den Raum mit den Worten: „War schön heute.“ Das sagten sie wahrscheinlich auch, weil sie nicht aktiv mitmachen und sich etwas berieseln lassen konnten, aber schön ist es trotzdem irgendwie.
  • Abgesehen davon, dass die Stunden gut liefen, aber sehr anstrengend waren, waren die Pausen auch keine Erholung. Schlechte Laune einiger Kollegen, oben beschriebener Ärger mit einem Konflikt zwischen Schülern und damit zusammenhängendem Elterngespräch und viel zu neugierige Schüler…

Alles in allem ein schöner Tag, an dem ich endlich mal wieder zufrieden mit mir selbst war, doch auch total kaputt und geschafft. Heute habe ich dann eher Sparflamme gefahren, was auch dadurch kommt, dass ich heute mehr hospitierte als alles andere.

Nun muss ich noch ein paar Stunden warten bis mein Herzallerliebster hier ist und dann wird gemeinsam der Rest des Abends genossen. Morgen eine letzte Runde, doch ich bin zuversichtlich, weil ich  mir wieder etwas Schönes ausgedacht habe. Noch lieber wäre mir allerdings Wochenende! 😉

Sind das Rosinen?

Meine Mentorin pflegt ja immer zu sagen, dass wir uns gar nicht über unsere Schüler beschweren dürfen, da wir das Glück hätten, die Rosinen unter den Schülern an der Schule zu haben. Damit mag sie nicht ganz unrecht haben, wenn man sich 1. die harten Aufnahmebedingungen der Schule und 2. die Gesamtschulen der Stadt anschaut.
Andererseits habe ich mich heute bei der Kontrolle der Tests darüber gewundert, dass diesen Rosinen trotzdem irgendetwas fehlen muss. Jedes Mal sage ich vor den Vokabeltests an, dass sich die Schüler auch die Beispielsätze im Buch anschauen sollen, da ich diese im Test abfragen werde. Ihr werdet glauben, dass das zu einfach ist; das dachte ich am Anfang auch. Man kann aber beim Durchsehen der Tests gar nicht glauben, dass ich das gesagt habe… weder die Vokabeln, geschweige denn die Sätze sitzen. Woran liegt das? Kann mir das irgendjemand sagen??? Warum gibt es trotzdem Schüler mit 4 oder 5? Wieso? Sind sie zu dumm, meine lieben Rosinen? Fehlt ihnen etwas im Gehirn? Oder sind sie schlicht und einfach zu faul? Nicht ehrgeizig genug?
Meine Mentorin scheint sich damit abgefunden zu haben. „Wir nehmen so lange diese Sätze bis sie es verstanden haben und diese lernen. Das ist auch für uns einfacher.“ Gut, machen wir so. Verstehen kann ich es trotzdem nicht.

Auf meine E-Mail nach Wales hat übrigens noch keiner geantwortet. Das Semester müsste gerade angefangen haben – vielleicht sind sie im Stress, weil ein (oder mehrere) neuer Fremdsprachenassistent da ist. Ich hoffe trotzdem, dass sich bald jemand meldet.
Ich wäre aber auch nicht ich, wenn ich nicht noch einen Plan B und C in petto hätte – ich bin also noch ganz optimistisch gestimmt.

Morgen probiere ich wieder einige neue Methoden aus und bin schon gespannt, wie meine Schüler reagieren. Physikexperimente im Deutschunterricht? (Vorgangsbeschreibung)
„Lebendige“ Eier im Englischunterricht? (Einführung der neuen Grammatik)
Hach, das wird grandios! (hoffe ich)
Noch grandioser war es heute allerdings im Lehrerzimmer: Feier der frischgebackenen Omis. Man stelle sich 3 glückliche Frauen vor, die alle gerade Oma geworden sind und Fotos herumzeigen, + gefühlte 20, die die Kinderchen bestaunen. Die Geräuschkulisse kann sich jetzt jeder selbst vorstellen. Absolut süß das alles! Und als dann meine Mentorin noch damit herausrückte, dass auch sie letzte Nacht Oma geworden ist, haben sich die Frauen gar nicht mehr halten können. Und die Männer? Tja, die haben wohl einen großen Bogen um das Lehrerzimmer gemacht… Warum wohl? 🙂

