Optimisten leben besser

Froh, dass der Unterricht für heute vorbei war, schaute ich nichtsahnend auf mein Mobiltelefon. Neben den üblichen E-Mails und
tollen WhatsApp-Nachrichten meines Partners fand ich eine SMS meines besten Freundes: „Wer frisch gebackene Plätzchen will, muss vorbeikommen. ;)“
Jaaaaa, frisch gebackene Plätzchen! Als selbsternannte größte Naschkatze des Universums kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen als das Schlaraffenland. Und Kekse sind eh immer hoch im Kurs. Doch nach wenigen Millisekunden der Freude macht sich die Realität wieder breit. Nein, Zappelbein, du hast heute keine Zeit, auf dem Heimweg bei ihm vorbeizufahren, weil du schnell zum Englischseminar musst… und morgen musst du auch sofort nach der Schule nach Hause. Samstag hast du dann Erste-Hilfe-Kurs und danach geht es zur Goldenen Hochzeit deiner Großeltern. Tja, und Sonntag ist selbst erkorener Kuschel-Ruhe-Nichtbewegen-Tag mit dem Traummann… Menno, doch keine Kekse. Oder selbst backen. Ooooooder jemand von euch hat doch eine Clonmaschine erfunden, sodass ich nicht persönlich zum Erste-Hilfe-Kurs muss? 😉
Aber allen, die an diesen Plätzchen ihren Gaumenschmau haben können, wünsche ich natürlich die explosivsten Geschmäcker im Mund. Ich erfreue mich dann zu einem späteren Zeitpunkt an leckeren Weihnachtskeksen.

Dafür konnte ich mich in der Schule an anderen Sachen erfreuen:

  1. Die Schottland-Fahrt steht fest. Nachdem es anfangs nämlich nicht so aussah, als würden sich aufgrund des hohen Preises nicht ausreichend Schüler finden, kam heute endlich die erlösende Nachricht. Meine Mentorin und ich zählten noch mal alle Anmeldungen durch und tadaaaa: 40 Schüler + 2 auf der Reserveliste! Jetzt wird gebucht und dann kann es losgehen. Yeah!
  2. Meine Englischstunde lief heute schon wieder gut. Irgendwie hab ich grad einen Lauf… oder meine Mentorin ist weniger streng? Nee, eigentlich nicht. Wieder gab es kaum etwas zu kritisieren und es ließ sich sogar ein kleines Lob entlocken. („Die Zeitplanung hast du ja die ganze Woche gut hinbekommen; du hast immer alles geschafft, was du dir vorgenommen hattest.“) Und gestern gab es sogar noch einen lieben Tipp für meinen Unterrichtsbesuch nächste Woche, der auch zeigte, dass sie es gut mit mir meint und nichts gegen mich als Mensch hat.
  3. Auch meiner Deutschmentorin habe ich heute ein kleines Lob entlocken können. Zwar hatte sie es nicht geschafft, sich meine Planung für morgen in Ruhe anzuschauen (sie hat letzte Woche gesagt, dass sie mir da vertraue und sie eigentlich nicht mehr drübergucken müsse). Da ich aber eine kleine Frage hatte, warf sie doch einen kurzen Blick darauf und da platzte doch tatsächlich ein „Schön!“ aus ihr heraus. Aber mit der Gedichtauswahl für morgen habe ich sie eh schon für mich gewonnen. 😉 (Joseph von Eichendorff – Winternacht)
    Jetzt muss ich das morgen nur noch umsetzen können. Ich habe mir extra fett und rot in meine Planung geschrieben, auf welche Dinge ich unbedingt achten muss – schließlich ist diese Klasse mit ihrem vorpubertären Alter langsam nicht mehr auszuhalten, sodass ich unbedingt strenger und konsequenter werden muss. Ich hoffe, diese Sätze in meiner Planung helfen mir morgen dabei.

