Das ist er also…

… der Zwiespalt eines Referendars. Vor einigen Tagen hätte ich wohl noch gesagt, dass mich das nicht betrifft, doch nun weiß ich doch nicht so richtig, wie ich mich verhalten soll. Aber ich fang mal von vorne an.

Wir ihr wisst, ist meine eine Mentorin eine sehr konservative Lehrerin, die Aufgabe für Aufgabe im Lehrbuch abarbeitet und keine zusätzlichen Materialien erstellt oder nutzt. Diese Woche soll ich nun die ersten Stunden in Englisch machen, morgen die erste. Mir wurde schon angst und bange, als sie am Donnerstag den mir wohl immer im Gedächtnis bleibenden Satz sagte: „Referendare wollen immer das Rad neu erfinden und irgendwas Innovatives machen. Meiner Meinung nach braucht ihr doch nur nach dem Buch arbeiten; die Ersteller haben sich dabei schon was gedacht. Warum wollt ihr immer noch etwas anderes machen?“ Tja, die Antwort muss ich wohl nicht ausführen, oder? Natürlich möchte man die Methoden mal ausprobieren, die man im Studium gelernt hat. Natürlich möchte man sich als Lehrerpersönlichkeit ausprobieren. Und vor allem will ich doch auch meine Schüler etwas motivieren, was mit reiner Lehrbucharbeit meiner Meinung nach nicht möglich ist. Und nein, ich sage nicht, dass Frontalunterricht oder Lehrbucharbeit per se schlecht sind. Aber ausschließlich?
Ganz vorsichtig traute ich mich dann zu fragen: „Aber es ist nicht schlimm, wenn ich mal eine Aufgabe im Buch auslasse oder Zusätzliches suche/ erstelle?“ – „Nein, das natürlich nicht. Aber du solltest dich schon größtenteils daran halten.“

Tja, nun habe ich versucht, den Spagat zwischen „ich-arbeite-ganz-viel-mit-dem-Lehrbuch“ und „ich-bleib-mir-auch-selbst-treu-und-mach-methodisch-etwas-mehr“ hinzubekommen. Den Entwurf schickte ich am Samstag ab, heute bekam ich einen Anruf meiner Mentorin. Zuerst durfte ich mir anhören, dass mein tabellarischer Entwurf (eine Tabelle, wie sie im Seminar genutzt wird und wie ich sie auch aus dem Studium kenne) absolut unübersichtlich sei und wie toll das doch die Referendarin vor mir immer gemacht hatte… *bumm* Erste Flaute. Ich erklärte ihr, dass ich die genauen Vorgaben aus Englisch noch nicht kenne, aber dieser Entwurf eigentlich Standard ist, da ich den so aus dem Studium sowie aus dem Deutsch- und Hauptseminar kenne.
Danach kritisierte sie meine pre- und post-reading-Aufgaben (die ich mir selbst ausgedacht hatte, weil das Buch so etwas gar nicht macht, sondern einfach nur lesen lässt und dann daran Grammatik erklärt – kann man wohl drüber streiten) und meinte, dass sie den Sinn darin nicht sehe, aber ich solle mal machen… von Motivation, Einstimmung auf den Text u.ä. hat sie scheinbar noch nichts gehört, denn auch nach dieser Erklärung erschien ihr das sinnlos und als Zeitverschwendung.
Die restlichen Sachen fand sie wohl ok, die anderen Hinweise waren auch hilfreich (auch wenn ich mich fühlte, als wäre das meine allererste Stunde und als dächte sie, ich wäre von irgendwo weit hinter dem Mond und hätte noch nie etwas von Unterrichtsplanung gehört). Wenn ich nicht wüsste, dass ich schon knapp 1 Jahr allein unterrichtet habe und dass die Schüler und meine alten Mentoren aus dem Praxissemester durchweg zufrieden und sogar begeistert von meinem Unterricht waren, würde ich jetzt wohl vollkommen an mir zweifeln. So habe ich jetzt einfach nur tierische Angst vor morgen, fühle mich total unsicher und fürchte mich vor dem, was sie wohl nach der Stunde sagen wird… und vor allem stellt sich mir die Frage, wie ich in Zukunft damit umgehen soll. Den mentorengestützten Unterricht strikt nach Lehrbuch und ihren Vorgaben machen und im eigenverantwortlichen Unterricht Eigenes ausprobieren? Oder es darauf anlegen und durchweg mein Ding durchziehen (benotet wird es schließlich nicht, aber ihre Meinung zählt irgendwie auch in meine Note herein und ständige Unzufriedenheit ihrerseits bedrückt mich auf Dauer sicher auch sehr stark)? Und was passiert, wenn ich wirklich mal andere Methoden anwende, Gruppenarbeiten, szenisches Spiel oder gar Projektunterricht, Stationenarbeit o.ä.? Ich hab mich ja extrem zurückgehalten und alles recht lehrerzentriert gehalten… Oder irgendwann noch mal ein ruhiges Gespräch mit ihr, dem Seminar oder gar dem Schulleiter führen?
Oh man, warum kann man uns Referendare nicht mal ausprobieren und notfalls auf die Nase fallen lassen? Aber am besten mache ich erst einmal nicht die Pferde scheu und warte die ersten Stunden ab. Aber das Telefonat hat mich schon sehr verunsichert… :/

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2 Kommentare zu “Das ist er also…

  1. wie alt is deine mentorin? nimm das nicht so ernst, gibt leute die halt nicht mit der zeit gehen und noch nach methoden aus der steinzeit unterrichten.
    Ich würde sagen, besenftige sie und wenn du durch bist zieh dein eigenes ding durch.
    ich fand es immer gut, wenn die lehrer nicht nur nach dem kackbuch gegangen sind 😀
    man möchte ja sein publikum auch erreichen und dabei wird das buch nicht helfen ^^ nur wer keine lust hast geht stur nach dem buch 😉

    • Kurz vor der Pension, also Anfang/ Mitte 60. Privat ist sie auch absolut cool drauf (solange man ihrer Meinung ist, was ich in außerunterrichtlichen Sachen oft bin), aber im Unterrichten einfach stehen geblieben. Sie hat sogar ein Smartphone und kann damit super umgehen! 😉 Deswegen versteh ich erst Recht nicht, warum sie in der Schule allem anderen so verschlossen gegenüber ist… einfach schade, für die Schüler, aber auch für sie selbst… Oft muss sie sogar die Schüler fragen, was sie in der letzten Stunde gemacht haben, also Vorbereitung ist was anderes. ^^

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