Nächtlicher Ideenfundus

Nachts hat man immer die besten Ideen – zumindest ist das bei mir so.
Als ich diese Nacht über meine „Staatsexamensarbeit“ nachdachte, kamen mir wieder ein paar neue Visionen, worüber ich genau schreiben könnte. Grob steht das Thema zwar schon, doch konnte es nicht zuletzt aufgrund der Krankheit meiner Betreuerin noch nicht genau festgelegt werden. Und damit ich mit konkreten Ideen auftreten kann, denke ich hin und wieder, wenn ich Zeit habe, über mein Projekt nach. Grob gesagt sollen die Schüler mit Hilfe unterschiedlichster Techniken (vor allem mit Hilfe neuer Medien) interkulturelle Kompetenz zu Wales erlangen. Warum Wales? Weil ich dort selbst ein halbes Jahr war, als Lehrassistentin gearbeitet habe (neben dem Auslandsstudium) und das Land einfach faszinierend finde. Umso begeisterter stellte ich also fest, dass unser schönes Lehrbuch dieses Land auch aufgreifen möchte (wenn auch leider nicht in der Intensität).
Wie ich da also lag und darüber nachdachte, kam mir die naheliegende und doch brilliante Idee, dass ich ja meine alten Kontakte noch einmal aufgreifen könnte, um nach einer E-Mail-Partnerschaft zu fragen. Gedacht, getan. Tatsächlich fand sich in den Weiten meines Laptops noch eine Kontaktadresse der Schule. Soeben habe ich eine E-Mail rausgeschickt und stellte mit Erstaunen fest, dass keine Fehlermeldung zurück kam. Die Adresse ist also noch gültig und meine Anfrage angekommen.
Jetzt bin ich echt mal gespannt, ob da eine Antwort kommt. *Spannung*

Achterbahn der Gefühle

Ihr glaubt nicht, wie anstrengend und kräftezehrend diese Woche war. Eigentlich wollte ich alles ganz entspannt angehen und mich mal nicht bis spät abends an den Schreibtisch setzen (was ich auch erfolgreich geschafft habe), aber irgendwie war ich trotzdem nach Feierabend so fertig, dass ich kaum etwas geschafft habe. Ob es daran liegt, dass ich kein Fleisch und keinen Fisch mehr konsumiere und mir Eisen fehlt (bin ja sehr anfällig für Blutanämie)? Oder ob ich mich insgeheim doch so kaputt geackert habe (zumindest gedanklich nie ganz weg von der Schule gekommen bin), dass ich immer so fertig war? Ich weiß es nicht…

Dienstag fing alles gut an. Meine Stunde in der 7. lief gut und meine Mentorin hatte nicht viel zu bemängeln.

Mittwoch fand dann der Unterrichtsbesuch in der 2./3. Stunde statt. Das wäre ja alles kein Problem gewesen, wenn ich nicht schon seit Wochen ratlos gewesen wäre, wie ich das Thema möglichst ansprechend und kooperativ gestalten kann – so wollte es nämlich mein Seminarleiter sehen. Weder meine Mentorin noch ich hatten eine zündende Idee… und so machte ich mich erst am Montag und Dienstag so richtig an die Planung. *hust* Ich weiß, das ist SEHR kurzfristig, aber ich wusste einfach wirklich keinen Weg. Das soll schon etwas bedeuten, denn sonst bin ich bekannt dafür, immer eine tolle Methode parat zu haben. Dienstag entließ mich meine Mentorin dann mit den „aufmunternden“ Worten: „Da haben Sie sich ja ganz schön was vorgenommen. Das wird nicht einfach!“ Die Frau versteht es, Mut zu machen.