Das einzig „Negative“ war heute unser special guest im Englischseminar. Nichts gegen die liebe Frau und ihre Mühe, uns von ihren Erfahrungen im Referendariat zu erzählen und uns Hinweise für die schriftliche Abschlussarbeit zu geben, aber etwas demotivierend war das schon… Schon allein ihr Thema war ziemlich heftig (emotionale Bildung anhand von Shaun das Schaf).
Als sie dann die Arbeit zum Hereingucken herumgab, wurde mir regelrecht schlecht. Sie hatte sich solche riesige Mühe damit gegeben, für jede Stunde unheimlich viel gebastelt, vorbereitet, kopiert usw., sogar Fotos hatte sie gemacht. Ganz nebenbei hat sie noch die Arbeit mit Portfolios sowie die Optimierung von Gruppenarbeiten reflektiert… UND einen Vorschlag für eine curriculare Verankerung der emotionalen Kompetenz in den Bildungsstandards formuliert. Mit Anhang wurden aus der Arbeit statt 30 Seiten mal locker 100 Seiten, wobei im Anhang meist 4 Blätter auf eines kopiert wurden, es also dementsprechend reduziert wurde. Außerdem war es nur eine Auswahl des Materials. Ich bin erstaunt… und geschockt… aber auch motiviert, dass ich da doch etwas Kreativeres und Aufwendigeres gestalte, als ich es bisher geplant hatte. (Wenn man von einem Plan reden kann… 😉 )

Somit können wir diesen Punkt also auch als eher positiv abhaken und den Tag als gelungen ansehen. Und das zeigt mal wieder: Optimismus ist schon die halbe Miete im Referendariat. 🙂

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Wieder was gelernt

Als meine Mentorin mir gestern am Telefon erzählte, wie überrascht die Schüler von meinem Test waren und wie fehlerhaft die Lösungen beim Herumgehen aussahen, dachte ich noch, sie hätte übertrieben. Heute früh bemerkte ich aber schon beim 1. Blick auf die Tests, dass sie wohl nicht übertrieben hatte…
In meiner Freistunde der 1. Schock. Nach Durchsicht der 1. Aufgabe zur Grammatik schwante mir schon Böses. Kein einziger Schüler hatte volle Punktzahl, viele keinen einzigen. Oh man, was sollte das noch werden?
Heute Nachmittag beantwortete sich diese Frage: Die reinste Katastrophe.
Fazit: Nur eine 3, der Rest Vieren, Fünfen und Sechsen. Hiermit revidiere ich also meine Aussage: Es ist durchaus möglich, trotz des viel zu sanften neuen Leistungsbewertungserlasses eine Sechs zu schreiben. Einfach keine Vokabeln lernen und die Grammatik nicht noch einmal zu Hause wiederholen und schon wird das was.
Und nun? Bewertet wird der Test nicht, das kann ich einfach nicht machen. Bei einem Durchschnitt von 4,86 gehen mir die Eltern doch auf die Barrikaden. Lerneffekt sollte aber hoffentlich trotzdem vorhanden sein.

Dabei lernen sie gleich Mehreres:
Die Schüler machen den Test zu Hause noch einmal ordentlich, mit Buch und Vokabelliste sowie Grammatikerklärung und beschäftigen sich somit noch einmal ausführlich mit dem Lernstoff.
Außerdem merken sie, dass Unterricht bei der Referendarin nicht bedeutet, dass keine Anforderungen mehr gestellt werden. Ja, es soll mehr Spaß machen und ja, wir probieren neue Methoden aus und ja, der Unterricht wird abwechslungsreicher, ABER das heißt nicht, dass keine Anforderungen an die Schüler gestellt werden und keine Vokabeln/ Grammatik mehr gelernt werden müssen. Bisher war ich immer so nett und habe Tests quasi mit dem Zaunpfahl angedeutet. Kaum mache ich das mal nicht, lernt auch keiner.
Hoffentlich lernen sie also, dass sie auch bei mir kontinuierlich lernen müssen und jederzeit eine Vokabelkontrolle erfolgen kann – ob nun als Test oder mündliche Leistungskotrolle.

Und ich lerne, dass ich manchmal doch noch strenger und härter sein muss…
Memo an alle Sprachlehrer/ -referendare: Den Schülern kontinuierlich und konsequent deutlich machen, dass die Vokabeln immer gelernt werden müssen! Schließlich gehört das zum Erlernen einer Sprache dazu.

Heute lief die Stunde aber sehr gut. Gleich am Anfang bin ich ziemlich laut geworden, weil es mir einfach zu unruhig war und darauf folgte eine Grammatikstunde, die nahezu vorführfähig war. Die Mentorin war endlich mal zufrieden und ich auch. Vielleicht wird das ja doch noch etwas mit mir. 😉

Und jetzt bin ich mal gespannt, wie die Schüler morgen reagieren, wenn sie ihre Noten sehen (die ich natürlich nicht eingetragen habe).

