1 + 2 = 3

Und genau so viele Stunden habe ich nun eigenverantwortlich unterrichtet und erfolgreich hinter mich gebracht.

Nachdem die Schüler gestern noch etwas schüchtern und zurückhaltend waren, fand ich heute eine wahnsinnig motivierte und aktive Klasse vor, die trotzdem mucksmäuschenstill war, wenn das Reden gerade nicht angebracht war. Ich war begeistert!
Nachdem ich meine erste Frage an die Klasse gestellt habe, wurde sie erstmal prompt mit der Gegenfrage beantwortet, ob ich denn die Klasse nächstes Schuljahr in Englisch übernehmen würde, weil die derzeitige Fachlehrerin dann in Pension geht. Ziemlich enttäuscht nahmen sie meine Antwort entgegen, dass ich dazu noch keine Aussage machen könne. Ein besseres Kompliment gibt es aber kaum: Schon nach einer Unterrichtsstunde habe ich die Schülerherzen für mich gewonnen. Hoffen wir mal, dass ihr Erkenntnisgewinn ebenso hoch war. 😉
Geschockt war ich allerdings, als die Schüler zur Förderung der Sprachkompetenz und Anwendung der neu gelernten Grammatik ein Rollenspiel gestalten sollten und manche Schüler mich ernsthaft fragten, was das sei. Und bei meinen Aufgabenstellungen fragten sie immer, welche Aufgabe das nun im Lehrbuch sei. Irgendwie kam ihnen nicht in den Sinn, dass sich der Lehrer auch selbst Aufgaben ausdenken und vom Buch abweichen kann. Armes Bildungsdeutschland!? Irgendwie schon schade, wenn Schüler keine anderen Methoden außer sturem Frontalunterricht am Lehrbuch entlanghangelnd kennen… aber das ist nicht überall so, oder? Noch lass ich mir meine Illusion vom Methodenwechsel im alltäglichen Unterricht nicht nehmen – einem Unterricht, in dem Schüler ihre Ideen und ihre Kreativität mal frei entfalten können und selbstständig an Themen arbeiten. Immerhin konnten sie sich schnell auf die neue Aufgabe einlassen und haben super Ergebnisse hervorgebracht. So gingen am Ende alle lächelnd und zufrieden aus dem Unterricht.

„Das hat heute mal richtig Spaß gemacht“, hörte ich meine Schüler noch beim Heruntergehen sagen. 🙂

 

PS: Notiz an mich selbst: Ein Tablet-PC als Wörterbuch genutzt kann die Schüler ganz schön aufwühlen und wahnsinniges Interesse wecken.

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4 Kommentare zu “1 + 2 = 3

  1. unsere Deutschlehrerin hält sich ebenfalls nicht ans Lehrbuch. Ausgestattet mit Eieruhr, 18er Würfel und extrem viel Ideen, ist ihre liebste Unterrichtsmethode: Gruppenarbeit 🙂
    Manchmal sehne ich mich nach dem guten alten Frontalunterricht.

  2. Klingt nach nem vollen erfolg 😀 bei mir in der berufschule gibt es ne menge lehrer die so frontal unterrichten das sie nicht mal mitbekommen dass die schüler sich mit dem internet beschäftigen oder vor sich her programmieren. das sieht dann meistens wie selbstgespräche aus. die idee mit dem tablet klingt cool. ich hatte im 2. lehrjahr n lehrer der nich nur den rechner am lehrerpult genutzt hat sondern auch sein tablet, sein eigenen laptop und n haufen andere utensilien (keine ahnung ob das so geschrieben wird). bei manchen aufgaben war es auch nötig das wir unsere eigenen laptops miteinder vernetzen mussten. es entstand dabei viel komminikation und eine steigerung der teamfähigkeit unter den schülern. frontalunterricht hat ausgedient. schüler müssen lernen was teamfähigkeit, eigeninitiative, flexibilität und selbstständiges arbeiten heißt.

    ich wünsch dir noch viel erfolg 😀

    • Frontalunterricht ist ja nicht per se schlecht, in einigen Situationen braucht man ihn unbedingt! Wenn die Schüler aber nur noch eine Aufgabe nach der anderen im Buch bearbeiten und der Lehrer lediglich vorn zur Steuerung des Ganzen steht, dann macht das für mich wenig Sinn. Leider läuft der normale Englischunterricht dort so, weswegen die Schüler sich über jede Abwechslung gefreut haben, aber einiges eben auch befremdlich fanden.
      Ich würde auch gern viel mehr moderne Medien einbinden, aber dafür muss ich 1. die Klasse etwas länger haben und 2. sind die Gegebenheiten an der Schule nicht wirklich gegeben… ich kann auch nicht von jedem Schüler verlangen, dass er einen Laptop besitzt und diesen gar in die Schule mitbringt. In anderen Ländern ist das aber gang und gäbe, ich sehe auch einiges Potenzial. Ganz ersetzen möchte ich das traditionelle Schulbuch + Tafel aber auch nicht – dafür haben sie sich zu sehr bewährt. 😉

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