Tja, und am Mittwoch nahm dann das Unglück seinen Lauf. Englisch, 0./1. Stunde – Ich habe Wortfindungsstörungen und kann mich nicht richtig ausdrücken. Der Schülervortrag geht absolut am Thema vorbei, sodass ich darauf nicht aufbauen kann. Die Schüler haben anscheinend alles vergessen, was vor den Ferien gemacht wurde, sodass nicht auf Vorwissen aufgebaut werden kann. Oh man!!! Ich habe die Stunde am Ende zwar einigermaßen rund gekriegt, aber wenn das meine Prüfung gewesen wäre… huiuiui…
Naja, sowohl meine Betreurin in der 10. Klasse als auch meine Mentorin bauten mich auf: „Sie waren mit den Gedanken schon im Unterrichtsbesuch. Das ist alles nicht schlimm, dafür machen Sie es jetzt umso besser. Und bei uns läuft auch nicht immer alles gut, obwohl wir schon Jahrzehnte im Beruf sind.“ Das war echt lieb.
Etwas motivierter ging ich also in meinen Unterrichtsbesuch. Wenigstens in Deutsch habe ich die nötigen Wörter gefunden, viele Schüler haben gut mitgearbeitet und auch ich habe mich recht wohl gefühlt. Einziges Manko: Zeitmanagement. Eigentlich kann ich das ganz gut; meist kann man die Uhr danach stellen. Aber diesmal hat es nicht geklappt. Ich wusste, dass es eng war, aber hätte nicht gedacht, dass mir am Ende 10 Minuten fehlen! Dadurch haben wir die Auswertung nicht geschafft und ich hatte Angst, dass mir das angekreidet wird. Klar wurde das als Kritikpunkt aufgeführt, aber ich wurde dafür gelobt, wie gut ich den Bogen doch noch bekommen hätte und wie effizient ich die kurze Auswertungszeit genutzt hätte. Und auch meine sonst immer so oft kritisierte Lehrerpersönlichkeit hat wahnsinnig viel Lob bekommen. „Man merkt, dass sie eine gute Beziehung zu den Schülern haben und diese Sie sehr mögen.“ 🙂
Zwei andere Kleinigkeiten wurden noch kritisiert, aber im Großen und Ganzen habe ich mehr Lob als Kritik bekommen. Außerdem musste mein Seminarleiter auch vor meiner Mentorin noch einmal betonen, wie toll doch meine Präsentation im Seminar war. Auf die Note warte ich zwar noch, aber schlecht kann es auf keinen Fall werden.
Und was mich am meisten überrascht hat: „Ich habe auch mit Ihrer Deutschseminarleiterin gesprochen und sie meinte, dass Sie das super machen und Ihre Stunden sehr solide und gut strukturiert sind, sodass man sich bei Ihnen keinerlei Sorgen machen muss. Das habe ich jetzt auch gesehen.“ – Mein Herz lachte, weil auch meine Mentorin alles mitbekam und jetzt hoffentlich nicht mehr alles ganz so stark auseinandernimmt. Natürlich will sie mir damit helfen, aber manchmal fehlt doch ein kleines Lob.

Gestern kam meine Stunde dann leider nicht so gut bei meinen Schülern an – Pantomime ist in dem Alter wohl doch zu peinlich. Aber man lernt ja noch, weswegen ich es ihnen nicht übel nehme. Überhaupt schienen sie aber unterfordert zu sein, obwohl wir an dem grammatischen Schwerpunkt noch nicht lange gearbeitet hatten. In Zukunft wird also mehr angezogen und ich bin auf den Test gespannt, der am Dienstag ansteht.
Süß waren die Schüler aber vor der Stunde – die leuchtenden Augen und der freudige Ausruf meines Namens, als sie mich sahen und warteten, dass ich den Raum aufschließe. Für solche Momente lohnen sich all die Strapazen doch.

Heute lief dann auch alles wieder nach Plan. Ich habe heute KEINE Kritik bekommen, obwohl ich sogar zwei Stunden gehalten habe. Besser kann ein Wochenende nicht beginnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen erholsame Tage! 🙂