Soziale Netzwerke im Unterricht

Ich glaube, heute habe nicht nur ich mir gewünscht, dass eine Schulstunde mehr als 45 Minuten hat. Die Schüler hingen so an meinen Lippen und waren so interessiert an den Inhalten, dass wir wohl alle gern noch weitergemacht hätten und in eine tiefergehende Diskussion eingestiegen wären. Womit man die Schüler begeistert? Facebook/ soziale Netzwerke natürlich.

Der hohe Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt. Einen ganzen Nachmittag saß ich an der Stundenplanung, hatte ich doch extra ein Vorführ-Konto angelegt, damit die Schüler nicht  mein richtiges Profil sehen. Noch ein lustiges, aber auch augenöffnendes Video gezeigt und die Schüler waren auf meiner Seite. Natürlich lag das auch daran, dass ich das 1. Mal mit Beamer und allem drum und dran arbeitete. Wäre es nicht so wahnsinnig aufwendig, das immer auf- und abzubauen, würde ich das wohl öfter machen… schade.

Am spannendsten fanden die Schüler den Teil zum Datenschutz. Ich habe ihnen einfachste Grundsätze vor Augen gehalten, z.B. wie das mit dem Verbreiten von Bildern, Videos und Fotos ist. Doch schon das reichte, um die Schüler komplett aus den Bahnen zu werfen. Selten habe ich solche bewegten Reaktionen der Schüler erlebt, selten solche ungläubigen und schockierten Blicke. Aber ich glaube, dass genau das auch den Reiz der Stunde ausmachte. Und natürlich hoffe ich, dass sich die Schüler jetzt am Wochenende mal die Zeit nehmen, über die Ausführungen nachzudenken und ihre Sicherheitseinstellungen zu überprüfen. Das habe ich ihnen natürlich auch noch gezeigt, weil es schließlich nicht so einfach ist, die entsprechenden Buttons bei Facebook zu finden.

Ich empfehle wirklichen allen, bei denen es irgendwie in den Unterricht passt, dieses Thema zu besprechen und mit den Schülern hierüber ins Gespräch zu kommen. Schließlich merkten wir auch alle, wie sich immer wieder neue Themenfelder auftaten, die man diskutieren könnte (Cybermobbing, Freundschaftsbegriff usw.). Ich wünsche mir inständig, dass vor allem die Ethiklehrer sich ausgiebig damit beschäftigen, denn im Deutschunterricht ist dafür leider nicht der nötige Platz. Es lohnt sich aber auf jeden Fall. Und meiner Meinung nach lernen die Schüler hierbei auch viel mehr über das Leben als ich manch anderen Schulstunden.

Durchhalten ist die Devise…

In letzter Zeit ist mir nachmittags manchmal nur noch nach Weinen zumute, wenn ich in der Straßenbahn nach Hause sitze. Woran das liegt? Tja, das Zappelbein ist im Moment einfach nur restlos überfordert, was man auch daran merkt, dass selten im Blog geschrieben wird.

Zum Einen erhalte ich in letzter Zeit sehr viel Kritik. Scheinbar entwickle ich mich nicht schnell genug oder baue neue Fehler ein, wenn ich mich auf die Behebung anderer Fehler konzentriere. Irgendwie schaffe ich es noch nicht, wirklich all die Kleinigkeiten zu beachten, die meinen Mentoren wichtig sind. Wenn ich ein Gespräch gut leite, dann vergesse ich, auch die schwachen Schüler dranzunehmen, die sich nicht melden und wenn ich daran denke, auch diese Schüler dranzunehmen, dann verhapere ich mich in der Zeit, weil natürlich nicht sofort die Antworten kommen, die ich mir erwünscht hatte. Methodisch bin ich wohl superfit, meine Stundenplanungen sind auch sehr gut, aber an der Umsetzung hapert es dann doch an einigen Stellen. Ich bin entweder nicht streng genug oder überblicke die Klasse nicht vollständig und ermahne deswegen nicht jeden Einzelnen oder gestalte das Tafelbild unübersichtlich oder oder oder… irgendwas ist immer. Und am meisten ärgert mich eines in Englisch: Entweder bringe ich zu wenig Persönlichkeit in den Unterricht ein und halte dadurch (weil ich zwischendurch nicht kommentiere oder Witze mache) meinen Zeitplan ein oder ich bringe viel Persönlichkeit ein (was auch bei allen gut ankommt), aber verhapere mich dann in der Zeit und in einigen Situationen wird es unruhiger… das ärgert mich und ich habe irgendwie noch nicht den Dreh raus. Vor allem sind die Schüler immer so begeistert von stupiden Dingen, z.B. schülernahen Themen, sodass es schnell unruhig wird. Das muss ich noch in den Griff kriegen.
Aber irgendwie denke ich mir auch, dass ich noch relativ am Anfang stehe und die Mentoren jetzt noch nicht erwarten können, dass ich schon alles perfekt mache…

