Durchhalten ist die Devise…

In letzter Zeit ist mir nachmittags manchmal nur noch nach Weinen zumute, wenn ich in der Straßenbahn nach Hause sitze. Woran das liegt? Tja, das Zappelbein ist im Moment einfach nur restlos überfordert, was man auch daran merkt, dass selten im Blog geschrieben wird.

Zum Einen erhalte ich in letzter Zeit sehr viel Kritik. Scheinbar entwickle ich mich nicht schnell genug oder baue neue Fehler ein, wenn ich mich auf die Behebung anderer Fehler konzentriere. Irgendwie schaffe ich es noch nicht, wirklich all die Kleinigkeiten zu beachten, die meinen Mentoren wichtig sind. Wenn ich ein Gespräch gut leite, dann vergesse ich, auch die schwachen Schüler dranzunehmen, die sich nicht melden und wenn ich daran denke, auch diese Schüler dranzunehmen, dann verhapere ich mich in der Zeit, weil natürlich nicht sofort die Antworten kommen, die ich mir erwünscht hatte. Methodisch bin ich wohl superfit, meine Stundenplanungen sind auch sehr gut, aber an der Umsetzung hapert es dann doch an einigen Stellen. Ich bin entweder nicht streng genug oder überblicke die Klasse nicht vollständig und ermahne deswegen nicht jeden Einzelnen oder gestalte das Tafelbild unübersichtlich oder oder oder… irgendwas ist immer. Und am meisten ärgert mich eines in Englisch: Entweder bringe ich zu wenig Persönlichkeit in den Unterricht ein und halte dadurch (weil ich zwischendurch nicht kommentiere oder Witze mache) meinen Zeitplan ein oder ich bringe viel Persönlichkeit ein (was auch bei allen gut ankommt), aber verhapere mich dann in der Zeit und in einigen Situationen wird es unruhiger… das ärgert mich und ich habe irgendwie noch nicht den Dreh raus. Vor allem sind die Schüler immer so begeistert von stupiden Dingen, z.B. schülernahen Themen, sodass es schnell unruhig wird. Das muss ich noch in den Griff kriegen.
Aber irgendwie denke ich mir auch, dass ich noch relativ am Anfang stehe und die Mentoren jetzt noch nicht erwarten können, dass ich schon alles perfekt mache…

Andererseits zeige ich aber auch einige Stunden, an denen meine Mentoren nichts auszusetzen haben und alles gut finden bis auf kleine Teilsätze oder Nachfragen, die ich hätte anbringen können, um die Stunde noch abzurunden. Das motiviert, auch wenn meine Mentoren eher spärlich mit Lob umgehen.

Vielleicht bin ich aber auch einfach zu selbstkritisch und kleinlich… gerade, wenn ich eh gestresst bin und wenig Zeit für andere Dinge habe, nehme ich mir Vieles sehr zu Herzen. Und dann passiert es eben, dass ich in der Straßenbahn sitze und am liebsten weinen möchte. Und dann wünsche ich mir neben meiner Katze auch noch meinen Partner zu mir nach Hause, der mich in den Arm nimmt und mir zeigt, dass alles gar nicht so schlimm ist. Wenn ich ihm dann erzähle, was kritisiert wurde, sagt er ja selbst, dass das keine gravierenden Dinge sind, aber irgendwie…
Naja, Zeit zum Jammern habe ich eh nicht. Kaum zu Hause angekommen muss erstmal der Magen, der schon in die Kniekehlen gerutscht ist, gefüllt werden und dann wird im Akkord bis abends weitergearbeitet. Abends bin ich dann zu müde, um mir noch viele Sorgen zu machen und falle nur noch ins Bett… Und dann startet ein neuer Tag mit neuem Mut.

Am Montag habe ich nun auch noch erfahren, dass schon einige aus meinem Seminar ernsthaft darüber nachgedacht haben (und nachdenken), das Referendariat abzubrechen. Das ist einerseits natürlich schade, dass einige an den hohen Anforderungen scheitern, andererseits macht es mir aber auch irgendwie „Mut“, weil ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Und Spaß macht es trotz allem. Also wird durchgehalten, sich durchgebissen und irgendwann kommen auch wieder bessere Zeiten.
In einem Monat sind wir schon in den Weihnachtsferien und auch wenn ich dann meine Präsentation vorbereiten muss, finde ich in den 3 Wochen sicherlich Zeit, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und Kraft für den nächsten Abschnitt zu sammeln. Schließlich geht es dann auch in den eigenverantwortlichen Unterricht.
Und wenn es weiterhin so stressig bleibt, dann gibt es dieses Jahr einfach keine Weihnachtsgeschenke, so! 😀
Nun aber ab ins Theater, Deutschlehrer haben abends eben auch nicht frei. „Der Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt, ich bin gespannt.

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