„Wir können auch einfach alle wieder nach Hause gehen.“

Dieser reizende Vorschlag wurde mir heut Morgen vor der ersten Stunde von einem meiner Siebtklässler gemacht. Hätte ich gewusst, wie dieser Tag verlaufen würde, hätte ich wohl auch dankend angenommen und mich wieder in mein Bett gelegt. Da ich aber keine hellseherischen Fähigkeiten habe, antwortete ich nur lässig: „Aber es macht doch immer so viel Spaß mit euch, das können wir uns doch nicht entgehen lassen!“ Seine schlagfertige Antwort: „Das sagen Sie nicht mehr lange, glauben Sie mir.“ 😀

Mit einem trägen „Good morning“ begrüßte mich die Klasse schließlich. Schon an dieser Stelle hätte mir klar werden müssen, dass heute etwas nicht stimmt… Frohen Mutes versuchte ich aber, die Schüler durch ein Ratequiz aufzuwecken. Abgesehen davon, dass die ersten zwei aufgerufenen Schüler die Aufgabe nicht verstanden hatten bzw. gar nicht erfüllt hatten, lief das auch ganz gut. Munterer wirkten sie aber leider trotzdem nicht. Aber es hilft ja alles nichts, Englischunterricht muss trotzdem gemacht werden. Wirklich rund lief die Stunde dann nicht… zwar hatten die Schüler die Grammatikregeln wunderbar gelernt, doch an der Anwendung haperte es gewaltig. Und vom absolut respektlosen Verhalten meiner Mentorin will ich mal gar nicht reden… das war ja die Krönung. Nicht nur hat sie mir ständig dazwischengeredet, sondern ist sie selbst in der Auswertungsphase, als die Übung längst beendet war, noch weiter herumgegangen und hat individuell geholfen. Ähm, wozu vergleichen wir gemeinsam? Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber das ist doch absolut unter aller Kanone, oder? Leider war keine Zeit, um das Problem anzusprechen, aber das wird definitiv nachgeholt (wenn ich mich auch wieder etwas beruhigt habe).

Den restlichen Tag war ich dann auch nur halb da, weil ich viel nachgedacht und gegrübelt habe, warum meine Stunde nicht lief und warum ich mich überhaupt in Englisch so wahnsinnig unwohl fühle und vor der Klasse nicht ich selbst sein kann. Es liegt ja eigentlich auf der Hand: Ich stehe nicht hinter dem, was ich vorne mache, weil es mir auferlegt wurde. Und auch wenn ich ein bisschen ausbrechen kann, erfüllt mich das einfach noch nicht. Abgesehen davon kann ich ja wohl kaum noch Respekt von den Schülern erwarten, wenn meine Autorität durch meine Mentorin selbst vor den Schülern in Frage gestellt wird, oder?

Das Thema beschäftigte mich so brennend, dass ich auch meine Seminarleiterin damit konfrontieren musste – zum Glück hatten wir heute Seminar. Sie machte mir Mut, dass sie das Problem schon kennt und wir das alles hinkriegen… und ich hoffe einfach inständig, dass sie Recht hat!

Jetzt drückt mir die Daumen, dass es in Deutsch morgen wieder genauso super läuft wie am Mittwoch, damit ich etwas selbstbewusster und -sicherer ins Wochenende starten kann, als ich mich nun gerade fühle. Aber tschakka, das wird! Ich bin ja gut vorbereitet.

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