Andererseits zeige ich aber auch einige Stunden, an denen meine Mentoren nichts auszusetzen haben und alles gut finden bis auf kleine Teilsätze oder Nachfragen, die ich hätte anbringen können, um die Stunde noch abzurunden. Das motiviert, auch wenn meine Mentoren eher spärlich mit Lob umgehen.

Vielleicht bin ich aber auch einfach zu selbstkritisch und kleinlich… gerade, wenn ich eh gestresst bin und wenig Zeit für andere Dinge habe, nehme ich mir Vieles sehr zu Herzen. Und dann passiert es eben, dass ich in der Straßenbahn sitze und am liebsten weinen möchte. Und dann wünsche ich mir neben meiner Katze auch noch meinen Partner zu mir nach Hause, der mich in den Arm nimmt und mir zeigt, dass alles gar nicht so schlimm ist. Wenn ich ihm dann erzähle, was kritisiert wurde, sagt er ja selbst, dass das keine gravierenden Dinge sind, aber irgendwie…
Naja, Zeit zum Jammern habe ich eh nicht. Kaum zu Hause angekommen muss erstmal der Magen, der schon in die Kniekehlen gerutscht ist, gefüllt werden und dann wird im Akkord bis abends weitergearbeitet. Abends bin ich dann zu müde, um mir noch viele Sorgen zu machen und falle nur noch ins Bett… Und dann startet ein neuer Tag mit neuem Mut.

Am Montag habe ich nun auch noch erfahren, dass schon einige aus meinem Seminar ernsthaft darüber nachgedacht haben (und nachdenken), das Referendariat abzubrechen. Das ist einerseits natürlich schade, dass einige an den hohen Anforderungen scheitern, andererseits macht es mir aber auch irgendwie „Mut“, weil ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Und Spaß macht es trotz allem. Also wird durchgehalten, sich durchgebissen und irgendwann kommen auch wieder bessere Zeiten.
In einem Monat sind wir schon in den Weihnachtsferien und auch wenn ich dann meine Präsentation vorbereiten muss, finde ich in den 3 Wochen sicherlich Zeit, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und Kraft für den nächsten Abschnitt zu sammeln. Schließlich geht es dann auch in den eigenverantwortlichen Unterricht.
Und wenn es weiterhin so stressig bleibt, dann gibt es dieses Jahr einfach keine Weihnachtsgeschenke, so! 😀
Nun aber ab ins Theater, Deutschlehrer haben abends eben auch nicht frei. „Der Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt, ich bin gespannt.

„Wenn du möchtest, darfst du mich nach Schottland begleiten.“

Lange hatte ich auf diesen Satz gewartet und nun war es endlich so weit – meine Mentorin fragte mich gestern, ob ich die Elfer mit nach Schottland begleiten möchte. Und natürlich sagte ich ja. Schottland ist eines meiner absoluten Lieblingsländer, auch wenn ich bisher erst ein Mal in meinem Leben die Möglichkeit hatte, mir dieses wundervolle Land anzuschauen. Edinburgh ist einfach eine wunderschöne Stadt und die Highlands ein Traum. Und auch wenn wir es wohl nicht weiter als Loch Lomond schaffen, freue ich mich schon riesig darauf. Da war ich ja vor 2,5 Jahren schon mal und es war einfach fabelhaft! Ob die Schüler das auch zu schätzen wissen? Oder ob sie tagsüber verkatert im Bus sitzen und in Ruhe gelassen werden wollen? Man wird sehen…

