Wieder was gelernt

Als meine Mentorin mir gestern am Telefon erzählte, wie überrascht die Schüler von meinem Test waren und wie fehlerhaft die Lösungen beim Herumgehen aussahen, dachte ich noch, sie hätte übertrieben. Heute früh bemerkte ich aber schon beim 1. Blick auf die Tests, dass sie wohl nicht übertrieben hatte…
In meiner Freistunde der 1. Schock. Nach Durchsicht der 1. Aufgabe zur Grammatik schwante mir schon Böses. Kein einziger Schüler hatte volle Punktzahl, viele keinen einzigen. Oh man, was sollte das noch werden?
Heute Nachmittag beantwortete sich diese Frage: Die reinste Katastrophe.
Fazit: Nur eine 3, der Rest Vieren, Fünfen und Sechsen. Hiermit revidiere ich also meine Aussage: Es ist durchaus möglich, trotz des viel zu sanften neuen Leistungsbewertungserlasses eine Sechs zu schreiben. Einfach keine Vokabeln lernen und die Grammatik nicht noch einmal zu Hause wiederholen und schon wird das was.
Und nun? Bewertet wird der Test nicht, das kann ich einfach nicht machen. Bei einem Durchschnitt von 4,86 gehen mir die Eltern doch auf die Barrikaden. Lerneffekt sollte aber hoffentlich trotzdem vorhanden sein.

Dabei lernen sie gleich Mehreres:
Die Schüler machen den Test zu Hause noch einmal ordentlich, mit Buch und Vokabelliste sowie Grammatikerklärung und beschäftigen sich somit noch einmal ausführlich mit dem Lernstoff.
Außerdem merken sie, dass Unterricht bei der Referendarin nicht bedeutet, dass keine Anforderungen mehr gestellt werden. Ja, es soll mehr Spaß machen und ja, wir probieren neue Methoden aus und ja, der Unterricht wird abwechslungsreicher, ABER das heißt nicht, dass keine Anforderungen an die Schüler gestellt werden und keine Vokabeln/ Grammatik mehr gelernt werden müssen. Bisher war ich immer so nett und habe Tests quasi mit dem Zaunpfahl angedeutet. Kaum mache ich das mal nicht, lernt auch keiner.
Hoffentlich lernen sie also, dass sie auch bei mir kontinuierlich lernen müssen und jederzeit eine Vokabelkontrolle erfolgen kann – ob nun als Test oder mündliche Leistungskotrolle.

Und ich lerne, dass ich manchmal doch noch strenger und härter sein muss…
Memo an alle Sprachlehrer/ -referendare: Den Schülern kontinuierlich und konsequent deutlich machen, dass die Vokabeln immer gelernt werden müssen! Schließlich gehört das zum Erlernen einer Sprache dazu.

Heute lief die Stunde aber sehr gut. Gleich am Anfang bin ich ziemlich laut geworden, weil es mir einfach zu unruhig war und darauf folgte eine Grammatikstunde, die nahezu vorführfähig war. Die Mentorin war endlich mal zufrieden und ich auch. Vielleicht wird das ja doch noch etwas mit mir. 😉

Und jetzt bin ich mal gespannt, wie die Schüler morgen reagieren, wenn sie ihre Noten sehen (die ich natürlich nicht eingetragen habe).

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3 Kommentare zu “Wieder was gelernt

  1. In Bayern waren solche Exen (Stehgreifaufgaben) an der Tagesordnung. Wir haben sie gefürchtet und gehasst.
    Hier in NRW gibt es die nicht. Nur angekündigte (mind. 1 Woche vorher) Tests. Sie werden immer noch gefürchtet und gehasst – und besser fallen die bei weitem nicht aus. So aus dem Gefühl heraus.

    • Interessante Beobachtung. Eine Mitreferendarin erzählte mir auch, dass sie das gar nicht kenne…
      Meine Schüler schneiden allerdings wirklich viel besser ab, wenn ich die Tests vorher ankündige.
      Woran das wohl liegt, dass das nach deinem Gefühl bei euch nicht so ist? Würde mich wirklich interessieren… Hast du eine Idee?
      Stellt sich nur die Frage, wie sinnvoll die eine und die andere Variante wirklich ist. Hat natürlich beides seine Vor- und Nachteile, aber ich glaube, darüber muss ich nochmal im Stillen philosophieren. 😉

      • Ich glaube, es könnte daran liegen, dass wenn man nur eine der beiden Varianten kennt, keinen unterschied im Lernverhalten zu der jeweils anderen Variante an den Tag legt.
        Wenn man beide Varianten praktiziert, dann schon.

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