„Wenn du möchtest, darfst du mich nach Schottland begleiten.“

Lange hatte ich auf diesen Satz gewartet und nun war es endlich so weit – meine Mentorin fragte mich gestern, ob ich die Elfer mit nach Schottland begleiten möchte. Und natürlich sagte ich ja. Schottland ist eines meiner absoluten Lieblingsländer, auch wenn ich bisher erst ein Mal in meinem Leben die Möglichkeit hatte, mir dieses wundervolle Land anzuschauen. Edinburgh ist einfach eine wunderschöne Stadt und die Highlands ein Traum. Und auch wenn wir es wohl nicht weiter als Loch Lomond schaffen, freue ich mich schon riesig darauf. Da war ich ja vor 2,5 Jahren schon mal und es war einfach fabelhaft! Ob die Schüler das auch zu schätzen wissen? Oder ob sie tagsüber verkatert im Bus sitzen und in Ruhe gelassen werden wollen? Man wird sehen…

Und dies war nicht das einzige Highlight, das mich diese Woche ereilte.
Am Mittwoch durfte ich schon um 5.20 Uhr aufstehen, da ich ab sofort die 10. Klasse in Englisch in der 0. und 1. Stunde hospitieren und irgendwann auch unterrichten darf. 0. Stunde ist echt hart, das hat man auch den Schülern angemerkt. Naja, und dementsprechend schlecht liefen auch irgendwie meine Stunden an dem Tag. Zwar war ich super vorbereitet, doch trotzdem lief es irgendwie nicht so richtig… Da Matheolympiade war, nahmen viele Schüler nicht am regulären Unterricht teil und die anderen gingen wohl auch davon aus, dass sie, aus Fairness, ebenfalls nur Larifari-Unterricht machen würden. Dementsprechend schleppend lief es auch, die Motivation war auf dem Tiefststand.
Völlig fertig und müde machte ich mich auf dem Nachhauseweg und schrieb mit meinem fabelhaften Freund, mit dem ich an diesem Tag ein halbes Jahr zusammen war. Wir schrieben, wie gern wir den Tag miteinander verbringen würden, wie schön es wäre, wenn er jetzt da wäre, warmes Essen auf dem Tisch stände und er mich aufbauen könnte… mein Selbstvertrauen hatte ich nämlich an dem Tag in der Schule gelassen. Und nun dürft ihr raten, was oder wer mich zu Hause erwartete. Richtig! Mein Traummann mit leckerem Essen (Germknödel – yammie!). Und auch wenn ich die letzten 2 Tage nicht wirklich Zeit für ihn hatte und wir nur abends unsere traute Zweisamkeit genießen konnten, freue ich mich riesig, dass er da ist. Wie schön wäre es, wenn es immer so sein könnte… ja, ich weiß… aber man wird ja wohl noch träumen können.

Gestern und heute liefen dann meine Unterrichtsstunden auch sehr viel besser. Heute gab es sogar gar nichts wirklich zu kritisieren, was mich echt freute. Am herrlichsten waren die Gesichter, nachdem der Lieblingssatz aller Schüler fiel: „Zettel raus, Test!“ Ich maße mir sogar an zu behaupten, in den Gesichtern gelesen zu haben, dass sie für einen Moment überlegten zu diskutieren… aber sie ließen es.
Und auch wenn eigentlich nicht alle abgeben sollten, erhielt ich am Ende der Leistungserhebung fast alle Tests… juchhu, meine Zeit ist gerettet! Fast wäre es mal zu Freizeit gekommen. 😉

An dieser Stelle muss ich mich auch mal allgemein über das Leben als Referendar auslassen: Gestern fand unser Fachseminar Englisch nicht mit unserer Seminarleiterin, sondern mit einem ehemaligen Referendar statt, der uns Frage und Antwort stehen und etwas über den Prüfungstag und das Kolloquium erzählen sollte. Und was er uns erzählte, geht auf keine Kuhhaut… Man kann nur hoffen, dass wir alle nicht so gefrustet aus dem Referendariat herausgehen. Bisher habe ich das alles noch gar nicht als so schlimm empfunden, aber vielleicht bin ich auch zu naiv und blauäugig? Folgende Punkte erschraken mich am meisten:

  1. Die Seminarleiter tun während der Ausbildung immer so nett und verständnisvoll und geben einem die Kraft, die man auch benötigt, aber am Ende bzw. nach Leistungserhebungen wird dann mit der Note abgerechnet. Und die fällt wohl nicht immer fair und erst recht nicht gut aus. In Präsentationen wird nicht zugehört und gequatscht und dann eine 3 vergeben, in schriftlichen Arbeiten lässt der letzte Satz die Arbeit noch einmal um eine Note schlechter werden…
  2. Die Seminarleiter wissen nicht, was sie wollen. Vor der Prüfung sagen sie, welche Arbeits- und Sozialformen sich anbieten würde und nach der Prüfung sagen sie, dass diese Arbeits- und Sozialformen absolut unangemessen waren und warum man nicht dieses und jenes gemacht hätte. Muss man das verstehen? Auch andere Teilnehmer des Seminars berichteten von ihren ersten Besuchen, wobei sich hier herausstellte, dass bei dem einen etwas gut war, was beim anderen als absolut unangemessen betitelt wurde. So viel zur Transparanz der Leistungsbewertung…
  3. Die Seminarleiter verlangen doch allen Ernstes, dass man ihnen am Prüfungstag ein zweites Frühstück anbietet… „Mit Keksen und Kuchen ist es aber nicht getan“. Belegte Brötchen sollten es schon sein… Was nehmen die sich eigentlich heraus? Und wer hat damit angefangen, dass es jetzt alle machen müssen? Und es kann doch auch nicht legitim sein, das in die Bewertung einfließen zu lassen? Meine Kollegin meinte heute gleich, dass man das doch nach der Prüfung mal an die Tageszeitung weitergeben sollte, damit solche Missstände mal offen gelegt werden. Gar keine schlechte Idee… sonst kann sich nie etwas ändern. Ein gemeinsamer Boykott scheitert aber auch, weil sich gleich einige aus dem Seminar dagegen gestellt hatten… wohl aus Angst um ihre Note.

Insgesamt wirkte er auch sehr abgeklärt mit der ganzen Sache… ob er immer solche Ansichten hat oder ob es aus dem Frust heraus entstand, kann ich nicht beurteilen. Zumindest brachte er auch andere Ansichten an den Tag, die ich nicht so ganz stützen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Entmutigt bin ich trotz allem nicht und ihr solltet das auch nicht sein. Wir müssen einfach kämpfen und uns die Unterstützung an anderen Stellen holen, von Mitreferendaren, Kollegen, Freunden, Familie oder dem Partner. Kopf hoch! Wenn andere das schon geschafft haben, können wir das auch schaffen. 🙂

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Ein Kommentar zu “„Wenn du möchtest, darfst du mich nach Schottland begleiten.“

  1. Leider hatte ich nicht die Kraft jetzt alles zu lesen. Jedoch in den ersten Zeilen stimme ich dir voll zu. Schottland ist fabelhaft. Hab Kursfahrt in der 12ten dort hin gemacht. Leider war es viel zu kurz. Doch vor kurzen fand ich meine Postkarten von unserer Rundreise. Ich hätte allerdings lieber mehr „Auslauf“ gehabt. Wir sind ständig im Bus gewesen und das macht mich einfach müde auch ohne Kater.

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