Und dies war nicht das einzige Highlight, das mich diese Woche ereilte.
Am Mittwoch durfte ich schon um 5.20 Uhr aufstehen, da ich ab sofort die 10. Klasse in Englisch in der 0. und 1. Stunde hospitieren und irgendwann auch unterrichten darf. 0. Stunde ist echt hart, das hat man auch den Schülern angemerkt. Naja, und dementsprechend schlecht liefen auch irgendwie meine Stunden an dem Tag. Zwar war ich super vorbereitet, doch trotzdem lief es irgendwie nicht so richtig… Da Matheolympiade war, nahmen viele Schüler nicht am regulären Unterricht teil und die anderen gingen wohl auch davon aus, dass sie, aus Fairness, ebenfalls nur Larifari-Unterricht machen würden. Dementsprechend schleppend lief es auch, die Motivation war auf dem Tiefststand.
Völlig fertig und müde machte ich mich auf dem Nachhauseweg und schrieb mit meinem fabelhaften Freund, mit dem ich an diesem Tag ein halbes Jahr zusammen war. Wir schrieben, wie gern wir den Tag miteinander verbringen würden, wie schön es wäre, wenn er jetzt da wäre, warmes Essen auf dem Tisch stände und er mich aufbauen könnte… mein Selbstvertrauen hatte ich nämlich an dem Tag in der Schule gelassen. Und nun dürft ihr raten, was oder wer mich zu Hause erwartete. Richtig! Mein Traummann mit leckerem Essen (Germknödel – yammie!). Und auch wenn ich die letzten 2 Tage nicht wirklich Zeit für ihn hatte und wir nur abends unsere traute Zweisamkeit genießen konnten, freue ich mich riesig, dass er da ist. Wie schön wäre es, wenn es immer so sein könnte… ja, ich weiß… aber man wird ja wohl noch träumen können.

Gestern und heute liefen dann meine Unterrichtsstunden auch sehr viel besser. Heute gab es sogar gar nichts wirklich zu kritisieren, was mich echt freute. Am herrlichsten waren die Gesichter, nachdem der Lieblingssatz aller Schüler fiel: „Zettel raus, Test!“ Ich maße mir sogar an zu behaupten, in den Gesichtern gelesen zu haben, dass sie für einen Moment überlegten zu diskutieren… aber sie ließen es.
Und auch wenn eigentlich nicht alle abgeben sollten, erhielt ich am Ende der Leistungserhebung fast alle Tests… juchhu, meine Zeit ist gerettet! Fast wäre es mal zu Freizeit gekommen. 😉

An dieser Stelle muss ich mich auch mal allgemein über das Leben als Referendar auslassen: Gestern fand unser Fachseminar Englisch nicht mit unserer Seminarleiterin, sondern mit einem ehemaligen Referendar statt, der uns Frage und Antwort stehen und etwas über den Prüfungstag und das Kolloquium erzählen sollte. Und was er uns erzählte, geht auf keine Kuhhaut… Man kann nur hoffen, dass wir alle nicht so gefrustet aus dem Referendariat herausgehen. Bisher habe ich das alles noch gar nicht als so schlimm empfunden, aber vielleicht bin ich auch zu naiv und blauäugig? Folgende Punkte erschraken mich am meisten:

  1. Die Seminarleiter tun während der Ausbildung immer so nett und verständnisvoll und geben einem die Kraft, die man auch benötigt, aber am Ende bzw. nach Leistungserhebungen wird dann mit der Note abgerechnet. Und die fällt wohl nicht immer fair und erst recht nicht gut aus. In Präsentationen wird nicht zugehört und gequatscht und dann eine 3 vergeben, in schriftlichen Arbeiten lässt der letzte Satz die Arbeit noch einmal um eine Note schlechter werden…
  2. Die Seminarleiter wissen nicht, was sie wollen. Vor der Prüfung sagen sie, welche Arbeits- und Sozialformen sich anbieten würde und nach der Prüfung sagen sie, dass diese Arbeits- und Sozialformen absolut unangemessen waren und warum man nicht dieses und jenes gemacht hätte. Muss man das verstehen? Auch andere Teilnehmer des Seminars berichteten von ihren ersten Besuchen, wobei sich hier herausstellte, dass bei dem einen etwas gut war, was beim anderen als absolut unangemessen betitelt wurde. So viel zur Transparanz der Leistungsbewertung…
  3. Die Seminarleiter verlangen doch allen Ernstes, dass man ihnen am Prüfungstag ein zweites Frühstück anbietet… „Mit Keksen und Kuchen ist es aber nicht getan“. Belegte Brötchen sollten es schon sein… Was nehmen die sich eigentlich heraus? Und wer hat damit angefangen, dass es jetzt alle machen müssen? Und es kann doch auch nicht legitim sein, das in die Bewertung einfließen zu lassen? Meine Kollegin meinte heute gleich, dass man das doch nach der Prüfung mal an die Tageszeitung weitergeben sollte, damit solche Missstände mal offen gelegt werden. Gar keine schlechte Idee… sonst kann sich nie etwas ändern. Ein gemeinsamer Boykott scheitert aber auch, weil sich gleich einige aus dem Seminar dagegen gestellt hatten… wohl aus Angst um ihre Note.

Insgesamt wirkte er auch sehr abgeklärt mit der ganzen Sache… ob er immer solche Ansichten hat oder ob es aus dem Frust heraus entstand, kann ich nicht beurteilen. Zumindest brachte er auch andere Ansichten an den Tag, die ich nicht so ganz stützen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Entmutigt bin ich trotz allem nicht und ihr solltet das auch nicht sein. Wir müssen einfach kämpfen und uns die Unterstützung an anderen Stellen holen, von Mitreferendaren, Kollegen, Freunden, Familie oder dem Partner. Kopf hoch! Wenn andere das schon geschafft haben, können wir das auch schaffen. 🙂

Der Tag des Unglaublichen

1. Nach meiner Verkündung, heute ausnahmsweise mal keine Hausaufgaben aufzugeben, rief ein Schüler ganz enthusiastisch: „Sie sind die beste Lehrerin der Welt!“

Na wenn das so einfach ist, diesen Status zu erhalten… wozu machen sich die ganzen Bildungstheoretiker noch einmal Gedanken darüber, was einen guten Lehrer/ guten Unterricht ausmacht? 😀 Aber ich finde, sie hatten sich das auch echt verdient. Nachdem sie gestern Klassenarbeit geschrieben hatten, rief meine Mentorin mich abends an und verkündete, dass ich heute noch das Diktat schreiben muss – die Schüler wüssten Bescheid. Erstens finde ich Diktate auf Englisch eh schon gemein, die Schüler können das ja nicht mal auf Deutsch. Aber das ist nun mal so von der Fachschaft festgelegt, also machen wir es. Und zweitens dann gleich am Tag nach der Klassenarbeit? Oh man… zumindest hatte ich danach noch Zeit, um mit den Schülern ein lustiges Quiz mit dem möglichen Gewinn einer Klassenfahrt zu machen, sodass ich die Schüler wieder „auf meiner Seite“ hatte. Und dann noch keine Hausaufgaben aufgegeben… das war wohl echt klasse für die Schüler.

2.Bei meinem Besuch beim Direktor, wo ich den lauen Andrang auf den Deutschbereich und die Bibliothek beim Tag der offenen Tür bedauerte, sagt er zu mir: „Naja, nur Bücher auszulegen ist ja auch nicht wirklich interessant für die Eltern.“

Das zeigt doch schon seine klare Haltung zu der Disziplin, oder? Abgesehen davon, dass wir keine Bücher auslegten, sondern eine Vorleseaktion starteten. Aber leider war es auch so, dass viele Erwachsene in den Raum kamen und feststellten, das „sei nur etwas für Kinder“ und sofort wieder gingen. Auch das lässt tief blicken, wie ich finde. Auch der Ethik- und Kunstbereich waren total leer, von anderen Bereichen weiß ich noch nichts. Natürlich waren die Naturwissenschaften aber rege besucht, war ja klar… Er entließ mich nur mit dem Spruch, ich könne mir ja für nächstes Jahr etwas überlegen, weil ich dann auch noch da bin. Na mal sehen…
3. Nach der Kontrolle der Klassenarbeiten fiel ich fast vom Stuhl und ärgerte mich mal wieder über den neuen Bewertungserlass.

Nun ist es ja so, dass in Sachsen-Anhalt dieses Schuljahr ein neuer Bewertungserlass herausgegeben wurde, nach dem die Schüler noch viel sanfter bewertet werden. Ich finde es mittlerweile sogar echt schwer, eine 6 zu bekommen, das ist schon eine Leistung… schließlich gibt es ab 20% schon die 5. Nun ja, Arbeiten kontrolliert, Punkte ausgerechnet, in die Punktetabelle geguckt – und siehe da: Nur 2 Schüler erhalten eine 3, 3 Schüler eine 1 und der Rest eine 2. WAS??? Das geht doch gar nicht… noch 3 Mal nachgerechnet, doch es ist so. Immerhin darf man 14 Fehler machen und bekommt trotzdem noch eine 2… Wozu dann noch Noten? Wirken unsere Schüler jetzt etwa schlauer? Ja, nach außen schon, aber ganz ehrlich: Das ist für mich dann keine gute Leistung mehr. Laut Erlass und Tabelle schon… Und nun befürchte ich, auch wenn es absurd ist, dass ich das angekreidet bekomme, dass die Arbeit zu gut ausgefallen ist. Dabei habe ich die Punkte mit meiner Mentorin abgesprochen und auch keine Punkte geschenkt, sondern recht streng bewertet. Also entweder ist etwas am System falsch oder ich bin wirklich die beste Lehrerin der Welt . 😀

Wochenende? Noch nicht ganz.

Heute habe ich mal wieder gemerkt, wie wenig nachtragend Schüler sind. Das ist echt Wahnsinn! Hatten wir doch in Deutsch am Mittwoch unsere Auseinandersetzungen wegen dieser ganzen Stereotypen, die dort an die Oberfläche gebracht wurden, waren die Schüler heute wieder die liebste Deutschklasse, die man sich wünschen kann. Sie haben super mitgearbeitet, es ließen sich sogar Schüler vom Mitarbeiten überzeugen, die ich bisher noch nie reden hören habe und wir haben trotz des straffen Zeitplans alles geschafft, was wir schaffen wollten.
Und trotzdem stellt sich bei mir nicht die rechte Zufriedenheit ein. Grund: Meine Mentorin hat sich die methodisch gute Stunde zum Anlass genommen, heute mal alle Kleinigkeiten zu kritisieren, die ich wahrscheinlich immer falsch mache. Sie sagte sogar selbst, sie sei viel zu kritisch und mache das alles selbst nicht, aber in der Prüfung wollen sie das ja sehen…
Nach der Besprechung fühlte ich mich wie ein Häufchen Elend, weil ich das Gefühl hatte, dass ich eigentlich nichts richtig gemacht hatte. Als ich mir dann aber noch einmal alles aufschrieb, was sie gesagt hatte, reduzierte sich das doch ganz schön:

  • mehr darauf achten, dass die Schüler in ganzen Sätzen antworten und vor allem auch lauter reden (den einen Schüler ermahnte ich 3 Mal, er solle lauter reden (während einer Äußerung) und trotzdem piepste er weiter vor sich hin)
  • die Schüler mehr Fachvokabular einsetzen lassen bzw. erklären lassen, was sie z.B. unter „alltagssprachlich“ verstehen (ich bin ganz naiv davon ausgegangen, dass die Schüler damit sicher dasselbe meinen wie ich)
  • am Stundenende eine Zusammenfassung machen, um das Wichtigste der Stunde, was die Schüler sich merken sollen, herauszustellen (ist ’ne schöne Sache, aber hab ich noch nie bei einem Lehrer beobachtet, weswegen ich es wohl selbst nur schwer verinnerlichen kann, auch wenn man mir das schon öfter gesagt hat)
  • naja, und das Tafelbild war heut wirklich grausig, aber das war die Ausnahme – sonst wurde ich dafür eigentlich immer gelobt

Nichts, woran man nicht arbeiten kann. Ich hoffe mal, dass sich das mit der Zeit noch alles einpendelt, damit das dann ganz automatisch passiert. Ihr seht, meinen Optimismus verliere ich nicht, auch wenn ich mich dennoch irgendwie blöd fühle nach dem Tag heute.

Und jetzt fragt ihr euch sicher, warum ich noch nicht so recht vom Wochenende reden mag… der pfiffige Leser weiß es schon: Morgen ist Tag der offenen Tür. Dafür habe ich mit den Schülern ganz allein eine Vorleseaktion aufgezogen und hoffe mal, dass sie morgen Anklang findet und viele Besucher anzieht. Die Schüler waren gestern beim nochmaligen Besprechen schon etwas verängstigt, was wir machen, wenn keiner kommt und sie dann ganz allein im Raum sind. Aber ich hoffe einfach auch, dass sich Kinder (und Eltern) trotz des naturwissenschaftlichen Schwerpunktes dafür interessieren.
Von unserer Seite kann eigentlich nichts schief gehen. Die 7 auserwählten Schüler waren so engagiert und motiviert gestern, dass wir sogar 5 Plakate hätten und bis weit nach Ende des Tages der offenen Tür vorlesen könnten. Ich bin also guter Dinge, dass das morgen läuft. Wir freuen uns über jeden Besucher. 😉